Das Eponym beschreibt eine Gattungsbezeichnung, die vom Namen einer einzelnen Einzelperson abgeleitet wurde, wie beispielsweise Zeppelin als Bezeichnung für ein Luftschiff oder Tempo für das Papiertaschentuch. In der Sprachwissenschaft wird eine weitere Differenzierung vorgenommen, hier wird als Eponym der Namensgeber selbst bezeichnet und die abgeleitete Gattungsbezeichnung unter dem Gegenbegriff Deonym zusammengefasst.

Das Wort stammt aus dem Griechischen (ἐπώνυμος) und lässt sich mit namengebend oder Namensverleiher übersetzen. Folglich verrät schon die Übersetzung des Begriffs, wobei es grundsätzlich geht: nämlich um ein Wort, das sich auf einen Namen zurückführen lässt [und als feststehender Begriff Dinge dieser Art oder Gattung bezeichnet]. Schauen wir zur Veranschaulichung des Eponyms auf ein Beispiel.


Amerikaner essen zwischendurch gerne ein Sandwich

Das obige Beispiel vereint gleich zwei Eponyme. Das Wort Amerika geht auf den Entdecker und Kaufmann Amerigo Vespucci zurück. Zwar entdeckte Kolumbus 1492 die Neue Welt, doch erst Amerigo hielt fest, dass es sich dabei um einen neuen Kontinent handelte. Zwar ist diese Zuschreibung umstritten, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass er zum Namensgeber des Kontinents wurde: ein Eponym.

Weiterhin findet sich im Beispielssatz das Substantiv Sandwich. Als Sandwich bezeichnet man einen kleinen Imbiss. Dieser besteht aus zwei Brotscheiben, zwischen denen sich ein würziger Belag (Käse, Eier, Wurst) befindet. Wahrscheinlich ist, dass der Namensgeber dieser Zwischenmahlzeit John Montagu, 4. Earl of Sandwich ist, der angeblich während eines Kartenspiels keine Zeit zum Essen fand und sich das Mahl zwischen zwei Brotscheiben legen ließ. Das Sandwich und das Eponym waren geboren.

Hinweis: Als Eponym werden grundsätzlich Begriffe bezeichnet, die auf den Namen einer bestimmten Person zurückgehen und somit eine vom Personennamen abgeleitete Gattungsbezeichnung bilden. Folglich sind alle Eponyme, wenn sie eingeführt werden, Neologismen, also Wortneuschöpfungen.

Eponym und Deonym

Die obigen Erklärungen gelten grundsätzlich nur in einem allgemeinen Kontext, wohingegen die Sprachwissenschaft noch eine Unterteilung zwischen Eponym und Deonym kennt. Dabei gilt als Eponym der Eigenname selbst, wohingegen die Ableitung als Deonym bezeichnet wird.

Wenn wir das vorherige Beispiel nutzen und das Wort Amerika betrachten, können wir den Unterschied zwischen beiden Begriffen ganz eindeutig herausstellen. Das Wort geht auf den genannten Kaufmann und Entdecker Amerigo zurück. Der Name Amerigo wäre somit das Eponym, wohingegen alle Ableitungen (Amerikaner, amerikanisch, Amerika) als Deonym zu bezeichnen sind. Ein weiteres Beispiel.


Auf die Initiative des Arztes Joseph-Ignace Guillotin wurde die Guillotine konstruiert, um Schuldige mit dem Fallbeil zu enthaupten, sie also zu guillotinieren und ihnen so einen schnellen Tod zu ermöglichen.


Der Arzt Joseph-Ignace Guillotin ist der Namensgeber des bekannten Fallbeils, um die Todesstrafe zu vollstrecken. Sein Nachname ist somit als Eponym zu verstehen, da es die Grundlage der Bezeichnung ist. Aus diesem werden verschiedene Begriffe abgeleitet. Einerseits die Guillotine selbst und andererseits das Verb guillotinieren. Diese Wörter sind Deonyme, also Ableitungen des Eponyms.

Hinweis: Die Trennung der beiden Begriffe ist meist nur in sprachwissenschaftlichen Arbeiten relevant. Immerhin sind Eponym und Deonym sehr häufig homonym. Das heißt, dass der gleiche Begriff für zwei verschiedene Dinge steht (Namensgeber und Sache), weshalb eine Auftrennung im Sprachgebrauch selten zielführend ist und nur in der wissenschaftlichen Betrachtung Sinn ergibt.

Beispiele für das Eponym

In unserer Sprache haben sich mittlerweile unzähle Begriffe verankert, die sich im Eigentlichen auf den Namen einer Person zurückführen lassen. Deshalb möchten wir Ihnen an dieser Stelle eine Auswahl von Beispielen vorstellen.

