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Diminutiv

Als Diminutiv, auch Deminutiv, Diminutivum, Deminutivum, wird in der Grammatik die Verkleinerung und Verniedlichung eines Nomens (Substantiv) bezeichnet. Im Deutschen wird das Diminutiv durch das Anghängen von -chen oder -lein gebildet. Oftmals ändert sich dabei der Stammvokal zu einem Umlaut (Summe → Sümmchen). Das Diminutiv kann für die Bildung von Kosenamen, aber auch Koseworten genutzt werden und außerdem ein rhetorisches Stilmittel darstellen (vgl. Litotes).

Begriff

Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten (deminuere) und in etwa mit vermindern oder verringern übersetzen, woraus sich übrigens auch die Bezeichnung für die mathematische Subtraktion (minus) ableitet. Demnach verweist schon die Übersetzung darauf, worum es prinzipiell geht: nämlich um das [sprachliche] Verringern [oder eben Verkleinern eines Substantivs]. Schauen wir dafür auf ein Beispiel.


Das ist kein Haus, das ist ein Häuschen.

Im obigen Beispiel wurde das Substantiv Haus verniedlicht und somit sprachlich verkleinert. Dabei wurde aus dem Haus ein Häuschen. Es ist ersichtlich, dass die Endung -chen angehängt und sich außerdem der Vokal a zum Umlaut ä wandelte. Möglich wäre in diesem Beispiel aber auch, den Diminutiv durch das Anhängen der Endsilbe -lein zu bilden: also Häuslein. Ein weiteres Beispiel:

Geben sie mir ein Brot und sechs Brötchen.

Im obigen Beispiel findet sich das Substantiv Brot und dessen Verniedlichung: Brötchen. Auch hier wurde die Endsilbe -chen angehängt und der Vokal in einen Umlaut gewandelt. In diesem Fall ist auffällig, dass sich das Diminutiv Brötchen in unseren Wortschatz geschlichen hat und gar nicht so eindeutig als Verniedlichung zu erkennen ist. Es gibt zahlreiche Nomen, die sich als Diminutive verselbständigt haben.

Beispiele für Diminutive, die verselbständigt sind (Klick mich!)
Nachfolgend finden Sie zahlreiche weitere Beispiele. Bei einigen Formen ist kaum ersichtlich, dass es sich hierbei um eine Verkleinerung handelt. Wenn bekannt, ist der angegeben.

  • Brötchen, von Brot
  • Eichhörnchen
  • Erdmännchen
  • Fischstäbchen, von Stab
  • Frauchen, als Halterin eines Tieres, von Frau
  • Fräulein, ehemals für unverheiratete Frauen, heute auch als Verkleinerung
  • Herrchen, als Halter eines Tieres, von Herr
  • Kaninchen, ursprüngliche Bezeichnung des Tieres war Kanin (lat. cuniculus)
  • Maiglöckchen, von Glocke
  • Meerschweinchen, von Schwein
  • Mädchen, von Maid
  • Männchen, Bezeichnung männlicher Tiere, von Mann
  • Märchen, von Mär (unwahre Geschichte)
  • Ohrläppchen, von Lappen
  • Plätzchen, eventuell von lat. placenta (Kuchen)
  • Radieschen, Verniedlichung der ursprünglichen Bezeichnung (Radies)
  • Rotkehlchen, von Kehle
  • Sankt Nimmerlein, ein Tag der nimmer (nie) eintreten wird (vgl. Adynaton)
  • Schneeglöckchen, von Glocke
  • Seepferdchen, von Pferd
  • Silberfischchen, von Fisch
  • Stiefmütterchen, von Mutter
  • Veilchen, von lat. viola
  • Wehwehchen, von Weh (Leid, seelischer Schmerz)
  • Weibchen, Bezeichnung weiblicher Tiere, von Weib
  • Zipperlein

Bildung des Diminutivs

Die Verkleinerungsform kann aus jedem Nomen (Substantiv) im Deutschen gebildet werden, das nicht schon selbst eine Verkleinerung darstellt (Bsp.: Häschen, Eichhörnchen, …). Dafür wird an das Wort die Silbe -chen oder -lein angehängt. In einigen Regionen sowie Dialekten wird das Diminutiv durch das Anhängen von -erl realisiert (Bayern, Österreich, …).

