Als Adespota werden Schriften bezeichnet, deren Verfasser nicht bekannt ist. Ursprünglich wurde der Begriff auf kleinere Gedichte in griechischen Anthologien bezogen, deren Urheber nicht bekannt war. Weiterhin wurden in der Antike freigelassene Sklaven Adespota genannt sowie alle beweglichen oder auch unbeweglichen Güter im Staate, die keinem Einzelnen gehören. In Bezug auf die Literatur werden teilweise thematische Sammlungen herausgegeben, deren Urheber allesamt unbekannt sind. Ein bekanntes Beispiel ist das Werk Tragicorum Graecorum Fragmenta von August Nauck, das neben den Werken der Dichter Aischylos, Sophokles und Euripides viele Fragmente griechischer Tragödien enthält, deren Verfasser unbekannt ist oder bis dato noch nicht herausgegeben wurde.

Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort ἀδέσποτος ab und lässt sich mit ohne Herrn, von unbekanntem Verfasser sowie anonym übersetzen. Folglich verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine Schrift, deren Verfasser nicht bekannt ist. Im weitesten Sinne fallen unter den Begriff also auch sämtliche Werke, deren Verfasser anonym ist oder der anonym bleiben will.

Ein weiteres bekanntes Beispiel findet sich in der achtbändigen Poetae Comici Graeci. Diese ist eine Fragmentsammlung zur antiken griechischen Komödie, welche bereits seit 1983 von Colin Austin, einem britischen Philologen und Papyrologen, und Rudolf Kassel, einem deutschen Philologen, herausgegeben wird. Der achte Band dieser Sammlung, welcher im Jahr 1995 herausgegeben wurde, trägt den Titel Adespota und beinhaltet antike griechische Komödienfragmente, deren Verfasser unbekannt sind.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Adespota
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001