Als Dichter wird der Verfasser von Sprachkunstwerken bezeichnet. Folglich ist ein Dichter der Urheber von Dichtung, die im weitesten Sinne als schriftstellerische sowie sprachliche Kunst wahrgenommen wird. Grundsätzlich kann der Begriff den Schöpfer eines Werkes aller literarischen Gattungen meinen, wird heute aber vor allem für Künstler gebraucht, welche sich mit der Lyrik, also Gedichten, befassen, wobei als Oberbegriff eher die Bezeichnung Schriftsteller gebräuchlich ist. Noch im Mittelalter waren die Begriffe Poet und Dichter gleichbedeutend, doch spätestens seit dem Sturm und Drang galt der Poet vor allem als Liebhaber (vgl. Dilettant) und der Dichter als Genie und Urheber hoher Literatur.

Erstmalig erwähnt wird der Begriff des Dichters im König Rother, einer mittelhochdeutschen Paarreimdichtung des 12. Jahrhunderts, als tihtaere, das sich vom lateinischen dictare ableitet. Das lateinische Verb dictare lässt sich mit ansagen, diktieren, vorsagen sowie oft sagen übersetzen. Das Wort meinte folglich eine Person, die etwas ausdrückt, also zum Ausdruck bringt und demzufolge dichtet.

Noch im Mittelalter setzte sich diese Wortneuschöpfung sehr schnell durch und wurde synonym zum Begriff Poet verwendet, der wiederum auch allgemein für Autoren und Schriftsteller gebraucht wurde. Neben diesen Begriffen wurden die Bezeichnungen Barde, Skalde und Skop sowie Meister und Sänger, daraus abgeleitet auch der Meistersänger (Meistersinger), gebraucht. Allerdings verdrängte der Dichter den Poeten alsbald.

Der Poet galt, wie eben auch der Dichter, bis ins 18. Jahrhundert als der Schöpfer von Poesie, aber seltener von Romanen. Allerdings wurde im Zuge der Differenzierung zwischen trivialer Literatur, deren Ziel es war, zu unterhalten und der ernsthaften Literatur, die nicht nur einen unterhaltenden Charakter aufwies, sondern auch den Leser zur Auseinandersetzung aufforderte, eine begriffliche Trennung vollzogen (vgl. Belletristik).

Der Dichter galt nunmehr als der Urheber hoher, anspruchsvoller sowie kritikwürdiger Literatur, wohingegen der Poet eher als der gescheiterte Dichter galt, dessen Schaffen im Bereich des Trivialen und Gewöhnlichen anzusiedeln ist. Der Dichter verfasste demnach gefeierte Werke, wobei der Poet eher ein karikiertes Abbild dessen darstellte. In diesem Kontext lässt sich auch Carl Spitzwegs Meisterwerk Der arme Poet deuten.Der arme Poet von Carl Spitzweg zeigte eine Darstellung des armen Poeten, der eine Art Gegenentwurf zum gefeierten Dichter darstellte.

Der arme Poet (1839), Carl Spitzweg, Neue Pinakothek in München


Das Werk, das zu den bekanntesten Spitzwegs zählt, zeigt einen Schriftsteller in einer Dachstube. Der Raum ist eng und wird nur von einem kleinen Fenster beleuchtet. Das Inventar und die sonstige Darstellung soll an dieser Stelle nicht untersucht werden. Dennoch gibt es einen entscheidenden Hinweis auf die Stellung des Poeten, vor allem im direkten Vergleich zum Dichter jener Zeit: nämlich den Ofen.

Darin liegen Papiere, die wohl ein Teil des geschnürten Bündels vor dem Ofen sind. Anzunehmen ist, dass diese Papierbündel genutzt werden, um zu heizen. Auf den Papieren, die vor dem Ofen liegen, lässt sich der lateinische Schriftzug Operum meorum fasciculum III erahnen, was sich mit Das dritte Bündel meiner Werke übersetzen lässt. Die eigene Arbeit dient also nicht dem Verkauf, sondern dem Verbrennen. Die graue Wand ist darüber hinaus eher dafür geeignet, etwas festzuhalten (im Hintergrund das Versmaß des Hexameters).

Demnach zeigt das Bild kein Genie, das der Dichter ist, sondern eher einen Kauz, der zwar auch schreibt, aber eben nicht gekauft wird und demnach keinerlei Beachtung des modernen (Literatur-)Marktes fand. Im Gegensatz dazu wurde der Dichter zu einer Art Ideal stilisiert, das von der Nation anerkannt und gewürdigt wurde. Der Dichter schrieb nicht in erster Linie, um Geld zu verdienen, sondern war der geistige Vertreter einer Epoche, der die Fähigkeit besaß, deren Geisteshaltung in Worte zu fassen.

Gegensätzlich wird demzufolge im 19., teils noch im 20., Jahrhundert, ebenfalls der Begriff des Schriftstellers gewertet. Wenn der Poet derjenige ist, der der Dichtung aus Liebhaberei nachgeht, aber keinen finanziellen Nutzen daraus zieht, weil er nicht anerkannt ist, ist es der Schriftsteller, der schreibt, um zu verkaufen. Der Schriftsteller schreibt also Texte, um davon zu leben, wohingegen der Dichter eine Würdigung durch die Nation erhält und unter Umständen von einem Mäzen oder durch Dichterpreise gefördert wird.

