Als Trema wird ein horizontaler Doppelpunkt über einem Buchstaben bezeichnet, wie beispielsweise im Französischen Noël. Grundsätzlich können die Punkte über den deutschen Vokalbuchstaben als Trema gelten (Ä, Ö, Ü), wobei sie für eine veränderte Aussprache des unmarkierten Buchstabens stehen. Das Trema ist ein diakritisches Zeichen. Die Diakritika sind Zeichen, die an Buchstaben angebracht werden und auf eine abweichende Betonung oder auch Aussprache verweisen.

Der Begriff leitet sich aus dem Altgriechischen ab (τρῆμα) und lässt sich mit Loch oder auch Punkt des Würfels übersetzen. Diese Übersetzung verweist vor allem auf den optischen Charakter des Tremas, wenn auf das Loch oder eben die Augen des Würfels verwiesen wird. Schauen wir nun auf beispielhafte Tremas.


(1) Die Autorin Anaïs Nin besitzt einen blauen Citroën.

Im obigen Beispielsatz liegt das Trema auf dem i (ï) des Vornamens sowie auf dem e (ë) der französischen Automobilmarke. In beiden Fällen bewirken die Diakritika, dass der Buchstabe einzeln gesprochen wird und nicht mit den nachfolgenden oder vorherigen gebunden wird. Man spricht Zi-tro-en und nicht Zi-trön. Der Vorname der Autorin wird demnach A-na-is gesprochen und eben nicht A-nais. Ein weiteres Beispiel.


(2) Thomas hat starke Führungsqualitäten

In diesem Beispielsatz finden sich zwei Tremas im Substantiv Führungsqualitäten. Sie sitzen hierbei auf den Vokalbuchstaben u und a und wandeln die Vokale in die deutschen Umlaute ä und ü, was so eine veränderte Aussprache anzeigt. Die Buchstaben werden dabei nicht einzeln gesprochen, wie im vorherigen Beispiel, sondern anders. Diese Verwendung gibt es nicht nur im Deutschen, sondern ebenso im Ungarischen.


(2) So ein anmutiges Gÿmnasium.

Das obige Beispiel zeigt eine einst mögliche, aber natürlich veraltete, Schreibweise des Wortes Gymnasium, also der weiterführenden Schule, die den Schüler zur Hochschulreife führt. Denn bereits im Mittelalter wurden einzelne Buchstaben des deutschen Alphabets (meist i und y) mit solchen Tremas versehen, um auf eine andere Aussprache hinzuweisen. In diesem Fall meint das Trema, dass das y wie ein ü zu sprechen ist.

Die Beispiele verweisen auf die zwei möglichen Funktionen des Tremas. Diese Funktionen treffen in den meisten Fällen zu und nur in einigen Ausfällen meint der horizontale Doppelpunkt etwas ganz anderes.

  • (1) Folgen zwei Vokalbuchstaben (a, e, i, o, u) aufeinander und sollen nicht zu einem Diphthong verbunden, sondern einzeln gesprochen werden, zeigt das Trema an, dass dieser Buchstabe einzeln betont wird (Diärese). Im Französischen oder auch Spanischen kann der horizontale Doppelpunkt darauf verweisen, dass ein stummer Buchstabe überhaupt betont wird.
  • (2) Sitzt das Trema auf einem Vokalbuchstaben, kann es signalisieren, dass dieser abweichend ausgesprochen wird. Diese Regel trifft im Deutschen auf die Umlaute zu (ä, ö, ü), ist aber auch in anderen Sprachen durchaus geläufig. Im Mittelalter galt dies auch für das y-Trema.

Tremas als Diärese

Als Diärese wird in der Phonetik die getrennte Aussprache zwei aufeinanderfolgender Vokale genannt. Ohne eine solche Diärese würden die Vokale einen Diphthong bilden und somit einer Silbe angehören. Die Diärese trennt die beiden Vokale, weshalb sie unterschiedlichen Silben angehören und getrennt gesprochen werden (→ Hiatus). Teils wird die Diärese orthographisch durch ein Trema angezeigt.

