Das Bonmot ist eine geistreiche Äußerung, Bemerkung oder Wendung, ein witziger Ausdruck oder ein Witz-Wort, das in der jeweiligen Gelegenheit treffend passt. Das Bonmot findet sich prinzipiell in der gesprochenen Sprache, wobei es in allen literarischen Gattungen durch die Figurenrede vermittelt werden kann. Die schriftliche Entsprechung ist der Aphorismus.

Das Bonmot lässt sich aus dem Französischen ableiten und ist eine Zusammensetzung der Wörter bon und mot, welche sich mit gut und Wort übersetzen lassen. Das Bonmot ist also ein gutes Wort. Die Übersetzung zeigt deutlich, worum es hierbei geht: eine gute Formulierung [die geistreich oder auch witzig ist].

Bonmots sind folglich ein Bestandteil der sprachlichen Auseinandersetzung und sind ein Zeichen von Geist sowie Eloquenz (Sprachgewandtheit) des Sprechenden, weshalb sie im weitesten Sinne auch als Stilmittel verstanden werden können, auch wenn sie eher spontaner und schlagfertiger Natur sind.

Hier findet sich außerdem der Unterschied zwischen Aphorismus und Bonmot. Denn der Aphorismus ist eine schriftliche Äußerung, der mitunter eine Erkenntnis innewohnt, wohingegen das Bonmot eine schlagfertige und sprachliche Äußerung ist, die vornehmlich zur Unterhaltung der Gesprächspartner dient.

Das Bonmot am Beispiel erklärt
Der ehemalige Bundeskanzler Konrad Adenauer wird von einem Journalisten
gefragt, ob er ihn zu seinem 100. Geburtstag erneut fotografieren könne.

Adenauer: Warum denn nicht, Sie sehen doch ganz rüstig aus!


Das obige Beispiel macht deutlich, inwiefern ein Bonmot für sprachliche Schlagfertigkeit steht, weil es die unmittelbare Erwiderung auf die vorangegangene Frage des Journalisten ist und zeigt außerdem, weshalb solche Dinge nur im wörtlichen Austausch oder der Figurenrede funktionieren. Wäre das Ganze schriftlich ausgearbeitet worden, würden wir hierbei nicht von Schlagfertigtkeit und Wortwitz sprechen können.

Der Wortwitz entsteht hierbei, weil der Journalist den in die Jahre gekommenen, also älteren, Adenauer befragt und jünger als dieser ist. Folglich fragt er ihn eigentlich, ob er denkt, noch 100 Jahre alt zu werden, weshalb die Erwiderung Adenauers, die auf das Alter des Journalisten anspielt, als schlagfertige Antwort anzusehen ist und so als Bonmot zu verstehen ist. Der Kontext der Äußerung ist somit entscheidend.


„Wie viele Inseln gibt es im Ägäischen Meer, und wie heißen sie?“
„Es gibt viele Inseln im Ägäischen Meer, und ich heiße Robert Gernhardt.

Diese Äußerung stammt vom deutschen Schriftsteller Robert Gernhard und erinnert an ein berühmtes Zeugma von Heinz Erhardt („Ich heiße nicht nur Heinz Erhardt, sondern Sie auch herzlich willkommen.“) Auch hier entsteht die Schlagfertigkeit und der Wortwitz erst durch die unmittelbare Gesprächssituation, weshalb das Bonmot auch in diesem Beispiel erst im Zusammenhang der Äußerung entsteht.


Reporter: Mr. Gandhi, what do you think of Western Civilization?
Gandhi: I think it would be a good idea!
———————
Reporter: Herr Gandhi, was denken sie über die westliche Zivilisation?
Gandhi: Ich denke, das wäre eine gute Idee (Sache)!

In diesem Beispiel wird Gandhi, einer der bedeutendsten Pazifisten, Morallehrer und Revolutionäre des 20. Jahrhunderts, gefragt, was er von der westlichen Zivilisation halte. Der Fragende erwartet hierbei eine Stellungnahme oder Einschätzung der Lage.

Gandhis Antwort ist schlagfertig und witzig, da sie die Frage verkehrt, indem er sagt, dass Zivilisation im Westen eine großartige Sache wäre, wobei er indirekt sagt, dass der Westen nicht zivilisiert ist. Auch hier entsteht das Bonmot erst im Kontext des Dialogs.

Unterschied zwischen Bonmot und Aphorismus

Eine klare Trennung zwischen Bonmot und dem schriftlichen Gegenstück des Aphorismus ist nicht wirklich möglich, wobei durchaus Unterschiede zwischen beiden Ausdrücken bestehen.

Der Aphorismus ist ein einzelner Gedanke, der in einem Satz oder wenigen Sätzen besteht und formuliert dabei eine Einsicht oder besondere Erkenntnis, weshalb er als rhetorisch wertvoll und kunstreich verstanden werden kann. Theodor Fontane formulierte dies folgendermaßen:


Ein guter Aphorismus ist die Weisheit eines ganzen Buches in einem einzigen Satz.

Diese Aussage ist folglich selbst als Aphorismus zu verstehen, da sie kunstreich und in nur einem Satz das Wesentliche über Aphorismen zum Ausdruck bringt und dabei selbständig bestehen kann.

Das Bonmot ist grundsätzlich ähnlich zu verstehen und da es uns meist schriftlich überliefert wird, scheint es beinahe identisch zu sein. Der wesentliche Unterschied ist jedoch, dass der Aphorismus in schriftlicher, überlegter Form besteht und das Bonmot eine schlagfertige und witzige Erwiderung oder Bemerkung ist.

Das Wichtigste zum Bonmot im Überblick

  • Das Bonmot ist eine sprachliche Äußerung, die als besonders treffend, witzig oder kunstvoll empfunden wird. Folglich kann es eigentlich nur im Gespräch oder der Figurenrede bestehen.
  • Folglich wird es als Schlagfertigkeit des Redners betrachtet und spricht für einen gewissen Geist und Eloquenz, da eine solche Erwiderung einerseits sprachliches Feingefühl voraussetzt und andererseits eine genaue Kenntnis des Zusammenhangs.
  • Der wesentliche Unterschied zwischen Bonmot und Aphorismus ist, dass der Letztgenannte vor allem in schriftlicher, überlegter Form besteht und nicht spontan geäußert wird.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Bonmot
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001