Der Haufenreim ist ein sehr eingängiges Reimschema, das auf einer bestimmten Abfolge von Endreimen basiert. Der Haufenreim ist ein Reimschema, das neben Paarreim und Kreuzreim am einfachsten in einem Gedicht zu erkennen ist. Im Haufenreim sind die Reime innerhalb einer Strophe gleichbleibend, das Reimschema folgt demnach dem Muster aaaa (bbbb, cccc usw.).

Im Haufenreim enden alle Verse einer Strophe mit dem gleichen Endreim. Das bedeutet, dass die letzten Silben nahezu gleich klingen. Beispielsweise reimt sicht Klippen auf Sippen, stippen und kippen. Schauen wir dafür auf ein recht klassisches Beispiel für den Haufenreim:

auf den hohen Felsenklippen
sitzen sieben Robbensippen
die sich in die Rippen stippen
bis sie von den Klippen kippen

Wir sehen in dieser Strophe, dass sich die letzten Wörter der jeweiligen Verszeilen reimen und somit nahezu identisch klingen. Diese Beobachtung könnten wir nun farblich markieren, sodass das Reimschema des Haufenreims sehr deutlich hervortritt.

auf den hohen Felsenklippen
sitzen sieben Robbensippen
die sich in die Rippen stippen
bis sie von den Klippen kippen
Durch die Hervorhebung der einzelnen Endreime wird die typische „Anhäufung“ klar ersichtlich. Wir könnten nun festhalten, dass die Strophe das Reimschema orange, orange, orange, orange hat.

Das Reimschema im Haufenreim

In der Literaturwissenschaft und Germanistik ist es allerdings nicht üblich, diese Abfolge durch Farben anzugeben. Man hat sich darauf geeinigt, Buchstaben für die Abfolge zu nutzen. Einfach deshalb, weil Buchstaben überall gleich sind und das Muster somit für jeden klar zu erkennen ist.

Dabei fangen wir bei der Bezeichnung im Alphabet ganz vorne an, also beim Buchstaben „A„. Setzen wir diesen einmal für unsere farbliche Markierung der obigen Strophe ein.

a
a
a
a
auf den hohen Felsenklippen
sitzen sieben Robbensippen
die sich in die Rippen stippen
bis sie von den Klippen kippen
Möchten wir nun das Reimschema im Haufenreim angeben, verwenden wir einfach die ersichtliche Buchstabenabfolge. Der Haufenreim wird also mit den Buchstaben aaaa beschrieben.

Buchstaben im Haufenreim fortführen

Soeben haben wir festgelegt, dass wir die Reimfolge mithilfe von Buchstaben angeben und eben nicht die Abfolge der einzelnen Farben beschreiben. Dabei steht das „A“ für den ersten Reim eines Gedichts. Finden wir nun in der nächsten Strophe einen neuen Reim, würden wir dies mithilfe des nächsten Buchstabens angeben: dem „B“. Schauen wir dafür auf ein fiktives Beispiel.

a
a
a
a

b
b
b

Die Pferde laufen wild im Kreis,
und sind dabei nicht gerade leis‘.
Das machen sie, wie jeder weiß,
nur im Sommer, denn da ist es heiß.

Deshalb müssen sie jede Menge trinken,
doch bloß kein Fastfood oder Schinken.
Dann würde die Ausdauer bloß noch sinken.

Hierbei sollten uns zwei Dinge auffallen. Einerseits können wir sehen, dass der neue Reim mit dem Buchstaben „B“ fortgeführt wird. Andererseits wird ersichtlich, dass die reimenden Verszeilen keine bestimmte Anzahl haben müssen, um als Haufenreim zu gelten.

Wichtig ist in Bezug auf den Haufenreim, dass die Strophe durchgängig die gleichen Endreime aufweist und mindestens aus drei Zeilen bestehen sollte, um von einem festen Schema zu sprechen.

Funktion des Haufenreims

Mitunter ist es recht schwierig, ein Reimschema stur zu funktionalisieren und diesem somit eine Bedeutung zuzuschreiben. Allerdings hat es natürlich einen Effekt auf den Leser.

  • Der Haufenreim ist, ähnlich wie der Paarreim oder Kreuzreim, eine sehr eingängige Abfolge, die wie eine Art Singsang wirkt.
  • Folglich können wir den Haufenreim vornehmlich in Kinderreimen, Kinderliedern oder auch Zaubersprüchen ausmachen.
  • Doch auch, wenn dieses Muster recht einfach gehalten ist, finden wir es recht selten in der Lyrik und nur wenige Texte sind durchgängig in Haufenreimen verfasst.
  • Durch den beschriebenen Singsang, der beim Lesen entsteht, kann das Muster durchaus naiv, fröhlich oder auch kindlich wirken.
  • Wichtig ist, dass wir uns darauf nicht versteifen: denn natürlich kann mit einer solchen Erwartungshaltung auch gespielt werden und diese ins Gegenteil verkehrt werden.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Haufenreim
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001