Als Erstlingswerk wird der erste literarische Text eines Autors bezeichnet, wobei es allerdings keine Rolle spielt, ob dieser jemals veröffentlicht wurde oder nicht. So könnte beispielsweise das tatsächliche Erstlingswerk auch nach einem möglichen Romandebüt erscheinen und somit erst später der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Erstlingswerk markiert den Anfang des künstlerischen Œuvres, wohingegen die späteren Einteilungen der Schaffensphase – etwa in Früh- und Spätwerk – nicht genau definiert sind. Das filmische Pendant nennt sich Erstlingsfilm.

Der Begriff setzt sich aus den Nomen Erstling sowie Werk zusammen. Als Erstling wird im allgemeinem Sprachgebrauch das erstgeborene Kind bezeichnet. Folglich verweist der Begriff metaphorisch auf den Umstand, dass es sich bei einem Erstlingswerk um das „erstgeschriebene Werk“ eines Künstlers handelt.

Allerdings wird der Begriff teils auch auf andere künstlerische Ausdrucksformen angewandt und meint dann jegliches „Erstwerk“ eines Künstlers. Beispielsweise wird seit 1982 das Beste Erstlingswerk (Meilleur premier film) im Rahmen des französischen Filmpreises César vergeben und prämiert dabei einen Film.

Mitunter werden die Erstlingswerke eines Künstlers aber auch erst im Nachhinein zu erfolgreichen Bestsellern. Beispielsweise versuchte etwa der US-amerikanische Schriftsteller Stephen King, mehrmals einen Verlag für seinen ersten Werke zu finden, was allerdings jedes Mal scheiterte. Diese Frühwerke überarbeitete er später und veröffentlichte sie erfolgreich unter dem Pseudonym Richard Bachman.Infografik zur Bedeutung eines Erstlingswerk.

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Erstlingswerk
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001