Von ebendiesem Verständnis zeugen auch heutzutage noch Literaturwettbewerbe und Dichterpreise, die den Künstler fördern sowie dessen Arbeit honorieren sollen. Sie verweisen darauf, dass das dichterische Schaffen finanziell unterstützt werden sollte, um dem Künstler eine Art der finanziellen Freiheit zu ermöglichen, so dass dieser sich gänzlich seinem künstlerischen Schaffen widmen kann.

Dichter im 20. und 21. Jahrhundert

Dennoch unterlag der Begriff des Dichters im 20. Jahrhundert einem Bedeutungswandel, welcher dem Wort auch heutzutage, also im 21. Jahrhundert, weiterhin anhaftet. Der Begriff büßte nämlich wieder den Status des schreibenden Genies einer Epoche ein und wurde synonym für Autor gebraucht.

Grenzte sich der Begriff also vorher noch vom (Berufs-)Schriftsteller sowie vom Autor ab, verlor er dann im 20. Jahrhundert seinen erhabenen Status. Vor allem durch die rasante Verbreitung von Film und Rundfunk, die sich natürlich geschriebener Stoffe (Manuskripte) als Grundlage bedienten, trat die so Persönlichkeit des Schreibenden in den Hintergrund. Es war also weniger der Dichter, der im Fokus stand, als sein Werk.

Demnach werden heutzutage vor allem die Begriffe Schriftsteller und Autor gebraucht und bilden Oberbegriffe für alle Schreibenden. Der Dichter meint tatsächlich zumeist den Autoren von Gedichten, wobei außerdem die Bezeichnung Lyriker oder Lyrikerin gebräuchlich ist. Als Dichter werden vermehrt Autoren vergangener Zeiten bezeichnet. Der Begriff Poet hat heutzutage sehr häufig einen ironischen Beigeschmack.

Bekannte Dichter verschiedener Epochen

Im Beitrag wurden die wesentlichen Merkmale, welche einen Dichter auszeichneten und auszeichnen, gezeigt. Allerdings wurden keine Beispiele gegeben, welche Künstler mit der Bezeichnung tatsächlich gemeint sind. Deshalb möchten wir nachfolgend eine Auswahl bekannter Dichter geben. Diese ist jedoch nur als subjektiver Ausschnitt zu verstehen und soll lediglich einen Eindruck vermitteln.

Dichter
(alphabetisch)
LebensdatenWerke
(Auswahl)
Bertolt
Brecht
1898 – 1956

Clemens
Brentano
1778 – 1842

Gottfried August
Bürger
1747 – 1794
  • Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen.
  • Leonore
  • Über Volkspoesie. Aus Daniel Wunderlichs Buch

Matthias
Claudius
1740 – 1815
  • Tändeleyen und Erzählungen
  • Abendlied
  • An meinen Sohn Johannes

Anette von
Droste-Hülshoff
1797 – 1848
  • Hospiz auf dem großen Sankt Bernhard
  • Die Judenbuche
  • Der Knabe im Moor

Joseph von
Eichendorff
1788 – 1857
  • Aus dem Leben eines Taugenichts
  • Das Marmorbild
  • Die Entführung

Theodor
Fontane
1819 – 1898

Johann Wolfgang von
Goethe
1749 – 1832

Franz
Grillparzer
1791 – 1872
  • Die Jüdin von Toledo
  • Der arme Spielmann
  • Das goldene Vlies

Wilhelm
Hauff
1802 – 1827
  • Lichtenstein
  • Zahlreiche Märchen
  • Jud Süß

Gerhart
Hauptmann
1862 – 1946

Heinrich
Heine
1797 – 1856

Johann Gottfried von
Herder
1744 – 1803
  • Adrastea
  • Lieder der Liebe
  • zahlreiche Gedichte und Fabeln

Friedrich
Hölderlin
1770 – 1843
  • Der Tod des Empedokles
  • Trauerspiele des Sophokles
  • Hyperion oder Der Eremit in Griechenland

Gottfried
Keller
1819 – 1890

Heinrich von
Kleist
1777 – 1811

Friedrich Gottlieb
Klopstock
1724 – 1803

Gotthold Ephraim
Lessing
1729 – 1781

Eduard
Mörike
1804 – 1875
  • Maler Nolten
  • Er ist’s
  • Mozart auf der Reise nach Prag

Else
Lasker-Schüler
1869 – 1945
  • Die Wupper
  • IchundIch
  • Gebet

Rainer Maria
Rilke
1875 – 1926

Friedrich von
Schiller
1759 – 1805

Theodor
Storm
1817 – 1888

Ludwig
Uhland
1787 – 1862
  • Das Schloß am Meere
  • Des Sängers Fluch
  • Schäfers Sonntagslied

Walther von der
Vogelweide
um 1165 – 1228
  • Herzeliebez vrouwelin
  • Under der linden
  • Ir sult sprechen willekomen

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Dichter
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001