WORTWUCHS | Literaturlexikon

Vokal

Als Vokal, auch Selbstlaut, wird ein Laut bezeichnet, bei dessen Artikulation, also Aussprache, die Luft ungehindert aus dem Mundraum entweichen kann, weshalb sich der Sprechapparat nicht verengt oder verschließt, wie es bei den sogenannten Konsonanten der Fall ist. Zu den Vokalbuchstaben des Deutschen gehören a, e, i, o, u und die Umlaute. Diphthonge (au, ei, ui) zählen zu den Vokalen.

Begriff

Der Begriff leitet sich vom lateinischen vocalis [littera] ab, was sich mit tönender [Buchstabe] übersetzen lässt. Die Übersetzung verdeutlicht, worum es prinzipiell geht: nämlich um einen Buchstaben, der tönt und somit für einen Laut steht. Deutlicher wird es, wenn wir das Ganze anhand eines Beispiels ausprobieren und durch einige Sprachübungen veranschaulichen. Betrachten wir das folgende Vokalbeispiel.


Der Affe trinkt das Wasser.

Im obigen Beispiel wurden die Vokale und Konsonanten farblich hervorgehoben. Sprechen wir den Satz nun laut und deutlich und achten darauf, was im Mundraum geschieht, fallen uns unter Umständen Unterschiede zwischen den einzelnen Lauten auf. Während die Luft beim Sprechen aus dem Mund des Sprechenden strömt, passiert sie den gesamten Sprachapparat. Dieser Luftstrom wird Phonationsstrom genannt.

Wird der obige Satz nun laut und deutlich gesprochen, fällt auf, dass die Luft bei den Vokalen (a, e, i, o, u) ungehindert entweichen kann. Sie wird also nicht beim Entweichen behindert oder gegen bestimmte Partien des Mundraums gespresst, um den jeweiligen Laut zu erzeugen. Dieser Umstand wird als Vokal bezeichnet.

Vokaldreieck zur Darstellung der Aussprache

Vokale unterscheiden sich also aufgrund des freien Luftstroms von den Konsonanten. Jedoch lassen sich die einzelnen Vokale ebenfalls unterteilen. Dabei geht es um die die Stellung der Zunge und die Öffnung des Mundes beim Sprechen. Eine der Darstellungweisen ist das sogenannte Vokaltrapez.

Allerdings bezieht sich das Vokaltrapez auf sämtliche Vokallaute, die im Internationlen Phonetischen Alphabet (IPA) vorkommen. Deshalb scheint für diesen Beitrag die vereinfachte Darstellung in Form des Vokaldreiecks, das lediglich deutsche Laute berücksichtigt und 1781 vom deutschen Arzt Christoph Friedrich Hellwag im Zuge seiner Doktorarbeit vorgestellt wurde, geeigneter. Nachfolgend eine Erläuterung.


Das Vokaldreieck zeigt, wo im Mund die einzelnen Vokale gesprochen werden und welche Stellung die Lippen einnehmen


Die obige Grafik zeigt eine mögliche Darstellung des Vokaldreiecks. Die Grundlage der Darstellung ist die Lage der Zunge. Beim a liegt die Zunge tief, bei den Spitzen, also i, u, ü ist sie höher und beim Sprechen von e, ö und o bewegt sie sich irgendwo dazwischen. Die Laute auf der linken Seite, werden vorn im Mundraum betont, die Laute rechts, im hinteren Bereich.

Die Grafik zeigt auch, wie weit der Mundraum geöffnet ist, wenn diese Vokale gesprochen werden. Beim a ist der Mundraum weit geöffnet, wohingegen er bei i, ü und u durch die Lippen beschränkt wird. Auch hierbei bewegen sich e, ö und o an einem Mittelwert der beiden Extrempunkte.

Vokal: geschlossen, halbgeschlossen, halboffen, offen

Weiterhin lässt sich der Vokal in geschlossen, halbgeschlossen, halboffen und offen unterteilen. Diese Adjektive meinen die Öffnung des Mundes bei der Artikulation der jeweiligen Selbstlaute. Schauen wir nachfolgend auf einige Beispiele für die jeweiligen Möglichkeiten.