Eponym
(Deonym)
Namensgeber
(Eponym)
Anmerkung
AchillesferseAchillesHeld der griechischen Mythologie. Seine Mutter tauchte ihn in den Styx, was ihn unverwundbar machte. An der Ferse hielt sie ihn fest, weshalb er an dieser Stelle verwundbar blieb (siehe auch: Allusion).
AdidasAdi DasslerFabrikant von Sportschuhen, die Bezeichnung setzt sich aus seinem Vornamen und den ersten drei Buchstaben des Nachnamens zusammen.
AkademieAkademosHeld der griechischen Mythologie. Platon kaufte den Olivenhain des Akademos und errichtete dort eine Schule.
AlgorithmusAl-ChwarizmiAutor von „Über das Rechnen mit indischen Ziffern“
AlzheimerAlois AlzheimerPsychiater und Neuropathologe, der die Demenzerkrankung beschrieb.
AriadnefadenAriadneAriadne, die Tochter des Minos, übergab Theseus einen Faden, um den Weg aus dem Labyrinth des Minotaurus zu finden, nachdem er diesen bezwungen hatte. (Ariadnefaden und Minotaurus auf fabelwesen.net)
AudiAugust HorchDie Übersetzung des Familiennamens Horch ins Lateinische ergibt Audi. Bauingenieur und Gründer des Automobilbauunternehmens.
BachblütenEdward BachEnglischer Arzt, der sich der Kräuterheilkunde verschrieb.
BernhardinerBernhard von MenthonSchutzheiliger der Alpenbewohner und Bergsteiger. Schon früh setzten Mönche Hunde zur Rettung Verunglückter ein und züchteten somit die bekannte Hunderasse.
bezirzenCirceKirke (lat. Circe) ist eine Magierin der griechischen Mythologie. Sie verzauberte den Helden Odysseus und seine Gefährten.
BismarckheringOtto von BismarckDeutscher Reichskanzler
BrailleschriftLouis BrailleErfinder des Punktschriftsystems für Blinde, der Brailleschrift.
ColtSamuel ColtErfinder einer Feuerwaffe mit Drehzylinder.
DieselRudolf DieselDeutscher Ingenieur und Erfinder des Dieselmotors.
DisneylandWalt DisneyUS-amerikanischer Filmproduzent. Kreierte Natur- und Zeichentrickfilme und erschuf unzählige Charaktere, die uns auch heutzutage noch geläufig sind (Goofy, Pluto, Donald Duck).
DudenKonrad DudenDeutscher Lehrer, Philologe und Lexikograf. Brachte die Idee hervor, ein Rechtschreib-Wörterbuch der deutschen Sprache zu schaffen. (Ohne ihn wäre unsere Liste der häufigen Rechtschreibfehler wohl deutlich länger).
EiffelturmGustave EiffelEin französischer Ingenieur, der für die Weltausstellung 1889 das heutige Wahrzeichen der französischen Hauptstadt errichtete.
Hartz IVPeter HartzDeutscher Manager. War Personalvorstand bei Volkswagen. Ist Mitglied der SPD und IG Metall
KaiserJulius CaesarUrsprünglich ein Familienname. Angeblich wurde der erste Träger des Namens aus dem Mutterleib geschnitten, woraus sich das Eponym Kaiserschnitt ableitet.
LitfaßsäuleErnst LitfaßDruckereibesitzer und Verleger.
LynchenCharles LynchAmerikanischer Richter im Unabhängigkeitskrieg, der Kriminelle ohne richtiges Gerichtsverfahren bestrafen und verurteilen ließ.
MozartkugelWolfgang Amadeus MozartKomponist der Wiener Klassik (vergleichend: Literaturepochen).
RöntgenWilhelm Conrad RöntgenDeutscher Physiker.
SachertorteFranz SacherÖsterreichischer Konditor. Gilt als der Erfinder der weltbekannten Torte.
Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Eponym im Überblick

  • Grundsätzlich wird als Eponym eine Gattungsbezeichnung benannt, die sich von dem Namen einer Person ableitet. Sehr häufig ist diese Person maßgeblich an der Entdeckung, Erfindung oder Erforschung des jeweiligen Objekts beteiligt und somit der Namensgeber.
  • In der Sprachwissenschaft (Linguistik) gibt es allerdings eine Unterscheidung zwischen Eponym und Deonym. Als Eponym wird hierbei der Namensgeber selbst und als Deonym das Abgeleitete bezeichnet. Diese Trennung ist in der Alltagssprache meist nicht sinnvoll.
  • Wenn eine Erfindung oder eine neue Sache erstmalig benannt wird, haben wir es meist mit einer Wortneuschöpfung zu tun. Eine solche Konstruktion wird als Neologismus bezeichnet.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Eponym
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001