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Chronique scandaleuse

Als Chronique scandaleuse wird eine Sammlung oder Auswahl von Texten bezeichnet, die Skandale sowie Klatschgeschichten über Personen, Orte, Epochen oder Milieus bündeln. Oftmals wurden dabei geheime Geschichten von Personen eines höheren Standes (bspw. Adel, Klerus) verbreitet, obwohl die Richtigkeit der erzählten Anekdoten in den allerwenigsten Fällen gesichert war und demzufolge auch jede Menge unwahre Begebenheiten verbreitet wurden. Mitunter wird der Begriff auch als geheime teils böswillig übertriebene Auswahl von den Fehlern anderer Personen oder einzelner Orte definiert.

Der Begriff lässt sich aus dem Französischen ableiten und in etwa mit skandalösen Geschichte oder eben skandalöse Chronik übersetzen und ist demnach in Prosa verfasst. Allerdings ist nicht gänzlich geklärt, worauf die Bezeichnung zurückzuführen ist. In der Literatur finden sind sich vor allem zwei Varianten.

Entweder wurde der Begriff zum ersten Mal für eine eher polemische Schrift über den König Ludwig XI. von Frankreich verwendet, der darüber hinaus die gesellschaftlichen Zustände in der Mitte des 15. Jahrhunderts beschrieb. Ursprünglich wurde die besagte Schrift unter dem Titel Chroniques du très-chréstien et victorieux Louys de Valois veröffentlicht, wurde aber dann im Jahr 1611 von einem Buchhändler erneut unter dem Titel Chronique scandaleuse gedruckt und ist in diesem Fall ursächlich für die Bezeichnung.

Eine weitere Möglichkeit – die aber ebenfalls ungesichert ist – stellt ein Werk des französischen Dichters Claude Le Petit dar. Der Schriftsteller wurde unter dem König Ludwig XIV. wegen Blasphemie hingerichtet, was daran lag, dass er im Jahr 1668 eine Schrift mit dem Titel Chronique scandaleuse de Paris veröffentlichte, das Straßen, Brücken, Plätze sowie Paläste in Paris satirisch und sarkastisch parodierte.


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