Als Ananym wird eine spezielle Form des Pseudonyms bezeichnet, bei welcher die Buchstaben eines Namens neu angeordnet werden. Das Ananym ist eine Sonderform des Anagramms und kann dadurch gebildet werden, (1) dass sämtliche Buchstaben eines Namens beliebig neu angeordnet werden und so einen neuen Namen formen oder (2) in genau umgekehrter Reihenfolge sortiert werden. Wird das Ananym also rückwärts gelesen, ergibt es wiederum den ursprünglichen Namen.

Der Begriff leitet sich von den griechischen Wörtern ana, was sich mit gemäß, sowie onyma, was Name bedeutet, ab. Demzufolge verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, dass der Begriff etwas mit Namen zu tun hat. In diesem Fall geht es um konstruierte Namen, die in Anlehnung an das Original und durch Buchstabendreher entstanden sind. Schauen wir nun auf Beispiele, die die Formen des Ananyms zeigen.


(1) Der Dichter Paul Celan hieß ursprünglich Paul Ancel.

Das obige Beispiel zeigt das grundsätzliche Prinzip der Ananyme. Das Pseudonym des Dichters – unter dem er den meisten Menschen wohl auch bekannt ist – vertauscht nämlich einige Buchstaben des ursprünglichen Namens. So wandert die Silbe -cel an den Anfang und das -an bildet fortan das Ende des Namens. Aus Ancel wird auf diesem Weg der Buchstabendreher Celan. Schauen wir auf ein weiteres Beispiel:


(2) In Castlevania heißt einer der Protagonisten Alucard.

Castlevania ist eine Videospielreihe von Konami, deren erster Ableger bereits 1987 erschien. Im Spiel steuert der Spieler einen Vampirjäger, der sich den dunklen Mächten entgegen und versucht zumeist, einen Weg durch Draculas Schloss zu finden. Der Sohn des Grafen Dracula heißt in der Reihe Alucard, was eine einfache Umkehrung des Namens des sagenhaften Vampirs ist.

Das Ananym Alucard ist aber keine Erfindung von Konami. Erstmals lässt es sich im US-amerikanischen Film Son of Dracula (1943) von Robert Siodmak, wobei der adlige Blutsauger Anthony Alucard die Wortspielerei als Nachnamen führt. Außerdem findet sich dieses Ananym in der Manga/Anime-Serie Hellsing. Alucard ist hier ein Vampir, der für die Organisation Hellsing arbeitet. Folglich ist dieses Ananym recht häufig zu finden.


(2) Theodor Seuss Geisel nutzte mitunter den Namen Theo LeSieg.

Im obigen Beispiel geht es um eine Umstellung des Nachnamens des Schritstellers Theodor Seuss Geisel. Geisel ist uns vor allem als Effinder des weihnachtshassensen Grinch bekannt, wenngleich er zahlreiche Kinderbücher schrieb. Für seine Werke verwendete er verschiedene Pseudonyme, wie beispielsweise Dr. Seuss, Rosetta Stone sowie das Ananym seines Nachnamens LeSieg.

Grundsätzlich gilt bei Ananymen, das sie sich aus sämtlichen Buchstaben des ursprünglichen Wortes zusammensetzen. Völlig gleich, ob dies nun einfach durch (2) eine Umkehrung der Buchstabenreihenfolge oder (1) durch das gezielte Austauschen einzelner Silben geschieht. Dennoch finden sich Beispiele, bei denen das Ursprüngliche leicht verändert wurde. Beispielsweise wurde der Autor Kurt Wilhelm Marek unter dem Ananym C. W. Ceram bekannt. Marek wurde also zu Ceram, wobei der Konsonant K zum C wurde.

Ananym-Beispiele

NameAnanymErläuterung
Paul AncelPaul Celandeutschsprachiger Lyriker
Tom Vorlost Riddle… ist Lord VoldemortAntagonist in den Harry Potter – Romanen
DraculaAlucardOft ein Vampir in diversen Medien
Giulia SiegelGiulia Legeisdeutsches Model
BeatlesSeltaebMerchandising-Unternehmen rund um die Beatles
ZorkKrozHommage an das ältere Computerspiel
KarolinaAni Lorakukrainische Sängerin
HeavenNevaehweiblicher Vorname aus dem engl. Heaven
DivXXvidXvid ist ein Konkurrent des Video-Codecs DivX
AdminNimdaComputervirus
GoogleelgooGSpiegelverkehrte Google-Suche (Aprilscherz)
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Ananym wird eine Sonderform des Pseudonyms bezeichnet. Hierbei werden die einzelnen Buchstaben des Namens einer Sache (1) zu einem neuen Begriff geformt oder aber nur (2) rückwärts angeordnet. So entsteht durch die Neuanordnung eine Verfremdung des Namens und ein Pseudonym. Es handelt sich dabei um eine Art des Anagramms.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Ananym
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001