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Satzgefüge

Als Satzgefüge wird in der Grammatik ein Satz bezeichnet, der aus einem Hauptsatz und mindestens einem oder aber auch mehreren Nebensätzen besteht. Ein Hauptsatz ist ein Satz, der allein stehen kann und wird generell aus Subjekt, Prädikat sowie Objekt gebildet. Ein Nebensatz kann nicht allein stehen und ist deshalb stets einem Hauptsatz untergeordnet. Demnach ist jeder Satz, der nicht nur aus einem Hauptsatz oder mehreren Hauptsätzen (vgl. Satzreihe) besteht, in der Regel ein Satzgefüge. Solche Satzgefüge können als Stilmittel verwendet werden, wobei man dann von einer Hypotaxe spricht.

Hauptsatz und Nebensatz

Um genau zu verstehen, wie ein Satzgefüge funktioniert und was es von einer Satzreihe unterscheidet, ist es äußerst wichtig, zu wissen, was Hauptsätze und Nebensätze sind, in welchem Verhältnis sie stehen und warum sie allein oder nicht allein stehen können.

Ein Hauptsatz ist ein Satz, der grammatisch vollständig ist. So ein Satz kann demzufolge allein stehen und besteht meist aus Subjekt, Prädikat und Objekt. Darüber hinaus steht das finite Verb in ihm an zweiter Stelle und nur in wenigen Fällen, nämlich bei Befehlen und Ja/Nein-Fragen, an der ersten Stelle. Ein einfaches Beispiel:


Das Mädchen gewinnt den Wettkampf.

Der obige Beispiel-Satz ist ein Hauptsatz. Er wird aus einem Subjekt, einem Prädikat sowie einem Objekt gebildet. Wir erkennen, dass es ein Hauptsatz ist, da das finite Verb (gewinnt), also das gebeugte Verb, an der zweiten Stelle steht und dass dieser Satz allein stehen kann. Das bedeutet, dass er grammatisch vollständig ist und aus diesem Grund keine Ergänzung mehr braucht. Zum Nebensatz:


Das Mädchen gewinnt den Wettkampf,

+ weil (Konjunktion)

es trainiert hat.


Der Nebensatz wird, wie auch der Hauptsatz, zwingend aus Subjekt und Prädikat gebildet, wobei er natürlich auch weitere Satzglieder beinhalten kann. Wir erkennen ihn daran, dass das finite Verb am Ende steht (hat), er vom Hauptsatz durch ein Komma getrennt ist und nicht allein funktioniert – er ist also vom Hauptsatz abhängig.

Wichtig ist hierbei, dass die Reihenfolge beliebig ist. Ein Satz muss also nicht mit dem Hauptsatz beginnen, sondern kann auch mit dem Nebensatz anfangen. Dann gilt, dass das finite Verb des Hauptsatzes am Anfang des Hauptsatzes steht. Aus unserem Beispiel wird:


NS: Weil es trainiert hat,

HS: gewinnt das Mädchen den Wettkampf.


Unser Beispiel ist nun übrigens zu einem Satzgefüge geworden. Denn es gilt, dass Sätze, die aus mindestens einem Nebensatz bestehen, als Satzgefüge bezeichnet werden. Die Konstellationen HS + NS und NS + HS sind also Satzgefüge. Die Konstellation HS + HS wäre im Gegensatz dazu dann allerdings eine Satzreihe.

Hinweis: Im obigen Abschnitt wurden Haupt- und Nebensätze knapp erklärt, wobei grundsätzliche Dinge vorausgesetzt wurden. Solltest Du aber einzelne Inhalte noch nicht kennen, empfiehlt es sich, diese im Stichwortverzeichnis nachzuschlagen. Es ist nämlich kaum möglich, ein Satzgefüge zu erkennen, wenn unklar ist, was Haupt- und Nebensatz sind und woraus sie bestehen.


  • → Fachartikel: Hauptsatz, Nebensatz, Satzglieder

Beispiele für das Satzgefüge

Wir haben nun gesehen, inwiefern sich der Nebensatz dem Hauptsatz unterordnet und von ihm abhängig ist. Finden wir einen Satz, der aus einem Hauptsatz und einem oder mehreren Nebensätzen besteht, ist das ein Satzgefüge. Schauen wir abschließend auf einige Beispiele.


