Als Annalen werden Aufzeichnungen bezeichnet, die geschichtliche Ereignisse in chronologischer Reihenfolge darstellen. Solche Annalen gelten als eine frühe Form der Geschichtsschreibung und sind bereits im Orient sowie im Abendland belegt und lassen sich darüber hinaus in der römischen Antike ausmachen. Im antiken Rom hielt der Pontifex maximus – also der oberste Priester – seit etwa 400 v. Chr. sakrale oder auch bedeutende Ereignisse (Seuchen, Omen, Mond- sowie Sonnenfinsternisse etc.) alljährlich auf weißen Tafeln fest, was als erster Vorläufer der annalistischen Gattung gelten kann. Solche Annalen dienen heuten als wichtige Quelle, um historische Ereignisse einordnen zu könnnen. Allerdings verschwimmen bei der Darstellung sehr häufig Wahrheit und Mythos, weshalb solcherlei Texte stets mit anderen Quellen abgeglichen werden sollten. Heutzutage wird der Begriff aber auch für viele Geschichtswerke, Jahresberichte sowie als Titel von (nicht-historischen) Zeitschriften gebraucht.

Der Begriff leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für Jahrbücher ab, die annales libri genannt werden. Demnach verweist diese ursprüngliche Wortfolge recht eindeutig darauf, worum es dabei geht: nämlich um Bücher, die die wichtigsten Ereignisse des Jahres darstellten. Das Wort annales geht auf das Nomen annus zurück, das sich mit Jahr übersetzen lässt und libri geht auf liber für Buch zurück.

Die lateinische Bezeichnung, also annales libri, findet sich in etwa ab dem 16. Jahrhundert in deutschsprachigen Texten. Erst ab dem 18. Jahrhundert wird dann auch die deutsche Entsprechung des Begriffs, also Annalen, populär und in der Folge nahezu ausschließlich gebraucht. Darüber hinaus gibt es den Begriff im Deutschen nur in der Mehrzahl, weshalb es sich um ein Pluraletantum handelt.

Geschichte der Annalen

Die Annalistik lässt sich bis in die römische und griechische Antike nachweisen, wobei sie als Frühform der Geschichtsschreibung gilt und sich darüber hinaus im Orient ausmachen lässt. Solche Annalen gelten heute als wichtige Quelle der Geschichtswissenschaft, auch wenn sich bisweilen historische Darstellungen mit Mythen und Legenden vermischen.

Um 400 v. Chr. schrieb der Pontifex maximus die wesentlichen Ereignisse des Jahres auf weiße Tafeln. Solche Tafeln wurden auch für öffentliche Bekanntmachungen benutzt und als Album bezeichnet. Diese Tafeln wurden um 130 v. Chr. von Publius Mucius Scaevola, einem Juristen, in 80 Büchern unter dem Titel Annales maximi zusammengefasst. Darüber hinaus unterschied man in der Antike zwischen Annalen, die Vergangenes erzählten (Historiae) und Annalen, die das Zeitgeschehen rückblickend zusammenfassten.

Diese Tradition wurde dann auch im Mittelalter fortgesetzt, wobei anfangs vor allem Klöster, Residenzen und Bischofssitze das jährliche Zeitgeschehen festhielten, dann aber auch Herrscher und Reiche eigene Annalen anfertigten, wie etwa die Annales regni Francorum, die eine schriftliche Auflistung von Ereignissen des 8. und 9. Jahrhunderts im Fränkischen Reich darstellen. Die Autoren dieser fränkischen Reichsannalen sind nicht überliefert und auch ihr Inhalt muss stets kritisch hinterfragt werden, da sie teilweise wie rückwirkende Rechtfertigungen erscheinen (bspw. für politische Handlungen oder das Kriegstreiben).

In der Folge verschmolzen Annalen, Chroniken und Historien miteinander. Chroniken zielen eher darauf ab, einen zeitlich geordneten historischen Überblick zu verschaffen und sind nicht nur, wie eben die Annalen, eine Aneinanderreihung von Jahresberichten. Dennoch wird auch heutzutage ebendieses annalistische Prinzip gebraucht, um beispielsweise die Gleichzeitigkeit von Ereignissen zu verdeutlichen.

Bekannte Annalen (Beispiele)

  • Antike (römisch, griechisch)
    • Annales des Publius Cornelius Tacitus
    • Annales des Virius Nicomachus Flavianus (nicht erhalten)
  • Mittelalter (europäisch)
    • Annales regni Francorum (Zeit: 741 bis 829)
    • Metzer Annalen (678 bis 805)
    • Annalen von St. Bertin (741 und 882)
    • Annales Fuldenses (714 bis 901)
    • Annales Vedastini (874 bis 900)
    • Steterburger Annalen (1000 und 1195)
    • Annalen von Tigernach (807 v. Chr. bis 360 / 489 bis 1178)
    • Quedlinburger Annalen (984 bis 1025)
    • Lorscher Annalen (703 bis 803)
    • Salzburger Annalen (diverse Schriften, 830 bis 1327)
    • Annalen von Niederaltaich (708 und 1073)
    • Pöhlder Annalen (0 bis 1182 [?])
    • Sindelfinger Annalen (1261 bis 1477)
    • Annalen der vier Meister (5200 v. Chr. bis 1616)
    • Annalen von Inisfallen (433 bis 1450 [?])
    • Annalen von Loch Cé (1014 bis 1590)
    • Annalen von Ulster (431 bis 1541)

Annalen der Geschichte

Darüber hinaus gibt es ein geflügeltes Wort, das auf dem Begriff aufbaut: nämlich die Annalen der Geschichte. Wer in die Annalen der Geschichte eingeht, wurde folglich von den Annalisten erfasst und war demnach an einem bedeutsamen Ereignis beteiligt. Wird diese Wortfolge heutzutage gebraucht, meint sie im Eigentlichen das Gleiche: nämlich dass eine Person bedeutende Dinge getan hat und somit – mitunter auch im scherzhaften / ironischen Sinn – in die Geschichte eingehen wird.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Annalen
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001