Der französische Ausspruch l’état c’est moi, der sich mit Der Staat bin ich übersetzen lässt, ist ein wesentliches Schlagwort des Absolutismus und wird zumeist Ludwig XIV. zugeschrieben, wobei eigentlich unklar ist, wer die Wendung l’état c’est moi tatsächlich prägte. Dennoch verkörpert der Ausspruch wesentliche Merkmale des Absolutismus. Dieser fußt darauf, alle Angelegenheiten des Staates auf eine (adlige) Person zu konzentrieren. Dieses Staatsoberhaupt nimmt somit die Spitze der Ämterhierarchie innerhalb eines Staates ein und repräsentiert den Staat nach innen und außen, weshalb das Staatsoberhaupt demnach selbst zur Verkörperung des Staates wird.

Der Ausspruch meint also, dass die Person, die an der Spitze des Staates steht, diesen in sämtlichen Angelegenheiten vertritt. Da Ludwig XIV. als derjenige gilt, der den Absolutismus in der uns bekannten Form maßgeblich auslebte und gestaltete, wird der Ausspruch zumeist mit ihm in Verbindung gebracht. Diese Vermutung lässt sich allerdings nicht belegen und muss demnach als Anekdote gewertet werden.

So soll Ludwig angeblich 1655 vor das Parlament getreten sein und dem ersten Präsidenten, der die Interessen des Staates betonte, entgegnet haben:„Ich bin der Staat!“, was sich aber nicht belegen lässt. Dennoch ist es korrekt, dass Ludwig dem Staatsrat nach seiner Machtübernahme verkündete, dass er fortan keinen Leitenden Minister mehr bestimmen und die Staatsangelegenheiten selbst erledigen würde. Darüber hinaus entließ er zahlreiche Mitglieder des Staatsrates, weshalb nur noch die wichtigsten der einstigen Minister verblieben und die Regierung auf den Alleinherrscher zugeschnitten wurde.

Interessant ist allerdings, dass Ludwig XIV. auf seinem Totenbett einen recht ähnlichen Satz formuliert hat, der aber eine nahezu gegenteilige Bedeutung hat: Je m’en vais, mais l’Etat demeurera toujours. Dieser Satz lässt sich mit Ich gehe fort, doch der Staat bleibt zurück übersetzen und verweist eher darauf, dass der Sonnenkönig Ludwig XIV. Staatsoberhaupt und Staat sehr wohl voneinander trennte, wenngleich er alles dafür tat, dass sämtliche Angelegenheiten in seinen Händen ruhten.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema L’état c’est moi
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001