HS: Ich liebe dich,

NS: weil du wundervoll bist.


Das obige Beispiel besteht abermals aus einem Hauptsatz (HS), dem sich ein Nebensatz (NS) unterordnet. Wir erkennen den Nebensatz daran, dass das finite Verb am Satzende steht (bist) und dieser nicht allein stehen kann und folglich vom Hauptsatz abhängig ist. Ein Satzgefüge kann aus beliebig vielen Nebensätzen bestehen.


HS: Ich liebe dich,

NS: weil es wundervoll ist,

NS: wie du lachst.


Dieses Satzgefüge besteht aus einem Hauptsatz, welchem sich zwei Nebensätze unterordnen. Es fällt auf, dass sich der zweite Nebensatz nicht dem Hauptsatz selbst, sondern dem vorherigen unterordnet. Eine solche Verkettung ließe sich bis ins Unendliche fortführen. Weitere Beispiele gibt’s in der folgenden ausklappbaren Box.

Weitere Beispiele für Satzgefüge (ausklappen!)
Die folgenden Beispiele sind unkommentiert. Allerdings sind alle Hauptsätze und Nebensätze unterstrichen, weshalb auch ohne zusätzliche Erläuterung ersichtlich sein sollte, wie die Satzgefüge aufgebaut sind.


  • Ich gehe am Sonntag ins Kino, weil ich Mittwoch nicht kann. (HS+NS)
  • Ich gehe schlafen, wenn der Film zu Ende ist, den ich gerade gucke. (HS+NS+NS)
  • Damit du mich verstehst, erkläre ich es dir noch einmal. (NS+HS)
  • Er sah, dass es gut war. (HS + NS)
  • Er spricht gut Englisch, weil er ein Jahr in England war. (HS + NS)

Stilmittel: Hypotaxe

Die Hypotaxe ist ein Stilmittel. Es gilt, dass jeder Satz, in dem einem Hauptsatz ein Nebensatz untergeordnet wird, als Hypotaxe benannt werden kann. Bei einer Gedichtanalyse würden wir das jedoch noch nicht als Stilmittel begreifen, da die meisten Sätze so funktionieren. Eher geht es darum, dass der Einsatz untergeordneter Sätze so stark ausgeprägt ist, dass dabei ellenlange Sätze entstehen, was eben eine sprachliche Auffälligkeit darstellt (vgl. Bandwurmsatz).


Da er es kaum erwarten konnte, seine Familie und Freunde zu sehen, die hunderte Kilometer entfernt lebten, er sie also äußerst selten zu Gesicht bekam, beeilte er sich, damit er möglichst schnell am Bahnhof war, um den ersten Zug nach Hause zu erwischen.


Das obige Beispiel besteht lediglich aus einem Hauptsatz, der von sechs Nebensätzen regelrecht umzingelt wird. Ein solcher Satz wäre stilistisch auffällig und könnte dann auch als hypotaktisch gelten.

Auffällig ist außerdem, dass die Hypotaxe einen Text unübersichtlich erscheinen lassen kann, wobei sie häufig bei Gedankengängen oder inneren Monologen zum Einsatz kommt (vgl. Figurenrede). Zahlreiche Texte von Thomas Mann und Heinrich von Kleist zeichnen sich durch einen hypotaktischen Satzbau aus, weshalb ihre Werke teils auch als mühsame Lektüre bezeichnet werden. Die Hypotaxe gilt aber auch als Stilmittel der Wissenschaft und zeichnet detaillierte Texte aus.

Zusammenfassung

  • Als Satzgefüge wird in der Grammatik ein Satz bezeichnet, der aus einem Hauptsatz und mindestens einem oder aber auch mehreren Nebensätzen besteht, die sich diesem Hauptsatz unterordnen.
  • Stilistisch kann dieser Umstand als Hypotaxe oder auch hypotaktischer Satzbau bezeichnet werden. In einer Gedicht- oder Textanalyse würde man eine solche Auffälligkeit aber erst bei einem erhöhten Vorkommen funktionalisieren und ihnen somit eine höhere Bedeutung zuschreiben.