Weiterhin wird der jeweilige Stammvokal eines Wortes zum entsprechenden Umlaut. Aus a, o und u werden also ä, ö und ü, wobei e und i zumeist erhalten bleiben. Außerdem entfällt bei Wörtern, die auf einen unbetonten Vokal enden, dieser in den meisten Fällen. Schauen wir dafür auf einige Beispiele.


(1) Dose → Döschen, Döslein
(2) Rose → Röschen, Röslein
(3) Pferd → Pferdchen, Pferdlein
(4) Mann → Männchen, Männlein
(5) Haus → Häuschen, Häuslein

An die obigen Beispiele wurden die Endsilben -chen und -lein angehängt, wobei in einigen Fällen unbetonte Vokale am Wortende entfielen (1, 2) oder die Stammvokale zu Umlauten wurden (1, 2, 4, 5). Durch diese Änderung wurde die Verkleinerungsform der Nomen gebildet. In einigen Regionen wird -erl gebraucht.

Artikel des Diminutivs

Jedes Substantiv hat einen Begleiter. Dieser Begleiter wird als Artikel bezeichnet und gibt an, welches grammatische Geschlecht ein Substantiv hat. Dieses Geschlecht ist für die Bildung des Kasus (Fall) entscheidend und wird als Genus bezeichnet. Man unterscheidet zwischen feminin (weiblich), maskulin (männlich) und neutral (sächlich), um das Geschlecht zu kennzeichnen.

Das Diminutiv eines Nomens ist dabei stets sächlich, also neutral, und erhält demzufolge den bestimmten Artikel das. Es ist unerheblich, welches Geschlecht das Nomen aufweist, denn in der Verkleinerungsform wird es stets zu einem Neutrum. Auch das lässt sich anhand einiger Beispiele verdeutlichen.


die Bank → das Bänkchen, das Bänklein
die Wurst → das Würstchen, das Würstlein
der Hund → das Hündchen, das Hündlein

Die obigen Beispiele verdeutlichen das Prinzip. Der bestimmte Artikel des Diminutivs ist stets das, weshalb das Substantiv in der Deminutivform stets sächlich ist. Hierbei gibt es keine Ausnahmen.

Diminutiv als Stilmittel

Die Verkleinerungsform kann durchaus als Stilmittel gebraucht werden. Einerseits kann es hierbei um die Entwertung oder eben Verniedlichung einer Sache gehen, aber andererseits ebenfalls um das künstliche Abschwächen eines Sachverhalts oder eine doppelte Verneinung.

Das Stilmittel, das durch die doppelte Verneinung etwas bejaht, wird als Litotes bezeichnet (keine Kleinigkeit, nicht gerade schön, …). Allerdings muss nicht verneint werden, um etwas zu verstärken oder das Gegenteil auszusagen, sondern kann auch verkleinert werden. Schauen wir zur Veranschaulichung auf ein Beispiel.


Wir müssen ein hübsches Sümmchen für das Haus zahlen.

Das obige Beispiel realisiert die Litotes durch die Verwendung des Diminutivs. Das Wort Summe wird durch das Anfügen der Endsilbe -chen im Eigentlichen abgeschwächt. Aus dem Zusammenhang lässt sich jedoch erschließen, dass das Gegenteil gemeint ist. Demnach kann das Abschwächen durchaus als Form der Übertreibung und Zuspitzung dienen, wobei dies aus dem Kontext erschlossen werden muss.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Diminutiv im Überblick

  • Das Diminutiv ist die Verkleinerungsform eines Substantivs und wird durch das Anhängen von -chen und -lein gebildet. In einigen Dialekten entsteht es durch das Anhängen der Endsilbe -erl (Sack → Sackerl). Bei Nomen, die auf einen unbetonten Vokal enden, entfallen ebendiese Vokale, wobei sich außerdem der Stammvokal zum entsprechenden Umlaut wandelt.
  • Gebraucht wird die Verkleinerungsform vor allem um junge Menschen und Tiere zu bezeichnen, etwas zu verniedlichen, als Kosewort und Kosename, als Untertreibung, zur Kennzeichnung kleinerer Gegenstände oder Pflanzen innerhalb einer Klasse sowie als Wertung.

  • Hinweis: Als Stilmittel kann die Verkleinerungsform vor allem wertend in Erscheinung treten: Sachverhalte, Personen und Dinge werden so schwächer sowie unwichtiger dargestellt.