Als Antonym wird ein sprachliches Gegenwort, auch Oppositionswort, bezeichnet. Demzufolge meint das Antonym also ein Wort, dessen Bedeutung den absoluten Gegensatz, also das genaue Gegenteil eines anderen Wortes meint. In der Literatur werden Antonyme vor allem in Paradoxa, Oxymora oder Antithesen verwendet. Jedoch gibt es nicht für jeden Begriff ein entsprechendes Antonym. Nicht zu verwechseln sind Antonyme mit Pendants. Das Pendant ist ein Gegenstück, also etwas, das zwar inhaltlich das Gleiche meint, aber einem anderen Bereich oder (kulturellen) Raum zuzuordnen ist.

Der Begriff lässt sich aus dem Griechischen ableiten und setzt sich aus der Präposition anti (αντί) für gegen und dem Nomen ónoma (ὄνομα) für Namen zusammen. Demzufolge lässt sich das Wort als Gegenname übersetzen und verweist so auf die eigene Bedeutung: es handelt sich um ein Wort, das einem anderen inhaltlich gegenübersteht. Wort und Gegenwort bilden ein Gegensatzpaar. Nun einige Beispiele:

BegriffAntonym
(Gegenwort)
kaltheiß
weißschwarz
reicharm
leervoll
riesigwinzig
dunkelhell
vollkommenunvollkommen
berufstätigarbeitslos
jungalt
hässlichschön
lautleise
nasstrocken
scharfmild
rohgar
LiebeHass
NachtTag
schlankdick
krankgesund
schwerleicht
teuerbillig
weichhart
stumpfspitz
Hinweis: Sämtliche Antonyme der obigen Beispiel-Tabelle können miteinander vertauscht werden. Demnach ist nicht nur heiß das Antonym von kalt, sondern kalt auch gleichermaßen das Antonym von heiß. Noch weitere Beispiele für antonyme Adjektive und Substantive finden sich im Beitrag Gegensatzpaar.

Bildung von Antonymen

Zahlreiche Gegenwörter lassen sich mit der Vorsilbe un bilden. Demzufolge wird aus klar unklar sowie aus nachgiebig unnachgiebig. Dennoch gibt es keinerlei klare Regeln, wie das Gegenteil eines Wortes zu bilden ist, wenngleich die Ergänzung der genannten Vorsilbe in vielen Fällen zutreffend erscheint.

Dennoch lässt sich daraus keine Verbindlichkeit ableiten. Denn das Gegensteil von Hitze ist Kälte und nicht Unhitze, wobei sich aus dem Adjektiv billig auch nicht das Antonym unbillig ableiten lässt. Weiterhin gibt es Wörter, die zwar mit der Vorsilbe un bestehen, aber nicht das Gegenteil zum Ausdruck bringen.

Beispielsweise könnten Mut und Feigheit ein Gegensatzpaar bilden. Der Unmut meint allerdings etwas ganz anderes, auch wenn er im Wortschatz des Deutschen existent ist. Als Unmut wird nämlich ein Gefühl der Unzufriedenheit beschrieben und nicht die Angst vor einer Gefahr, wie es Feigheit zum Ausdruck bringt.

Daraus lässt sich ableiten, dass die Vorsilbe un zwar recht häufig zur Antonymbildung gebraucht wird, aber keineswegs verbindlich ist und weiterhin, dass sich die Bildung des Gegenteils eines Wortes nicht auf andere Gegensatzpaare übertragen lässt. Beispielsweise sind Überführung und Unterführung in Bezug auf das Verkehrswesen Antonyme. Übergang und Untergang haben allerdings gar nichts miteinander zu tun.

Auto-Antonym

Es gibt Begriffe, die kein zweites Wort benötigen, um das Gegenteil auszudrücken. Sie selbst stehen nämlich für das Gemeinte und gleichermaßen für das jeweilige Gegenteil. Ein solches Wort wird als Auto-Antonym, aber auch als Janus-Wort sowie als Antagonym, bezeichnet. Einige Beispiele:


Wir wollen morgen das Dach abdecken.

Im obigen Beispiel wird das Verb abdecken gebraucht. Der Begriff hat allerdings zwei Bedeutungen, weshalb der obige Satz durchaus missverstanden werden könnte. Auf der einen Seite meint abdecken nämlich, dass von einer Sache, die bedeckt ist, etwas heruntergenommen wird. Beispielsweise könnte man einen Tisch abdecken. Andererseits meint das Wort, dass eine Sache bedeckt wird. So könnte ein Loch mit Brettern abgedeckt werden. Sollen die Ziegel des Daches herunter oder etwas zum Schutz aufgelegt werden?

