Explicit ist das englische Wort für ausdrücklich, eindeutig und klar, meint in der Literatur allerdings die Schlussformel in mittelalterlichen Handschriften und bildet hierbei die Kurzform für das lateinische explicitum est volumen, das sich in etwa mit die Schriftrolle ist ganz abgewickelt übersetzen lässt oder aber für liber explicitus [est], was das Buch ist ausgebreitet bedeutet. Sprachlich handelt es sich beim Wort Explicit allerdings um eine inkorrekte Form, die wohl in Anlehnung an das Incipit entstanden ist. Als Incipit werden die ersten Wörter einer Handschrift bezeichnet. Diese Schlussformel findet sich in mittelalterlichen Handschriften sowohl am Ende von längeren Absätzen als auch am Ende eines Werkes und wird in der Regel mit der Angabe des Datums sowie einem Vermerk auf den Verfasser verbunden. Vor allem bei Werken, deren Verfasser nicht bekannt ist (vgl. Adespota) und die darüber hinaus unter verschiedenen Titeln publiziert werden, lässt sich durch die Nennung von Explicit, Incipit und Initia (Anfangswörter oder -buchstaben) klären, welcher Text nun tatsächlich gemeint ist.

Der Begriff lässt sich bereits bei Hieronymus (347-420), einem Kirchenvater, Heiligen sowie gelehrten Theologen, belegen und darüber hinaus in einer Schrift, die Hieronymus in einem Schreiben erwähnt, finden: nämlich im Testamentum Corocottae Porcelli. Dieses endet mit dem Vermerk Explicit testamentum Corocottae Porcelli sub die XVI Kal. lucerninas Clibanato et Piperato consulibus feliciter[1] und markiert dadurch das Ende des Textes ([1] Franz Bücheler, Petronii saturae, Berlin und Zürich 1963, Anhang S. 347).

Mitunter ist dieser Verweis allerdings nicht so großzügig ausgestaltet und in einen Satz eingebettet, sondern wird schlicht mit der Nennung des Begriffs Explicit, teils auch explicit liber, verkürzt. In einigen Fällen findet sich lediglich das Wort finit. Gemein haben allerdings sämtliche dieser Wendungen, dass sie das Ende des jeweiligen Werken oder unter Umständen das Ende des jeweiligen Absatzes markieren.

Aus ebendieser Wendung leitete sich später das sogenannte Kolophon ab. Ein solches Kolophon ist eine Nachschrift, die am Ende eines handschriftlichen Textes steht und an dieser Stelle Informationen über Inhalt, Verfasser, Hersteller, Auftraggeber, Ort, Zeit sowie Produktionsdetails der vorliegenden Veröffentlichung bietet. Das Kolophon ist also bereits um ein Vielfaches komplexer angelegt. Teils werden sie heute noch gedruckt.Beispiel für Kolophon und Explicit aus Valerius Maximus

Kolophon (Explicit) in Valerius Maximus. Dieses wurde von Peter Schöffer 1471 in Mainz gedruckt


Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Explicit
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001