Als Gassenhauer wird umgangssprachlich ein Hit oder Evergreen, also ein sehr erfolgreiches und in jedem Fall bekanntes Lied, bezeichnet. Teils wird der Begriff außerdem gleichbedeutend zu Schlager gebraucht. Ursprünglich meinte der Gassenhauer zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert das Lied der Gassenläufer, also der Herumschlenderer und Bummler. Möglich ist auch, dass der Gassenhauer vom Kontratanz abgeleitet wurde. Der Kontratanz ist ein Tanz nach Ansage, wobei die Abläufe im Takt der Musik in sich gegenüberstehenden Linien, den sogenannten Gassen, getanzt werden, wobei zumeist volkstümliche Lieder gesungen oder gespielt wurden, woraus sich die späteren Volkslieder ableiteten. In der Romantik (vgl. Literaturepochen) wird der Begriff oft abwertend verwendet und meint vor allem Schlager, die sich durch ständige primitive Wiederholungen auszeichnen und oft abgedroschen, zotig, rührselig oder auch trivial erscheinen und somit dem Volkslied, das als edel wahrgenommen wurde, gegenüberstehen. Später wurde der Begriff aber auch für besonders eingängige Stücke aus Operette, Oper oder Singspiel verwendet und ähnelt dabei bereits der heutigen Bedeutung des Begriffs.

Der Begriff ist ein Determinativkompositum, welches sich aus dem Nomen Gassen sowie dem Verb hauen zusammensetzt. Wahrscheinlich ist, dass es ursprünglich die (Nacht-)Bummler in den Straßen meinte, welche herumschlenderten und dabei das Pflaster hauen, was in der ursprünglichen Bedeutung treten oder betreten meinte. Später bezeichnete das Wort dann auch das Lied, das diese auf den Lippen hatten. Zumeist wurde der Begriff allerdings abwertend gebraucht, wie es etwa Johann Christoph Adelung, ein deutscher Bibliothekar, Lexikograph und Germanist, in seinem Grammatisch-kritischen Wörterbuch (1793-1801) herausstellt:


Der Gassenhauer [ist] ein schlechtes Lied, welches von dem Pöbel auf allen Gassen gesungen wird; ein Gassenlied. Ingleichen die Melodie eines solchen auf allen Gassen bekannten Liedes.


Geschichte der Gassenhauer

Bereits im 16. Jahrhundert wurden volksmäßige Lieder oder Volkslieder als Gassenhawerlin bezeichnet. Belegt ist die Verwendung beispielsweise in einem Musikdruck, der vom Musikverleger Christian Egenolff (1502-1555) in etwa im Jahr 1535 veröffentlicht wurde und den Titel Gassenhawer vnd Reutterliedlin trägt. Reutterliedlin (Reiterliedchen) meint hierbei die Lieder der reisigen Knechte, also die Lieder der berittenen (teils auch bewaffneten) Begleitpersonen eines Herrn (Volltext: digitale-sammlungen.de).

Bis ins 18. Jahrhundert, als der Begriff vermehrt negativ besetzt wurde, galt der Gassenhauer aber noch schlicht und ergreifend als Bezeichnung für das volkstümliche Lied. Erst als Johann Gottfried Herder die Bezeichnung Volkslied prägte sowie von anderen Formen unterschied, bekam der Gassenhauer seinen negativen Beigeschmack, der ihm fortan anhaftete und welcher auch heute noch häufig mitschwingt.

Heutzutage meint der Begriff aber vor allem einen Ohrwurm, Hit oder Evergreen, der im übertragenen Sinn in allen Gassen gepfiffen und gesungen wird, dabei sehr eingängig erscheint und folglich allgegenwärtig ist. Als prominentes Beispiel aus dem 20. Jahrhundert könnte etwa das Lied Lili Marleen angeführt werden, das in der Fassung von Lale Andersen im Jahr 1939 zum ersten deutschen Millionenseller und darüber hinaus zum internationalen klassischen Soldatenlied wurde. Nachfolgend eine Interpretation von Marlene Dietrich.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Gassenhauer wird umgangssprachlich ein Hit oder Evergreen, also ein sehr erfolgreiches und bekanntes Lied, bezeichnet. Teils wird der Begriff synonym zu Schlager gebraucht. Vorerst wurde der Begriff wertneutral verwendet, war dann aber im 18. Jahrhundert eher negativ besetzt und wird erst in den letzten Jahrzehnten wieder für ein populäres Lied jedweder Art gebraucht.
  • Ursprünglich meinte das Wort die Bummler und Herumschlenderer, die (des Nachts) auf die Gassen hauen und später auch das Lied, das diese sangen. Das Verb hauen kann hierbei als treten oder auch betreten verstanden werden.

  • Hinweis: Darüber hinaus wird als Gassenhauer ein Renaissance-Bidenhänder bezeichnet, also ein Schwert, das mit zwei Händen geführt wird. Dieses machte es wortwörtlich möglich, eine Gasse, also einen schmalen Weg, in die Reihen anstürmender Gegner zu hauen/schlagen.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Gassenhauer
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001