WORTWUCHS | Literaturlexikon

Glossar

Als Glossar wird eine Liste von Wörtern samt Erklärungen, weiterführenden Erläuterungen oder auch Übersetzungen bezeichnet. Das Glossar kann als Addendum, also als Beilage zu einem Werk oder als eigenständiges Schriftstück vorliegen. Glossare wurden schon im Mittelalter als Sammlungen erstellt, um schwierige Wörter (Archaismen, Neologismen, Fremdwörter etc.) zu erklären, waren in einigen Fällen aber auch als Hilfsmittel zur Lektüre üblich (bspw. als Beigabe zur Bibel).

Der Begriff leitet sich vom lateinischen glossarium ab, das auf das griechische glōssario zurückgeht, das sich von glōssa ableiten lässt. Dieses lässt sich mit Zunge oder auch Sprache übersetzen. Demnach verweist die Übersetzung bereits darauf, worum es grundsätzlich geht: nämlich um eine Abbildung von Sprache [in Form einer Liste aus erklärungsbedürftigen Wörtern]. Schauen wir auf ein Beispiel aus dem 17. Jahrhundert.


Erste Seite und erster Eintrag eines alten Glossars.

Hinweis: Haupttitel (links) und erster Eintrag zum Buchstaben A (rechts) in einem alten Glossarium


Das obige Beispiel zeigt den Haupttitel, der sich zwischen Buchdeckel und dem eigentlichen Inhalt befindet, sowie den ersten Eintrag eines alten Glossariums von Henry Spelman, einem englischen Antiquar, aus dem Jahr 1687. Dabei lässt sich erahnen, wie ein solches Werk aufgebaut ist: es reiht die jeweiligen Einträge alphabetisch aneinander, also vom ersten bis zum letzten Buchstaben des Alphabets.

Glosse als Erklärung eines Wortes

Im Altertum, vor allem im griechischen, war Glosse ein Begriff für ein Fremdwort. Dafür standen auch die Begriffe glossa, glossema bzw. glossematum. Quintilian, ein römischer Rhetoriker, erklärte dies folgendermaßen: „Glossemata, das heißt wenig gebräuchliche Wörter“. Das Wort meint also ein schwieriges Wort und ist später ein Begriff für die Worterklärung selbst.


Solche Glossen waren oft an den Rand eines Textes skizziert und erklärten dabei schwierige Wörter. Mitunter wurden lateinische Begriffe am Rande übersetzt. Dies grenzt die altertümliche Glosse von der Scholie ab, welche eine Erläuterung zu einer sprachlich oder inhaltlich schwierigen Textstelle bezeichnet.

Diese Tradition setzt sich dann im Latein- oder auch Griechischunterricht fort. Hierbei wurden einzelne Wörter, deren Bedeutung schwierig war, an den Rand des Textes geschrieben. Entweder nach einer alphabetischen Ordnung oder wie sie im Text auftraten. Solche Hinweise gibt es auch heute im Fremdsprachenunterricht.

Hinweis: Diese Form wird zumeist als Randglosse bezeichnet und ist heutzutage vornehmlich in der sprachlichen Auseinandersetzung mit der Bibel, anderen religiösen Schriften oder wissenschaftlichen Texten relevant, um wesentliche Hinweise zum Textverständnis zu geben.

Glossar als Sammlung

Bereits im Mittelalter sowie in der Spätantike wurden Sammlungen schwieriger Wörter publiziert. Diese hatten oftmals einen thematischen Schwerpunkt und bildeten nur selten den gesamten Wortschatz einer Sprachgemeinschaft ab und waren eher ein Hilfsmittel für ein bestimmtes Fachgebiet.

Außerdem entstanden parallel zu diesen Nachschlagewerken zweisprachige Glossare – zumeist auf Latein und Griechisch. Diese dienten vornehmlich dem Grammatikstudium und sollten das Erlernen der fremden Sprache erleichtern. Solche zweisprachigen Glossare bildeten außerdem den Grundstein der ersten Wörterbücher, die den hauptsächlichen Wortschatz zweier Sprachen abbilden.

Solche zweisprachigen Werke verwiesen in einige Fällen bereits auf die Etymologie eines Wortes, also die Wortherkunft, und versuchten, Wörter aus ähnlichen Wörtern abzuleiten. Dadurch enthielten sie teils zahlreiche Anmerkungen zu den einfachen Übersetzungen der jeweiligen Einträge.

Hinweis: Durch diese zusätzlichen Bemerkungen und weiterführenden Informationen, sind diese ersten Wörterbücher die Grundlage der späteren Enzyklopädie, einem sehr umfangreichen Nachschalgewerk. Ein frühes Beispiel ist die Etymologiae von Isidor von Sevilla, die in einigen Teilen aus bestehenden Glossaren zusammengestellt wurde und versuchte das Wissen des Frühmittelalters zu bündeln.

Glossar als Addendum

Heutzutage ist das Glossar zumeist als Addendum, also als Anhang zu einem schriftlichen Werk, zu verstehen. Hierbei werden wesentliche Begrifflichkeiten des Hauptwerkes aufgegriffen und für den Leser kurz und knapp erläutert oder definiert. Sammlungen bestimmter Wörter werden eher als Enzyklopädie, Lexikon oder Wörterbuch bezeichnet, was von ihrer Funktion abhängt.

Ein solches Glossar erläutert die wichtigsten und komplizierten Wörter des Haupttextes und ist ihm angehängt. Es ist kein eigenständiges Schriftstück, sondern mit dem Hauptteil verbunden, da es sich auf ihn bezieht. Die Einträge sind meist alphabetisch sortiert und enthalten mitunter Hinweise auf ihre Verwendung im Text.

Die jeweiligen Einträge sichern den korrekten Umgang mit der verwendeten Fachsprache und sichern so das richtige Verständnis im jeweiligen Werk. Demzufolge findet sich ein Glossar zumeist in wissenschaftlicher Literatur und eher selten in der Belletristik. Dennoch gibt es natürlich Ausnahmen.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Glossar im Überblick

  • Bereits im Mittelalter und in der Antike war es üblich, schwierige Wörter in einem Text durch Randnotizen zu erläutern. Diese Erläuterungen werden als Randglosse bezeichnet. Daraus ergaben sich in der Folge ganz Sammlungen, die als Glossarium ganze Themengebiete abdeckten. Hieraus entwickelten sich die ersten Wörterbücher und Enzyklopädien.
  • Heutzutage meint der Begriff vornehmlich den erläuternden, stichpunktartigen, alphabetischen Anhang zu einem Werk. In der Regel finden sich Glossare in wissenschaftlichen Publikationen und seltener in der Unterhaltungsliteratur.