Als Bulletin wurde ursprünglich ein Tagesbericht oder eine regelmäßige Bekanntmachung bezeichnet sowie später ein offizielles Mitteilungsblatt. Weiterhin trugen seit dem 18. Jahrhundert viele Periodika diesen Titel, also regelmäßig erscheinende Druckwerke (Gazetten, Journale, Magazine, Zeitschriften und Zeitungen). Außerdem bezeichnet das Bulletin den offiziellen Krankenbericht einer Person des öffentlichen Lebens. Heute ist zumeist eine amtliche Verlautbarung gemeint. Beispielhaft ist das Epidemiologische Bulletin des Robert-Koch-Instituts mit offiziellen Mitteilungen und Beiträgen.

Der Begriff leitet sich vom französischen Wort für Bericht ab, das auf das altfranzösische Bulle zurückgeht und letztlich eine Entlehnung des lateinischen bulla ist. Eine Bulle ist hierbei eine Art der Urkunde. Demzufolge verweist bereits die Übersetzung des Französischen darauf, worum es geht: nämlich um die Wiedergabe eines Sachverhalts in berichtender Form [wobei in der Regel eine amtliche Verlautbarung gemeint ist].

Bulletin als wissenschaftliche Mitteilung

Ursprünglich meinte der Begriff eine Art des Tagesberichts. So informierten beispielsweise Akademien oder gelehrte Gesellschaften über die regelmäßigen Sitzungen und die wissenschaftlichen Beiträge ihrer Mitglieder. Auch das Dokumentieren wissenschaftlicher Arbeiten kann als Bulletin gelten.

Als Beispiele können dabei die Bulletins der Petersburger Akademie sowie das Bullettino des Archäologischen Instituts zu Rom gelten. Das Bullettino della Commissione Archeologica Comunale di Roma erschien erstmals im Jahr 1872 und dokumentiert seit seinem Bestehen die archäologische Funde und Restaurierungsarbeiten der Stadt Rom, die Bulletins der Petersburger Akademie beinhalteten naturwissenschaftliche Beiträge.


Deckblätter der Bulletins der Petersburger Akademie und des Archäologischen Instituts zu Rom.

Hinweis zum Bullettino: Bullettino della Commissione Archeologica Comunale di Roma © Uni Heidelberg, Lizenz: CC BY-SA 3.0, [Quelle]

Bulletin als Kranken- oder Armeebericht

Weiterhin werden auch die Tagesberichte von Ärzten über den Gesundheitsszustand einer ranghohen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens oder auch Armeeberichte als Bulletins bezeichnet.

Beispielhaft kann das 29. Bulletin der Grande Armée angeführt werden, das am 17. Dezember 1812 als Teil der französischen Zeitung Le Moniteur Universel veröffentlicht wurde. Bei diesem Bericht handelt es sich um eine Bekanntgabe des französischen Generals und späteren Kaisers Napoleon Bonaparte.

In der Schrift begründet Napoleon, warum es zum Rückzug der französischen Streitkräfte kam und rechtfertigt das Scheitern des Feldzuges gen Russland. Er macht dafür den plötzlichen Kälteeinbruch verantwortlich, der große Teile der sieg­ge­wohnten französischen Armee (Grande Armée) zerstörte.

Die Schilderungen des Kaisers sind übrigens dafür verantwortlich, dass auch heute noch die Legende kursiert, dass Frankreich ausschließlich am russischen Winter scheiterte und eben nicht daran, dass die russische Armee klar bei der Schlacht an der Beresina überlegen war und so die Franzosen zurückdrängte.


Die geschlagene französische Armee beim Russlandfeldzug

Napoleon’s retreat from Pontin’s Southport, Adolph Northen, Lizenz: Public Domain, via Wikimedia Commons


Weiterhin wird als Bulletin der Tagesbericht eines Arztes über den Gesundheitszustand einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens oder auch eines ranghohen Staatsbeamten bezeichnet. Beispielsweise gibt es in Frankreich das Gesundheitsbulletin des französischen Staatspräsidenten, welches periodisch über den Gesundheitszustand des Präsidenten informiert und vom Élysée-Palast (Amtssitz) publiziert wird.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Textsorte im Überblick

  • Als Bulletin wird allgemein ein Schreiben bezeichnet, dass periodisch über eine Angelegenheit informiert. Ursprünglich meinte der Begriff somit einen Tagesbericht oder eine regelmäßige Mitteilung über ganz verschiedene Sachverhalte.
  • So können amtliche Verlautbarungen, Berichte über Vorfälle (bsp. über den Krankheitszustand), die Armeeberichte der französischen Armee im Kaiserreich sowie die Berichte über die Wirksamkeit wissenschaftlicher Akademien als Bulletin bezeichnet werden.

  • Hinweis: Auch die offiziellen Meldungen der katholischen Kirche, also des Papstes, aus dem Vatikan werden grundsätzlich mit diesem Begriff bezeichnet.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Bulletin
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001