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Extravaganza

Als Extravaganza wird ein Theaterstück bezeichnet, das die luxuriöse Dekoration eines Theaters sowie den verblüffenden Einsatz von Bühnentechnik und Bühnenmaschinerie in den Vordergrund des Theatererlebnisses stellt, sich aber durch einen freien Stil auszeichnet. Die Extravaganza findet sich vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und entstammt dem US-amerikanischen sowie englischen Schauspiel. Neben den reich ausgestatteten Bühnenbildern und Kostümen zeichnet sich die Schauspielgattung besonders durch witzige Texte in gereimten Couplets (Strophen in unterschiedlicher Verslänge, die auf einen pointierten Refrain enden) aus, die zumeist zu bekannten Melodien vorgetragen werden. Oft präsentiert sich die Extravaganza als Revue, Pantomime, Ballett und Musical oder vermischt diese Formen miteinander und erinnert teils an Zirkusvorstellungen. In der Regel werden Mythen und orientalische, phantastische oder auch märchenhafte Stoffe gezeigt. Verwandte Formen sind Feerie und Burleske.

Der Begriff leitet sich vom italienischen Nomen stravaganza ab, das sich als als Extravaganz übersetzen lässt. Als Extravaganz wird etwas bezeichnet, das bewusst ausgefallen und übertrieben dargestellt wird und durch diese Eigenschaften auffällt. Der Begriff verrät also, worum es grundsätzlich geht und bezieht sich auf den gezeigten Luxus in Kostümen, Bühnenbild und eingesetztem Personal der Extravaganza.

Bekannt und geprägt wurde diese Form der Darbietung vor allem durch James Planché (1796-1880), einen englischen Historiker und Dramatiker, dessen Werke stark das englische Melodrama und darüber hinaus die Extravaganza, Burlesque, Farce und Pantomime beeinflussten. Charakteristisch ist für seine Bühnenstücke der Einsatz von sehr aufwendiger Bühnendekoration und -maschinerie. So ließ er etwa in seinem Melodrama The Vampire (1820) den Vampir mittels Versenkung erscheinen und verschwinden.Plakate, die für Extravaganzas werben.

Bild: Zwei Plakate, die für Extravaganzas werben.


Die obigen Bilder, die für die Aufführungen zweier Extravaganzen werben, verdeutlichen recht schön, was das Besondere an diesen Stücken ist: es geht hierbei in erster Linie um den Effekt der Darstellung, der ausgefallen und übertrieben ist. Darüber hinaus wird auch ersichtlich, dass das Ganze sowohl an die Revue (rechts) und die klassische Burleske angelehnt sein kann (links) und somit kaum festgelegt ist.

Als eine der ersten US-amerikanischen Extravaganzas gilt The Black Crook (1866) von Charles M. Barras, die Ballett, Singspiel sowie Elemente des Melodramas miteinander verbindet und am 12. September 1866 in Niblo’s Garden am New Yorker Broadway uraufgeführt wurde. Bekanntheit erlangten außerdem The King and I (1951) von Richard Rodgers und Kismet (1953) von Robert Wright und George Forrest, das einzelne Erzählungen aus Tausendundeine Nacht auf die Bühne bringt. Als moderne Extravaganza kann Der König der Löwen (1997) von Elton John und Tim Rice gelten. Ein Auszug:


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