Der Begriff Hephthemimeres stammt aus der Metrik. Die Hephthemimeres meint eine Zäsur nach dem siebenten Halbfuß einer Verszeile, was vor allem im Versmaß des Hexameters einen sehr gebräuchlichen Einschnitt markiert. Sehr häufig tritt die Hephthemimeres in Verbindung mit einer Trithemimeres auf, was eine Zäsur nach dem dritten Halbfuß meint.

Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab (ἑφθ‘ ἡμίσεα μέρη) und bedeutet in etwa sieben halbe Teile. Im Lateinischen wird diese Form der Zäsur als caesura semiseptinaria bezeichnet, wobei die Bedeutung gleich ist. Somit zeigt uns die Übersetzung recht deutlich, worum es hierbei geht: nämlich um die ersten sieben Halbfüße einer Verszeile [denen unmittelbar eine Zäsur folgt]. Schauen wir auf ein Beispiel.

Hinweis: Für die nachfolgenden Erklärungen ist das Verständnis des Begriffs Halbfuß wichtig. Dabei gilt entweder eine betonte Silbe (Länge) oder zwei unbetonte Silben (Kürzen) als Halbfuß. Somit besteht beispielsweise ein Daktylus, der aus drei Silben besteht (1 Länge, 2 Kürzen), aus zwei Halbfüßen.


υ υ | υ υ | υ υ |  ||  υ υ | υ υ | x

Das obige Beispiel zeigt den Aufbau eines Hexameters. Die betonten und unbetonten Silben wurden dabei farblich hervorgehoben, wobei die grüne Markierung lediglich die einzelnen Versfüße voneinander trennt. Die Zäsur ( || ) liegt hinter dem 7. Halbfuß und ist demnach als Hephthemimeres zu bezeichnen.

Grundsätzlich besteht der Hexameter aus einem sechshebigen Daktylus (eine Länge, zwei Kürzen oder eben betont, unbetont, unbetont; – υ υ), der katalektisch ist. Das heißt, dass wir nur fünf vollständige Daktylen finden können, wobei dem letzten Versfuß gewissermaßen eine Silbe fehlt.

Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Zäsur, weil es einen metrischen Einschnitt innerhalb eines Versfußes gibt, also hierbei nach dem 7. Halbfuß und somit nach der vierten Hebung, weshalb der vierte Daktylus durch die Hephthemimeres aufgespalten wird. Schauen wir auf ein lateinischen Beispiel.


ar|ma|ti  |  cir|cum|sis|tunt  |  ip|sumque do|mumque

Das obige Beispiel ist ebenfalls ein Hexameter, auch wenn dies nicht ganz so eindeutig zu erkennen ist. Das liegt darin begründet, dass hierbei einige der daktylischen Kürzen durch Längen ersetzt wurden. Orientieren wir uns aber an den Halbfüßen, wird die Zäsur nach dem siebenten abermals deutlich.

Außerdem können wir nach dem dritten Halbfuß, also nach armati, eine Trithemimeres erkennen. Oftmals treten diese beiden Zäsuren gemeinsam auf. Dieser Hinweis sollte allerdings nur als Orientierung dienen und in keinem Fall als Regel gelten. Denn beide Einschnitte können durchaus auch allein stehen.

Das Wichtigste zur Hephthemimeres im Überblick

  • Die Hephthemimeres ist eine Zäsur, also ein Einschnitt in der Verszeile, die oftmals im Hexameter anzutreffen ist. Die Zäsur findet sich hierbei nach dem siebenten Halbfuß und tritt oft gemeinsam mit der Trithemimeres, dem Einschnitt nach dem dritten Halbfuß, auf.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Hephthemimeres
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001