Demnach kann das Wort also sein eigenes Gegenteil bilden, jedenfalls im weitesten Sinne. In einem solchen Fall spricht man von einem Auto-Antonym oder eben Januswort. Januswörter sind demzufolge antonym (eine entgegengesetzte Bedeutung habend) und außerdem homonym (gleichlautend). Ein weiteres Beispiel:


Ich spiele mit dem Gedanken, das Regal auszubauen.

Auch dieser Beispielsatz könnte durchaus missverstanden werden. Einerseits bedeutet das Verb ausbauen, dass eine Sache erweitert wird. Wer folglich den eigenen Dachboden ausbaut, erweitert sehr wahrscheinlich seinen Wohnraum. Andererseits kann das Wort aber auch bedeuten, dass ein Gegenstand entfernt wird. Die Wörter entfernen und erweitern stehen sich inhaltlich gegenüber und werden dennoch im Wort ausbauen vereint – ein Auto-Antonym, das gleichlautend ist und dennoch gegenteilige Bedeutungen haben kann.

Demzufolge muss die Bedeutung solcher Januswörter aus dem Zusammenhang oder der Erfahrung des Sprechers erschlossen werden. Nur so lässt sich erschließen, was tatsächlich gemeint ist. Weitere Beispiele, die unkommentiert bleiben, sind die nachfolgenden Wörter: Kriegsgegner, anhalten, aufheben, umfahren, übersehen, verabschieden, anhalten, sanktionieren oder auch lassen.

Frage: Hat jedes Wort ein Antonym?

Für zahlreiche Wörter lassen sich Gegenteile ausfindig machen. Vermutlich verhält es sich außerdem so, dass es sogar zu den meisten Adjektiven eine gegenteilige Bedeutung gibt. Allerdings gibt es zahlreiche Nomen ohne Gegenteil, wobei sämtliche Numerale (Zahlwörter) kein Antonym haben.

Zwar suggerieren es manche Abbildungen oder Redewendungen, aber vor allem für viele Nomen kann es kein Gegenteil geben. Beispielsweise ist ein Buch eine Sammlung von Seiten, die durch eine Bindung und meist einen Einband zusammengehalten wird. Hierfür lässt sich kein Gegenteil denken oder bilden. Gleiches gilt natürlich auch für die meisten Eigennamen – was sollte auch das Gegenteil von Tanne oder Rose sein?

Und auch übliche Pärchen wie Katze / Hund oder Feuer / Wasser sind im eigentlichen Sinne keine Gegenteile. Beispielsweise ist ein Feuer eine Form der Verbrennung, wobei Flammen enstehen. Das Gegenteil zu Feuer wäre also eher eine Nicht-Verbrennung, die keine Flammen bewirkt. Das Wasser ist aber eine Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung und eine durchsichtige, farb-, geruch und außerdem geschmacklose Flüssigkeit.

Es stehen sich hierbei also die Inhalte Flüssigkeit und flammende Verbrennung gegenüber. Das sind keine Gegenteile! Allerdings können in diesem Fall die Eigenschaften, die die Substantiven mitunter bewirken, als gegenteilig, also antonym, beschrieben werden. Nämlich das klassische Gegensatzpaar trocken / nass.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Antonym wird ein sprachliches Gegenwort bezeichnet. Ein Gegenwort ist ein Wort, das das genaue Gegenteil eines anderen Wortes beschreibt. Im weitesten Sinne wird der Begriff jedoch auch für Abstufungen gebraucht. Demzufolge könnten einerseits heiß und kalt als als absolute Gegenteile gelten, wobei warm und kalt ebenfalls gegenteilig erscheinen. Das Adjektiv warm wäre hierbei eine Abstufung von heiß.
  • Solche Gegenwörter werden sehr häufig durch die Vorsilbe un gebildet. Grundsätzlich gibt es aber keine Regeln für die Antonymbildung. Allenfalls als zeitweiliger Okkasionalismus wären solche Verbindung als Stilmittel denkbar. Das meint, dass ein Sprecher mittels spontaner Wortneuschöpfung eine sprachliche Lücke schließt (Bsp.: Das war ’ne echte Unparty!).
  • Weiterhin gibt es Wörter, welche in sich selbst eine antonyme Bedeutung tragen. In diesem Fall sprciht man von Auto-Antonymen, Januswörtern oder auch Antagonymen. Als Beispiel kann das Verb abdecken angeführt werden. Dieses meint nämlich entweder, dass eine Sache abgetragen wird, also von etwas befreit wird oder aber, dass etwas zum Schutz auf eine Sache gelegt wird.
  • Wichtig ist außerdem, dass es zu zahlreichen Begriffen kein Gegenteil gibt. Es scheint so, als würde es tatsächlich zahlreiche Adjektive geben, bei denen ein Antonym existiert, doch bei anderen Wortarten sieht das anders aus. Folglich haben sogar die wenigsten Wörter ein tatsächliches Antonym und liegen demzufolge ohne sprachliches Gegenteil vor.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Antonym
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001