Als Ikosalogie, auch Zwanzigteiler, wird ein künstlerisches Werk bezeichnet, welches aus zwanzig zusammengehörenden Teilen besteht. Bei der Ikosalogie kann es sich somit um ein filmisches, literarisches oder auch musikalisches Stück handeln, wenngleich es nur wenige Beispiele gibt. Wesentlich ist für Mehrteiler dieser Art, dass sie zwar inhaltlich zusammengehören, aber in der Regel selbständig funktionieren. Das bedeutet, dass die Handlung der einzelnen Teile zumeist in sich abgeschlossen ist und eben nicht abrupt durch starke Cliffhanger unterbrochen wird.

Der Begriff leitet sich von der griechischen Bezeichnung εἴκοσι [eíkosi] für die Kardinalzahl 20 und dem Nomen logos für Wort oder auch Rede. Folglich handelt es sich bei der Ikosalogie wortwörtlich um ein Zwanzigwort oder eine Zwanzigrede und im übertragenen Sinn einen Inhalt, der aus zwanzig Teilen besteht.

Nach ebendieser „Regel“ werden auch die Fachbegriffe für alle anderen mehrteiligen Werke gebildet, wie etwa Dilogie für einen Zweiteiler, Trilogie für einen Dreiteiler oder Tetralogie für den Vierteiler. Stets setzt sich der jeweilige Begriff aus dem griechischen Präfix für das entsprechende Zahlwort (di-, tri-, tetra, penta- …) und der Einheit logie – die sich vom Nomen logos für Wort ableitet – zusammen.Die Bezeichnung verschiedener Mehrteiler


Erstmals gab es solche Einteilungen in der griechischen Antike. So fanden beispielsweise im 5. Jahrhundert v. Chr. die Großen Dionysien statt, um den Gott Dionysos zu ehren. Zu diesem Fest wurde ein dichterischer Wettstreit veranstaltet, den alljährlich drei Tragödiendichtern austrugen. Jeder Dichter, der an diesem jährlichen Spektaktel teilnehmen durfte, zeigte drei Werke, die inhaltlich zusammengehörten und demnach als Trilogie bezeichnet wurden. Später wurde dieser Dreiteiler noch um ein entspannendes Satyrspiel erweitert und dadurch zur Tetralogie, wodurch diese Begriffe nachhaltig geprägt wurden.

Heutzutage sind solche Bezeichnungen natürlich nicht mehr dem Drama vorbehalten und es ist üblich, auch andere Erzeugnisse der Kunst, die aus mehreren Teilen bestehen und sich inhaltlich aufeinander beziehen, mit den Begriffen zu bezeichnen. Im Alltag begegnen uns vor allem der Zweiteiler, die Trilogie oder die Tetralogie, wohingegen Pentalogie, Hexalogie, Heptalogie und Ikosalogie eher unüblich sind.

Ikosalogie-Beispiel

  • Die Rougon-Macquart von Émile Zola (Literatur)
    • Das Glück der Familie Rougon (La fortune des Rougon 1871)
    • Die Beute (La curée 1871)
    • Der Bauch von Paris (Le ventre de Paris 1873)
    • Die Eroberung von Plassans (La conquête de Plassans 1874)
    • Die Sünde des Abbé Mouret (La faute de l’Abbé Mouret 1875)
    • Seine Exzellenz Eugène Rougon (Son excellence Eugène Rougon 1876)
    • Der Totschläger (L’Assommoir 1877)
    • Ein Blatt Liebe (Une page d’amour 1878)
    • Nana (Nana 1880)
    • Ein feines Haus (Pot-Bouille 1882)
    • Das Paradies der Damen (Au bonheur des dames 1883)
    • Die Freude am Leben (La joie de vivre 1884)
    • Germinal (Germinal 1885)
    • Das Werk (L’Œuvre 1886)
    • Die Erde (La terre 1887)
    • Der Traum (Le rêve 1888)
    • Die Bestie im Menschen / Das Tier im Menschen (La bête humaine 1890)
    • Das Geld (L’argent 1891)
    • Der Zusammenbruch (La débâcle 1892)
    • Doktor Pascal (Le docteur Pascal 1893)
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Ikosalogie (Zwanzigteiler)
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001