Als Canción wird ein spanisches, lyrisches Lied bezeichnet, das eine der wesentlichen Gattungen der spanischen Literatur des Mittelalters darstellte, welches zumeist religiöse Themen oder die Liebe behandelte. In der ursprünglichen Form war das Canción für den Vortrag bestimmt, wandelte sich aber im Laufe der Zeit zu einer vornehmlich lyrischen Dichtung. Als Canción trovadoresca beschrieb es im 15./16. Jahrhundert einen fünfzeiligen, trochäischen Achtsilber. Dabei wurde dem Gedicht im ersten Vers ein Motto, zumeist ein Sprichwort, vorangestellt, wobei die nachfolgenden Zeilen dieses Motto variierten, was als Volte bezeichnet wird. Dabei reimen zwei Verszeilen auf die erste (entweder 2. und 4. oder eben 3. und 5.). Da diese Form recht beschränkt erscheint, wurde das Canción im Laufe der Zeit erweitert, dann bestand es aus insgesamt 12 Zeilen, wobei das Motto vierzeilig wurde. Seit der Renaissance und vor allem durch den Einfluss der Kanzone (vgl. Gedichtformen) wurde dann aber beinahe jedes Strophenlied mit diesem Begriff bezeichnet und noch später nahezu jegliches Volkslied.

Der Begriff lässt sich vom spanischen Nomen canción ableiten, das sich mit Lied und Gesang übersetzen lässt, wobei heutzutage ebenso eine Übersetzung mit dem Begriff Song üblich ist. Demzufolge verweist die Übersetzung auf die urspünglich Bedeutung des Wortes, wie es noch im Mittelalter gebraucht wurde, wobei es schlicht und ergreifend für ein ein lyrisches Lied stand, was auch heute eine gängige Übersetzung ist.

Thematisch befasste sich ein solches Canción vornehmlich mit der Religion sowie der Liebe oder verwandten Themenbereichen. Als Vorläufer dieser Liedform galten die galizisch-portugiesischen cantigas de amor (Lieder der Liebe), deren Ursprünge im frühen Mittelalter liegen. Als Vertreter dieser ursprünglichen Form können die beiden spanischen Renaissance-Dichtern Iñigo López de Mendoza (1398-1458) sowie Jorge Manrique (1440-1479) genannt werden, deren Canciones durchaus sehr bekannt wurden.

Ein wenig später, im 16. und 17. Jahrhundert, sind es dann Lope de Vega (1562-1635) sowie Miguel de Cervantes (1547-1616), welche Canciones hervorbringen. Diese Dichter variierten das grundsätzliche Prinzip allerdings, wodurch das sogenannte Canción petrarquista entstand. Dieses besteht aus 4 bis 12 baugleichen Strophen, die aus Elfsilbern oder Siebensilbern bestanden und mit einem Refrain abschlossen.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Canción
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001