WORTWUCHS | Literaturlexikon

Inkantation

Als Inkantation wird das Beschwören oder Anrufen mithilfe von Beschwörungsformeln bezeichnet, die zumeist einen magischen Charakter haben. Allerdings galten sie in der römischen Antike nicht als Form der Magie. So gab es beispielsweise im Rom der Antike einzelne Gesetze, die den Einsatz von schwarzer Magie untersagten, weshalb es beispielsweise verboten und demzufolge unter Strafe gestellt war, Zauber anzuwenden, um die Ernte zu verfluchen. Solcherlei Zauber wurden als Mala carmina (lat.: schlechte Sprüche/Lieder/Gedichte) bezeichnet. Im Gegensatz dazu gab es jedoch auch „gute“ Carmina, wozu die Inkantationen zählen, die als heilsam sowie heilkräftig galten.

Der Begriff lässt sich aus dem Lateinischen ableiten und geht auf das Verb incantare zurück, das sich mit einsingen, aber auch bezaubern und verzaubern übersetzen lässt. Folglich verweist bereits die Übersetzung des Wortes darauf, worum es geht: nämlich um eine Formel, die zum Zwecke der Zauberei aufgesagt wurde.

Solche Anrufungs- und Beschwörungsformen hatten verschiedene Funktionen und waren in den jeweiligen Kulturkreisen unterschiedlich stark ausgeprägt. Prinzipiell ging es jedoch um den Gebrauch gewisser Wörter, Handlungen oder auch Formeln, um damit außerordentliche und übernatürliche Wirkungen zu erzielen.

So waren etwa die altbabylonischen Gebete und Hymnen häufig mit Beschwörungszeremonien verbunden. Die Babylonier waren es außerdem, welche das Beschwörungswesen in Regeln brachten und in der Folge im gesamten Abendland verbreiteten. Letztlich entwickelten zahlreiche Völker und Kulturen aus diesen Ansätzen verschiedene Geheimlehren. So speist sich beispielsweise die christliche Beschwörungskunst des Mittelalters aus ebendiesen ursprünglichen Formen der orientalischen Magie (vgl. Literaturepochen).


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