WORTWUCHS | Literaturlexikon

Arioso

Als Arioso wird ein kurzes, jedoch sehr ausdrucksvolles, Gesangstück bezeichnet. Das Arioso gilt als wichtiger Bestandteil der frühen Oper und ist für eine Solo-Gesangstimme konzipiert, wobei es meist durch Instrumentalmusik begleitet wird. Im Gegensatz zum Rezitativ – ein dem Sprechen angenäherter Gesang – ist das Arioso sanglicher. Im Gegensatz zur Arie – ein solistisch vorgetragenes Gesangsstück – zeichnet es sich durch eine offenere und kaum festgelegte Form aus. Mitunter meint der Begriff aber auch einen ungegliederten, kurzen Gesangsteil innerhalb oder am Ende eines Rezitativs.

Begriff

Der Begriff leitet sich vom italienischen Adjektiv arioso ab, das sich mit luftig übersetzen lässt, aber auch liedhaft oder liedartig bedeuten kann. Die letztgenannte Übersetzungen sind beim Erschließen der Bedeutung des Wortes natürlich zielführender.

Demnach verweist das Wort indirekt darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich eine Sache, die zwar liedartig erscheint, allerdings im strengen Sinn kein Lied ist. Es handelt sich nämlich um eine Form der Darbietung, die zwischen dem Sprechgesang und der Arie steht.

Hinweis: Es ist schwierig, die Begriffe trennscharf zu gebrauchen. Gemeinhin gilt, dass das Rezitativ die Handlung der Oper vorantreibt, es sich also um Sprechgesang handelt, der das Geschehen fortführt. Die Arie ist hingegen ein Gesangstück, das in der Regel durch das Orchester begleitet wird und sich durch Wiederholungen auszeichnet (vgl. Da capo). Das Arioso ist folglich auch gesungen, wiederholt allerdings keine Teile und steht zumeist am Ende oder inmitten des treibenden Rezitativs und hat eine offene Form.

Beispiel: Die Zauberflöte

Text der Szene. (ausklappen!)
Nachfolgend der Text, der im obigen Beispiel gesungen und gesprochen wird. Der Teil, der als Arioso bezeichnet werden kann, wurde farblich markiert.


Der Sprecher:
Wo willst du, kühner Fremdling, hin?
Was suchst du hier im Heiligtum?

Tamino:
Der Lieb‘ und Tugend Eigentum.

Der Sprecher:
Die Worte sind von hohem Sinn!
Allein wie willst du diese finden?
Dich leitet Lieb‘ und Tugend nicht,
Weil Tod und Rache dich entzünden.

Tamino:
Nur Rache für den Bösewicht.

Der Sprecher:
Den wirst du wohl bei uns nicht finden.

Tamino:
Sarastro herrscht in diesen Gründen?

Der Sprecher:
Ja, ja! Sarastro herrschet hier.

Tamino:
Doch in dem Weisheitstempel nicht?

Der Sprecher:
Er herrscht im Weisheitstempel hier!

Tamino:
So ist denn alles Heuchelei!
(will gehen)

Der Sprecher:
Willst du schon wieder gehn?

Tamino:
Ja, ich will gehen, froh und frei,
Nie euren Tempel seh’n!

Der Sprecher:
Erklär dich näher mir,
Dich täuschet ein Betrug.

Tamino:
Sarastro wohnet hier,
Das ist mir schon genug!

Der Sprecher:
Wenn du dein Leben liebst,
So rede, bleibe da!
Sarastro hassest du?

Tamino:
Ich haß ihn ewig, ja!

Der Sprecher:
Nun gib mir deine Gründe an.

Tamino:
Er ist ein Unmensch, ein Tyrann!

Der Sprecher:
Ist das, was du gesagt, erwiesen?

Tamino:
Durch ein unglücklich Weib bewiesen,
Das Gram und Jammer niederdrückt.

Der Sprecher:
Ein Weib hat also dich berückt?
Ein Weib tut wenig, plaudert viel.
Du, Jüngling, glaubst dem Zungenspiel?
O legte doch Sarastro dir
Die Absicht seiner Handlung für!

Tamino:
Die Absicht ist nur allzu klar!
Riß nicht der Räuber ohn‘ Erbarmen,
Pamina aus der Mutter Armen?

Der Sprecher:
Ja, Jüngling, was du sagst, ist wahr.

Tamino:
Wo ist sie, die er uns geraubt?
Man opferte vielleicht sie schon?

Der Sprecher:
Dir dies zu sagen, teurer Sohn,
Ist jetztund mir noch nicht erlaubt.

Tamino:
Erklär dies Rätsel, täusch‘ mich nicht!

Der Sprecher:
Die Zunge bindet Eid und Pflicht.

Tamino:
Wann also wird die Decke schwinden?

Der Sprecher:
Sobald dich führt der Freundschaft Hand
In’s Heiligtum zum ew’gen Band.

(Geht ab.)

Das obige Beispiel zeigt einen kurzen Ausschnitt aus Mozarts Oper Die Zauberflöte. Hier klärt ein Sprecher den Prinzen Tamino, der entsandt wurde, um Pamina aus den Fängen Sarastros zu retten, darüber auf, dass er getäuscht wurde, da Pamina keine Rettung braucht und Sarastro kein Bösewicht ist.

Die Szene zeichnet sich vor allem durch den Rezitativ aus. Der Prinz Tamino und der Sprecher kommunizieren in einer Art Sprechgesang miteinander. Doch am Ende, kurz bevor der Sprecher abgeht, lässt sich ein Arioso ausmachen (Im obigen Video ab 6:10).

Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass die Verszeilen des Sprechers gesanglicher sind und sich so vom vorherigen Sprechgesang abheben. Darüber hinaus ist es ein kurzes, ausdrucksvolles Element, das aber eben nicht den opulenten Umfang der Arie hat und demnach auch keine wiederholenden Passagen aufweist.

Zusammenfassung

  • Als Arioso wird ein kurzes, ausdrucksvolles Gesangstück bezeichnet. Das Arioso gilt als wichtiger Bestandteil der frühen Oper und ist für eine Solo-Gesangstimme konzipiert und wird oft instrumental begleitet.
  • Kennzeichnend sind solche Ariosi für die Oper, wobei es teils schwierig ist, das Arioso vom Rezitativ und der Arie zu unterscheiden. Das Rezitativ ist allerdings vordergründig Sprechgesang und eben nicht so gesanglich, wohingegen die Arie ausdrucksvoller und umfangreicher ist, einer festen Form folgt und sich durch Wiederholungen auszeichnet.

  • Hinweis: Der Plural (Mehrzahl) des Wortes ist „Ariosi“. Mitunter wird die Schreibung „Ariosos“ als falsch angekreidet. Aber auch diese Form ist, wenn auch nicht so gebräuchlich, durchaus korrekt.