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Hommage

Als Hommage wird eine Veranstaltung, eine Darbietung oder ein Werk bezeichnet, welche eine Person ehren oder dieser huldigen soll. In der Regel gilt eine Hommage einer Koryphäe oder einem Künstler beziehungsweise dessen Œuvre, also dem künstlerischem Gesamtwerk. Die Hommage ist demnach selbst ein (künstlerisches) Werk, das entworfen wurde, um eine Persönlichkeit zu ehren oder für etwas, das im besonderen Maße inspirierend für das eigene Schaffen war.

Begriff

Der Begriff leitet sich vom französischen Nomen hommage ab, das sich mit Anerkennung, Ehrerbietung oder auch Würdigung übersetzen lässt. Somit verweist die Übersetzung des Begriffs auf die Bedeutung: es geht darum, die Arbeit einer (oft künstlerischen) Person zu ehren. Das geschieht meist durch den Verweis.

Ein solcher Verweis wird oft in einem Werk platziert und würdigt dabei die Arbeit eines anderen. Dies kann beispielsweise insofern funktionieren, als dass ein Merkmal, das für einen anderen Künstler sehr typisch ist, aufgegriffen wird oder eindeutig, vielleicht durch Nennung, auf die Werke eines anderen referenziert wird. Weiterhin kann ein Kunstwerk insgesamt als Hommage konzipiert sein.

Dabei bedienen sich Kunstschaffende zumeist der Allusion (Anspielung) sowie der Imitation (Nachahmung, Nachbildung). In der Musik kann die Hommage durch eine Komposition, ein Tribut-Album sowie als Sample angelegt sein. Beispielhaft kann die Homage to Paderewski angeführt werden. Nach dem Tod Paderewski, einem polnischen Pianisten, wurden für das Werk Soloklavierstücke von 16 namhaften Komponisten angefertigt, die an den Künstler erinnerten und auf sein Werk stilistisch verwiesen. Ein Beispiel:


Von dem Weine hatte er nur ein Glas getrunken.
»Emilia Galotti« lag auf dem Pulte aufgeschlagen.

Das obige Beispiel ist Johann Wolfgang von Goethes Werther entnommen. Werther liest kurz vor seinem Tod das Trauerspiel Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing. Zwar hat die Tat einen Symbolcharakter in Bezug auf Werthers Tun, aber dennoch ist das Nennen des Werkes als Hommage an Lessing zu verstehen.

Typische Formen der Hommage in Musik, Literatur, Kunst und Film
MusikBest of, Cover, Flickoper, Interpolation, Klangcollage, Kontrafaktur, Medley, Mashup, Parodie, Pasticcio, Potpourri, Quodlibet, Remix, Sampling, Tropus, Variation
LiteraturAdaption, Biografie, Cento, Cut-up, Joke theft (Witz eines anderen „klauen“), Kontrafaktur, Parodie, Zitat
KunstAssemblage, Collage, Swipe (Comic, der auf andere verweist), Fotomosaik, Combine Painting (Kombinierte Malerei)
FilmAdaption, Collage, Dokumentation, Found Footage, Mashup, Remake, Parodie

Hommage im Mittelalter

Im Mittelalter verstand man unter dem Begriff die Zeremonie, bei der ein Vasall (Herr, der sich freiwillig als Gefolgsmann in den Dienst eines anderen freien Herren stellte) die Treue zu seinem Lehnsherren bekundete und den Vasallenvertrag symbolisch bekräftigte und bestätigte.

Der Vasall schwor dabei, dass er auch weiterhin ein Mann des anderen war (frz. homme ~ Mann). Solche Verträge wurden außerdem zwischen Rittern und Herren geschlossen und in der Regel durch die Kirche besiegelt. Diese galt als vertrauenswürdig und trat deshalb häufig als Leiter der Zeremonie auf.

Die letzte Zeremonie in diesem Sinne gab es bei der Thronbesteigung Elisabeth II. am 6. Februar 1952. Hier leisteten ihr der Erzbischof von Canterbury, Prinz Philip (Duke of Edinburgh) sowie die Dukes und weitere Standesmitglieder den Lehnseid und bestätigten somit ihre Treue gegenüber dem Königshaus.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Hommage wird eine Veranstaltung, eine Darbietung oder ein Werk bezeichnet, welche eine Person ehren oder dieser huldigen sollen. Dies kann entweder durch Verweise aus dem Werk heraus geschehen oder das Werk ist ist als Ganzes als Hommage angelegt.
  • In der Kunst gibt es nahezu in sämtlichen Bereichen solche Ehr­er­bie­tung und Würdigungen. Häufig geschieht dies durch das Nachahmen typischer Elemente oder durch Anspielungen.
  • Im Mittelalter wurde mit dem Begriff eine feierliche Zeremonie bezeichnet, bei welcher ein Vasall seinem Herren die Treue versicherte und somit öffentlich bekundete, dass er für seinen Herren eintreten würde und den Vasallenvertrag bestätigt. Dies geschah unter Zeugen.