Als Autograph, auch Autograf, wird die hangeschriebene Niederschrift eines Komponisten, Autoren, Dichters, Künstlers oder anderweitig bekannten Persönlichkeit aus Politik, Wissenschaft, Kunst, Literatur und Geschichte bezeichnet. Unter Sammlern gilt ein Autograph dann als besonders wertvoll, wenn es neben der Handschrift der jeweiligen Person auch noch deren Unterschrift trägt. Seit dem 17. Jahrhundert in Frankreich und England sowie dem 18. Jahrhundert in Deutschland werden solche Autographe teilweise gezielt als materielle Erinnerung an eine bekannte Persönlichkeit gesammelt. Die alleinstehende Unterschrift, die also nicht neben einer Niederschrift steht, nennt man Autogramm.

Der Begriff geht auf das Griechische zurück und leitet sich von autógraphos (αὐτόγραφος) ab. Dieses Wort lässt sich in etwa mit eigenhändig oder selbst geschrieben übersetzen. Der Übersetzung folgend, wäre ein Autograph also jegliches Schriftstück, das von einem Menschen selbstständig geschrieben wurde – im engeren Sinne meint der Begriff aber vor allem die handschriftliche Niederschrift bekannter Personen, wie etwa bei Notizen, Manuskripten, Tagebüchern, Protokollen oder Notationen. Schauen wir auf ein Beispiel:Autograph des Komponisten Beethoven

Das obige Beispiel zeigt die hangeschriebenen Noten der Anfänge von Beethovens E-Dur-Sonate (op. 109). Die einzelnen Noten wurden hierbei eigenhändig vom Komponisten gesetzt und sind folglich nicht gedruckt oder anderweitig vervielfältigt. In diesem Fall könnte man darüber hinaus von einem Original sprechen.

Solche Autographe finden sich in nahezu allen Bereichen und sind folglich gleichermaßen in der Wissenschaft und Kunst auszumachen. Ihr Wert steigt natürlich dann, wenn der Urheber populär ist oder ihr Inhalt eine gewisse Brisanz oder einen großen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Schauen wir auf weitere Beispiele von. Einmal eine Niederschrift des Dichters Johann Wolfgang von Goethe und eine von Johann Sebastian Bach.Weitere Beispiele von Goethe und Bach

Wohltemperiertes Clavier (Bach), Die Leiden des jungen Werther (Goethe)


Die obigen Beispiele zeigen erneut die Niederschriften bekannter Persönlichkeiten. Auf der linken Seite ist es das Titelblatt von Bachs Wohltemperierten Clavier, eine Sammlung von Präludien sowie Fugen für ein Tasteninstrument und rechts ist es das einzig erhaltene Blatt der Handschrift Goethes zu Die Leiden des jungen Werther aus dem Nachlass von Charlotte von Stein. Die Beispiele können als Autograph bezeichnet werden, tragen in diesem Fall allerdings keine Unterschrift der Künstler.

Erschließung und Erfassung von Autographen

Die Sicherung und Archivierung solcher Autographen ist wesentlich für die Edition, also die Ausgabe einer Publikation, da solche Niederschriften natürlich wichtig sind, um bewerten zu können, wie ein Künstler sein Werk selbst angelegt hatte. Bei Zweifeln ist ein Blick auf das Original erforderlich.

Weiterhin werden solche Autographen von Bibliotheken, Archiven oder auch Privatsammlern erhalten und häufig der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Autographen digitalisiert und darüber hinaus online zugänglich gemacht, wodurch das Stöbern in ursprünglichen Texten für viele Menschen möglich gemacht und somit erleichtert wurde. Als zentrale Datenbank gilt das Kalliope-Portal.

Das Kalliope-Portal ist ein Informationssystem für Nachlässe und Autographen in Bibliotheken, Archiven und Museen. Das Portal wird von der Staatsbibliothek zu Berlin betrieben, wobei 2200448 Autographen, 18864 Bestände und 237142 Personen verzeichnet sind (Online: kalliope.staatsbibliothek-berlin.de).

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Autograph, teils auch Autograf, wird die hangeschriebene Niederschrift eines Komponisten, Autoren, Dichters, Künstlers oder bekannten Persönlichkeit aus Politik, Wissenschaft, Kunst, Literatur und Geschichte bezeichnet. Solche Autographen haben vor allem für Sammler einen enormen Wert. Dieser richtet sich nach der Bekanntheit des Autors, der Seltenheit der Schriften oder der Brisanz des jeweiligen Inhalts. Vermehrt werden sie seit dem 17. Jhd. gesammelt.

  • Hinweis: Der Plural des Wortes, also Autographen, ist im Eigentlichen regelwidrig, hat sich allerdings eingebürgert. Die klassische Bezeichnung wäre Autographa, wobei als deutsche Entsprechungen Selbstschrift oder Urschrift gelten können. Diese Wörter sind allerdings kaum verbreitet, da sie international nicht verständlich sind.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Autograph
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001