WORTWUCHS | Literaturlexikon

Erstaufführung

Der Begriff Erstaufführung (abgekürzt mit EA) meint die erste Aufführung eines Bühnenwerkes oder Musikstückes in einer Übersetzung, wobei mitunter auch die jeweilige Sprache der Übersetzung mit angegeben wird (bspw. „deutschsprachige Erstaufführung“, Abkürzung: DSE). Die tatsächliche erste Aufführung in der Originalsprache wird wiederum als Uraufführung bezeichnet. Mitunter wird aber auch die erste Aufführung an einem anderen Spielort – an dem eben nicht die Uraufführung des Werkes stattfand – als Erstaufführung bezeichnet (bspw. „Erstaufführung in Berlin“).

Diese Begriffe ähneln sich folglich, weshalb sie oftmals miteinander vertauscht oder fälschlicherweise synonym zueinander benutzt werden. Allerdings ist die Unterscheidung bereits seit dem 18. Jahrhundert belegt und wird vor allem seit der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert auch üblicherweise vollzogen. So hält etwa Wilhelm Michel am 15. Dez. 1904 in den Münchner Neuesten Nachrichten, einer Tageszeitung, die zwischen 1848 bis 1945 erschien, das Nachfolgende fest:


So hat z. B. das Modewort „Uraufführung“, das im zarten Alter von höchstens zwei bis drei Jahren steht, wohl alle Aussicht, dem dauernden Bestand der Sprache einverleibt zu werden. Es ist kein neuer Name für eine neue Sache. Die Sache, die es bezeichnet, ist fast so alt wie das Theater überhaupt. Man hat es bei ihm also mit einem echten Modewort zu tun, das sich durch Knappheit und glückliche Abgrenzung gegen den Begriff „Erstausführung“ auszeichnet.


Ein Beispiel: Das Lustspiel Minna von Barnhelm wurde von Gotthold Ephraim Lessing am 30.9.1767 in Hamburg uraufgeführt. Würde das Werk nun in eine andere Sprache übertragen werden – beispielsweise ins Englische – würde man bei der ersten Aufführung von einer englischsprachigen Erstaufführung sprechen. Darüber hinaus könnte der Begriff fallen, wenn das Werk an einem anderen Ort – also nicht in Hamburg – das erste Mal zur öffentlichen Aufführung gelangt (bspw. „Erstaufführung in Weimar“).

Handelt es sich bei einer Aufführung jedoch um die Neuinszenierung eines Stoffes, also um eine Art und Weise der Darstellung, die zuvor in dieser Form noch nicht gezeigt wurde, spricht man in Bezug auf die erste Aufführung wiederum von der Premiere. Würde Minna von Barnhelm also neu inszeniert gezeigt werden, also in einer Form, wie das Stück noch nie inszeniert wurde, würde man dies Premiere nennen.


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