Als Hebungsprall, auch Hochtonhiatus, wird in der Verslehre (Metrik) das unmittelbare, fugenlose Aufeinandertreffen zweier Hebungen (betonte Silben) bezeichnet. Der Hebungsprall ist demnach für senkungsfreie Versmaße normal. Senkungsfrei bedeutet, dass das Versmaß nur vorgibt, wie viele Hebungen ein Vers haben muss, aber nicht, wie viele Senkungen. Regelmäßig liegt er im Pentameter vor und wenn auf einen männlichen Versschluss ein auftaktloser Vers folgt.

Ein solcher Hebungsprall ist zwangsläufig mit einer Zäsur (Einschnitt) verbunden, also einem Innehalten beim Sprechen und ist demnach eine starke Unterbrechung des Rhythmus. Dieser Wechsel wird oft mit Antithesen oder Parallelismen kombiniert, da die Gegenüberstellung unterstrichen wird. Schauen wir auf ein Beispiel.


Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule.
Im Pen | tame ter | drauf  ||  fällt sie me | lodisch he | rab.

Das obige Beispiel ist ein Distichon von Friedrich Schiller. Dieses wird aus der Abfolge von Hexameter und Pentameter gebildet. Es wurden die Hebungen und Senkungen im Pentameter hervorgehoben und die einzelnen Versfüße optisch voneinander getrennt (|) sowie die unweigerliche Zäsur gesetzt (||).

Der Pentameter wird in diesem Beispielvers aus einer Abfolge von Trochäus und Daktylus, einer einzelnen Hebung, zweier Daktylen und einer weiteren Hebung gebildet. Interessant ist für uns die Hebung nach den ersten Daktylen, also das Wort drauf. Auf dieses folgt ein Daktylus, der betont beginnt – so stehen zwei Hebungen nacheinander und bilden unweigerlich eine Zäsur im Vers, die den Rhythmus unterbricht.

Hinweis: Eine Hebung erkennen wir daran, dass diese Silbe im Vers stärker betont wird. Das heißt, dass diese Silbe lauter und meist deutlicher gesprochen wird. In der Antike wurden die Hebungen als Länge bezeichnet, da die antike Metrik zwischen langen und kurzen Silben unterscheidet und nicht wie wir, zwischen betonten und unbetonten. Hebungen rhythmisieren somit einen Text.

Übersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion eines Hebungspralls

  • Der Hebungsprall ist das Aufeinandertreffen zweier betonter Silben im Vers. Dies kann entweder mittels Spondeus erfolgen, der aus zwei betonten Silben besteht, weil der Vers senkungsfrei ist oder ein männlicher Versschluss auf einen auftaktlosen Vers trifft.
  • Dieses Aufeinandertreffen bewirkt unmittelbar eine Zäsur und unterbricht somit den Rhythmus, da wir beim Lesen / Sprechen unweigerlich eine Pause machen. Oftmals wird dieser Effekt in der Literatur mit Antithesen oder Parallelismen unterstützt und getragen.
  • Kommt ein Hebungsprall beispielsweise im Pentameter zum Einsatz, wirkt dies unruhig, heftig und eignet sich somit zum Ausdrücken von Erregung, Kummer oder starken Gefühlsbewegungen.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Hebungsprall
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001