Charakteristisch ist diese Art der Verwendung für das Französische oder auch Niederländische. Die Funktion ist hierbei, dass Vokale, die aufeinanderfolgen, nicht zusammen gesprochen werden. Beispielsweise wird beim niederländischen reünie, was Wiedervereinigung bedeutet, das u getrennt vom e gesprochen. Zu verwechseln ist diese Verwendung aber nicht mit dem deutschen Umlaut, der die Vokalqualität betrifft.

Im Französischen kann ein diakritische Zeichen einerseits das Gleiche bedeuten, sich aber andererseits noch auf umgebende Buchstaben auswirken. Sitzt das Trema beispielsweise auf einem e oder i, kann dies auch eine betonte Aussprache eines vorherigen u führen. In der Wortfolge plus aiguë (zugespitzt) bewirkt das Trema, dass u und ë zu einem Vokal verschmelzen, ohne es (augue), würde das u stumm bleiben.

Tremas und die Vokalqualität

Die Vokalqualität bezeichnet die Art, wie ein Vokal vom Sprechenden geformt wird. Die Vokale können offen und geschlossen, tief oder auch hinten gesprochen werden. Diese Angaben beziehen sich auf den Artikulationsort im Sprechapparat des Sprechenden. Tremas können die Vokalqualität ändern.

Das deutsche u wird beispielsweise eher hinten im Mundraum gebildet. Sprechen wir den Buchstaben laut und deutlich aus, merken wir das auch. Das i wird im Gegensatz dazu recht weit vorn gebildet. Kommt nun der horizontale Doppelpunkt ins Spiel und wandelt das u zum ü ändert sich der Artikulationsort. Der Buchstabe ü wird weiter vorn, ähnlich wie das i, gebildet. Die Vokalqualität hat sich also verändert.


Das Vokaldreieck zeigt, wo im Mund die einzelnen Vokale gesprochen werden und welche Stellung die Lippen einnehmen

Das Trema im Deutschen

Im Deutschen ist der horizontale Doppelpunkt nicht gebräuchlich. Allenfalls für die Kennzeichnung der Umlaute (Ä, Ö, Ü) wird er gebraucht, wobei hier eher von einem umgelautetem Vokal zu sprechen ist. Einzelne Schreibweisen, beispielsweise im Wort Asteroid (Asteroïd), konnten sich nicht durchsetzen.

Demzufolge ist das Trema im Deutschen ausschließlich in Eigennamen existent, die ursprünglich aus anderen Sprachen stammen. So kennt man den Komiker Bernhard Hoëcker – o und e werden getrennt gesprochen – oder den französischen Vornamen Noëlle. Das Deutsche selbst kennt aber nur die Umlautung der Vokale.

Bereits seit der Rechtschreibreform von 1996 wird nicht mehr explizit durch ein einheitliches Regelwerk auf diese horizontalen Doppelpunkte hingewiesen, wobei schon zuvor von einer Verwendung abgeraten wurde. Allenfalls in Ausnahmefällen sollte das Trema genutzt werden, um der falschen Aussprache vorzubeugen – durchgesetzt haben sich Tremas im Deutschen aber trotzdem nicht.

Übersicht: Das Wichtigste zur Funktion des Tremas im Überblick

  • Das Trema ist ein horizontaler Doppelpunkt über einem Vokal (Selbstlaut). Es bewirkt, dass der Vokal anders gesprochen wird. Entweder wird der jeweilige Vokal einzeln gesprochen und nicht mit einem anderen Buchstaben gebunden oder die Vokalqualität ändert sich. Der Laut wird also anders gesprochen. Solche Zeichen werden Diakritika genannt.
  • Im Deutschen konnte sich das Trema nicht auf sämtlichen Vokalen durchsetzen und ist in Form der Diärese gar nicht gebräuchlich, wobei es so nur in Eigennamen auftaucht. Nur die Umlaute, wobei es um die Vokalqualität geht, sind im Deutschen existent (Ä, Ö, Ü).

  • Hinweis: Der korrekte Plural (Mehrzahl) des Wortes wird mit Tremas, aber auch mit Tremata angegeben. Beide Schreibweisen sind demzufolge rechtschreiblich in Ordnung.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Trema
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001