Als geschlossen werden die Selbstlaute bezeichnet, bei denen der Mund beim Aussprechen am stärksten geschlossen ist. Beispielhaft sind hierbei das kurze [ɪ] in litt oder das kurze [ʊ] in Sucht. Danach folgen die mittleren Vokale, die sich in halbgeschlossen und halbgeöffnet unterteilen lassen. Halbgeschlossen ist beispielsweise das lange [eː] in beten, halbgeöffnet ist das kurze [ɛ] in betten.

Relativ weit geöffnet ist der Mund allerdings bei den folgenden Beispielen. Der Winkel der Kiefer ist groß, die Stellung der Zunge ist bei der Artikulation tief. Beispielhaft kann hierfür das kurze [a] in Lamm oder Kamm sowie das lange [aː] in lahm, kam oder auch Bahn angeführt werden.

Hinweis: Die obigen Beispiele für die einzelnen Mundstellungen stellen natürlich nur eine Auswahl dar. Es gibt unwahrscheinlich viele Möglichkeiten, welche im Rahmen dieses Beitrags nicht alle abgedeckt werden können. Es ist allerdings möglich, selbst zu spüren, zu welcher Art der Vokal eines Wortes gehört, wenn dieser langsam gesprochen wird und die Aussprache mit den obigen Beispielen abgeglichen wird.

Vokale und Konsonanten

Der wesentliche Unterschied zwischen Konsonanten und Vokalen ist, dass die Luft bei der Artikulation von Vokalen frei entweichen kann, wohingegen sie beim Sprechen der Konsonanten behindert wird. Der Sprechapparat verengt oder verschließt sich also bei der Artikulation von Konsonanten.

Zu den Konsonantenbuchstaben des Deutschen zählen somit die Buchstaben B, C, D, F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q, R, S, ß, T, V, W, X, Z, denen die Vokalbuchstaben A, Ä, E, I, O, Ö, U, Ü und Y gegenüberstehen.

Hinweis: Es ist wichtig, zwischen Vokalbuchstaben und Vokalen sowie zwischen Konsonantenbuchstaben und Konsonanten zu trennen. Vokale und Konsonanten meinen nämlich grundsätzlich eine Art Laut, die anderen Begriffe bezeichnen die tatsächliche Entprechung solcher Laute im Alphabet.

Vokale und Diphtonge

Als Diphthong, auch Zwielaut, wird ein Doppellaut zweier Vokale bezeichnet, welche aufeinanderfolgen und innerhalb einer Silbe stehen. Das bedeutet, dass die Vokale beim Sprechen verbunden und eben nicht getrennt werden. Im Deutschen sind vor allem die Diphtonge au, ei, ai, eu, äu und ui üblich.

Lautlich können die Dipthonge durchaus als Vokale betrachtet werden, sind aber im Eigentlichen lediglich ein Zusammenschluss aus zwei Selbstlauten. Entscheidend ist hierbei, dass die aufeinanderfolgenden Vokale innerhalb einer Silbe stehen. Bildet der eine Vokal den Abschluss der einen Silbe, wohingegen der andere nächste schon der nachfolgenden angehört, ist dies kein Diphthong, sondern ein Hiatus. Ein Beispiel.


Das Feuer brennt lichterloh.

Im obigen Beispiel sollte das Augenmerk auf dem Feuer liegen. In diesem Wort findet sich ein Diphthong, aber ebenfalls ein Hiatus. Das Wort besteht aus zwei Silben, was farblich hervorgehoben wurde: nämlich aus Feu und er. In der ersten Silbe steckt die Verbindung der Vokale e und u, die zusammen gesprochen werden: ein Dipthong – ein Zwielaut aus zwei Selbstlauten.

Das u der ersten Silbe und das e der nächsten sind durch die Silbe getrennt, auch wenn sie eindeutig aufeinanderfolgen und werden demzufolge nicht sprachlich miteinander verbunden. Sie prallen demnach gewissermaßen aufeinander: dieser Umstand wird als Hiatus, auch Hiat, bezeichnet.

Übersicht: Das Wichtigste im Überblick

  • Als Vokale werden Laute bezeichnet, bei deren Artikulation der Sprechende den Luftstrom frei entweichen lässt. Der Luftstrom wird also nicht behindert, wie es bei den Konsonanten ist.
  • Die Vokale im Deutschen werden durch die Buchstaben a, e, i, o, u sowie durch die Umlaute ä, ö und ü gebildet. Weiterhin können die Diphthonge zu den Vokalen gezählt werden.