Florilegium ist einerseits die lateinische Übersetzung des griechischen Nomens Anthologie, das eine Sammlung von ausgewählten Texten oder auch Textauszügen in Buchform meint, und andererseits die Bezeichnung für eine Sammlung sowie Zusammenstellung von einzelnen unzusammenhängenden Versen, Redewendungen, Bonmots, Apophthegmata, Bibelstellen oder Zitaten bekannter Dichter und Autoren. Das Florilegium kann aber auch längere Auszüge aus Prosawerken beinhalten und folglich jegliche Formen des Exzerpts, also Auszüge von Texten. Häufig wurden solche Sammlungen vom jeweiligen Exzerptor für den Unterricht in Schulen zusammengestellt (vgl. Chrestomathie), dienten auch zum Ausschmücken von Reden oder auch Predigten, wobei unbelesene Menschen durch die Anwendung solcher Florilegien durchaus Belesenheit und Literaturkenntnis vortäuschen können.

Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und lässt sich in etwa mit Blütenlese oder Lesefrüchte übersetzen. Folglich verweist die Übersetzung recht metaphorisch darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine Auswahl oder eben Zusammenstellung [literarischer] Blüten, also von besonderen sowie nennenswerten Passagen aus der Literatur. Eine solche Auswahl ist allerdings sehr subjektiv und wird von den Vorlieben des jeweiligen Exzerptors maßgeblich beeinflusst und gesteuert.

Dennoch: Die Aufnahme eines Autors in ein Florilegium lässt Rückschlüsse zum Bekanntheitsgrad und zur Beliebtheit des Künstlers in der jeweiligen Zeit zu (vgl. Literaturepochen), wenngleich ausgewählte Passagen mitunter erweitert, umgeschrieben und verkürzt wurden, wodurch eine Zuordnung teils erschwert wird.

Als Beispiel kann etwa Christoph Lehmanns Florilegium Politicum angeführt werden, das 1630 erstmalig erschien und in der Folge mehrere Male neu aufgelegt wurde. Es enthält, wie der Autor selbst anmerkt, außerlesene Politische Sententz/ Lehren/ Reguln/ und Sprichwörter und kann als eine der umfangreichsten Sammlungen dieser Art in deutscher Sprache gelten. Darin findet sich beispielsweise das Nachfolgende:


Zur Gastung gehören dreyerlei: gut essen vnnd trincken, gute Freundt vnd ein gut Gesprech.


Florilegia

Neben der klassischen Bedeutung des Begriffs, ist seit dem Mittelalter auch die lateinische Pluralform Florilegia belegt. Hier handelt es sich um Werke, die Blumen, Kräuter und Pflanzen aller Art darstellen. Dabei spielten die farbenfrohen Illustrationen der Pflanzen eine übergeordnete Rolle und sollten dabei helfen, Pflanzen zu erkennen. In der Folge wurde der Singular Florilegium auch hierfür verwendet.

Sehr verbreitet waren solche Florilegia vor allem im 17. Jahrhundert und wurden teils für medizinische oder botanische Zwecke angefertigt. Demzufolge befassten sich Kräuterbücher vornehmlich mit den medizinischen Eigenschaften von Pflanzen, wohingegen botanische Werke eher auf die Klassifikation abzielten.

Dennoch: Bei den meisten Florilegien stand nicht der wissenschaftliche oder eben medizinische Nutzen im Vordergrund, sondern eher das Bedürfnis, die Schönheit einzelner Pflanzen darzustellen. Hierfür wurden zwar durchaus auch heimische Gewächse aufgenommen, wobei der Fokus recht häufig auf seltenen, originellen oder exotischen Pflanzen lag und es das erklärte Ziel war, diese floristische Seltenheit einzufangen.Auszüge aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen

Darstellungen aus Köhler’s Medizinal-Pflanzen, das im ausgehenden 19. Jahrhunderts erschien.


Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Florilegium
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001