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Dilettant

Als Dilettant wird derjenige bezeichnet, der eine Kunst oder auch Wissenschaft nur aus Liebhaberei, also zum Vergnügen, betreibt und sie nicht als Beruf ausübt oder durch eine Ausbildung erlernt hat. Somit ist der Dilettant ein Amateuer, auch Laie, und unterscheidet sich so vom Fachmann. Dennoch kann Dilettantismus nicht mit Stümperei, also dem unsauberen Arbeiten, gleichgesetzt werden, weil durchaus Meisterwerke sowie perfekte Arbeiten von Dilettanten kreiert werden können. Der Begriff wird dennoch teilweise abwertend für eine Person gebraucht, die ihr Fach nicht versteht.

Begriff

Der Begriff geht auf das italienische dilettare zurück, welches vom lateinischen delectare abgeleitet ist. Diese Wörter lassen sich mit sich erfreuen übersetzen. Folglich verweist schon die Übersetzung darauf, worum es grundsätzlich geht, wenn eine Person dilettiert: sie geht dann nämlich einer Tätigkeit aus Freude nach [ohne diese beruflich auszuüben oder eine entsprechende Ausbildung absolviert zu haben].

Ursprünglich bezeichnete dieser Begriff Künstler, die das jeweilige Handwerk nicht erlernt hatten, oder meinte Kunstliebhaber. Belegt ist das Substantiv, ebenso wie das Verb dilettieren, seit dem 18. Jahrhundert und lässt sich vor allem im Zusammenhang mit der Musik belegen. Ehemals wurden die Begriffe keineswegs negativ gebraucht, sondern grenzten beispielsweise die Beschäftigungen des Adels von denen ab, die mit einer Tätigkeit ihren Lebensunterhalt bestritten. Heute wird der Begriff oft synonym zum Stümper gebraucht.

Bekannte Dilettanten

Das Dilettantische muss demzufolge nicht schlecht oder minderwertig erscheinen, da es lediglich von einer Person angefertigt wurde, die das Ganze nicht professionell, also beruflich, macht oder im Zuge einer Ausbildung erlernt hat. Demnach gibt es allerhand bekannte Dilettanten aus Kunst, Musik, Literatur und Wissenschaft, die wesentliche Beiträge im jeweiligen Bereich leisteten.

DilettantProfession
(Beruf, Gewerbe)
Dilettantische Leistung
(entstanden aus Liebhaberei, fachfremd)
Otto
von Guericke
Jurist, BürgermeisterBegründer der Vakuumtechnik
Joseph
Priestley
Prediger, TheologeEntdecker von Ammoniak, Chlorwasserstoff, Kohlendioxid und Sauerstoff
James
Bradley
TheologeEntdecker der Aberration des Lichtes
Wilhelm
Herschel
MilitärmusikerEntdeckte den Uranus, bedeutender Astronom
Benjamin
Franklin
BuchdruckerErfinder des Blitzableiters
Joseph u. Jacques
Montgolfier
PapierfabrikantenErfinder des Heißluftballons
Robert
Stirling
PastorErfinder des Stirlingmotors (vgl. Eponym)
Benjamin
Thompson
PolitikerWeiterentwicklung der Wärmelehre
Johann Wolfgang
von Goethe
Jurist, DichterEntdecker des Zwischenkieferknochens sowie der Metamorphose bei Pflanzen
Pierre Augustin Caron
de Beaumarchais
UhrmacherAutor der Komödie Die Hochzeit des Figaro
Gregor
Mendel
ChorherrEntdecker der Vererbungsregeln (Mendelsche Regeln)
Heinrich
Schliemann
KaufmannEntdecker der Stadt Troja
Carl
Humann
IngenieurEntdeckte die Ruinen des Pergamonaltars
Sebastian
Kneipp
PriesterWeiterentwicklung der Hydrotherapie (Kneipp-Medizin)
David H.
Levy
JournalistEntdecker zahlreicher Planeten
Antoni
van Leeuwenhoek
Tuchhändlerkonstruierte Mikroskope, entdeckte Bazillen
Léon
Foucault
ErfinderErfand die Schreibmaschine und bewies die Erdrotation (Foucaultsches Pendel)
Albert
Einstein
PhysikerSpielte Violine, wurde von der Pianistin Youra Guller belgeitet

Bedeutungswandel des Begriffs

Der Dilettant galt ehemals als derjenige, der einer Sache aus der Freude an dieser und aus Liebhaberei tat, wobei er durch diese eben nicht seinen Lebensunterhalt bestritt. Als der Begriff im 18. Jahrhundert im Deutschen auftauchte, war seine Bedeutung auch noch grundsätzlich positiv, wurde aber alsbald negativ konnotiert und mit dem Stümperhaften und Fehlerhaftem gleichgesetzt.

Der Enzyklopädist Johann Georg Krünitz bescheinigte dem Dilettantischen noch 1793 ein lebhaftes Gefühl für eine Kunst, was der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs sehr nahe kommt. Dennoch wird dem Dilettanten nur wenige Jahre später das tatsächliche Bewusstsein für Kunst abgesprochen oder es wird zumindest in der Deutschen Encyclopädie (1796) festgehalten, dass der Dilettant durchaus einen verdorbenen Geschmack haben kann und sich insofern vom wahren Künstler unterscheidet.

Das Dilettantische bewegt sich also irgendwo zwischen Schüler und Meister oder Künstler und Pfuscher, ist also schwierig zu greifen. Dennoch wurde es in der Folge vornehmlich negativ verwendet, also dem Pfusch zugeordnet. So griff beispielsweise Schiler in einem Brief an Goethe vom 1. März 1799 auf die Wortfolge dilettantischen Leichtigkeit zurück, um das Werk Humboldts zu charakterisieren und attestiert diesem im gleichen Zuge, dass er nicht verstünde, den Leser festzuhalten und eine trockne Manier.

Goethe und Schiller sind es außerdem, die die Definition des Begriffs weitertreiben und den Versuch wagen, ihn tatsächlich von ähnlichen oder verwandten Begrifflichkeiten abzugrenzen. In einer Sammlung mehrerer Schriften (Über den Dilettantismus, 1799) formulieren sie die nachfolgende Eingrenzung des Begriffs: Der Dilettant verhält sich zur Kunst wie der Pfuscher zum Handwerk. So wird der Dilettant zum Pfuscher.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Dilettant wird eine Person bezeichnet, die eine Wissenschaft oder Kunst nur aus Liebhaberei betreibt. Demnach ist der Begriff mit dem Amateur und dem Laien verwandt und steht dem Meister sowie Fachmann entgegen. Heutzutage wird der Begriff oft abwertend gebraucht.
  • Allerdings können beachtliche Leistungen und Arbeiten von Dilettanten erbracht werden, wobei auch zahlreiche bekannte Namen in den Annalen des Dilettantismus zu finden sind. So haben beispielsweise Goethe, Einstein, Mendel oder auch Foucault beachtliche Entdeckungen in Bereichen gemacht, denen sie aus Interesse, Freude und Neugier nachgegangen sind.

  • Hinweis: Das Wort ist rechtschreiblich schwierig. Das einzelne l sowie der doppelte Konsonant bereiten hier Probleme. Oft findet sich somit die Schreibweise „Dilletant“. Diese ist aber falsch.