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Intermezzo

Als Intermezzo wird ein Zwischenspiel im Drama oder der Oper bezeichnet. Teils wird mit dem Begriff aber auch ein kurzes Orchester- oder Klavierstück benannt. Manchmal wird der Begriff erweitert und meint dann jegliches Zwischenspiel in einem künstlerischen Medium, um eine Pause zu füllen oder eine Überleitung zu schaffen. In der Musik wird es auch als Interludium und in der Literatur oft als Zwischenspiel, auch Intermedium, bezeichnet. Umgangssprachlich meint es einen Zwischenfall.

Der Begriff lässt sich aus dem Italienischen ableiten und mit Pause übersetzen. Demzufolge verweist schon die Übersetzung des Wortes darauf, worum es geht: nämlich um die Pausen eines künstlerischen Werkes [oder genauer um das Ausfüllen ebendieser Pausen]. Primär geht es jedoch um das Zwischenspiel in der Oper, um Szenen zu trennen. Schauen wir auf ein Beispiel aus dem Werk Cavalleria rusticana.

Das obige Beispiel stammt aus der Oper Cavalleria rusticana. Die Oper in einem Akt ist von Pietro Mascagni, einem italienischen Komponisten. Die Oper erzählt die Geschichte von Santuzza und ihrem Geliebten Turiddu, der jedoch nur noch Augen für Lola, die Frau von Alfio, hat. Am Tag der Heiligen Messe konfrontiert Santuzza ihren Geliebten damit, der sie allerdings ignoriert und Lola in die Kirche nacheilt.

Das Intermezzo steht zwischen der Konfrontation und der nachfolgenden Szene in einem Wirtshaus, in der Alfio und Turiddu aufeinanderstoßen und sich schlussendlich duellieren, wobei Turiddu dem Kontrahenten unterlegen ist und stirbt. Das Intermezzo steht also zwischen zwei erregenden Szenen und ist somit eine Pause in der Handlung, symbolisiert aber auch den Osterfrieden der frommen Kirchgänger.

Ursprünge des Intermezzos

Erstmalig wird der Begriff in Italien des 16. Jahrhunderts verwendet, wobei es die anderen Szenen des Werkes nicht unmittelbar verband, sondern vornehmlich den Zuschauer unterhalten sollte. Im Laufe der Zeit wurde der Begriff allerdings für zahlreiche künstlerische Medien gebraucht und diente vor allem der Verbindung einzelner Elemente und löste sich vom einfachen Zwischenspiel.


Ursprünglich war das Intermezzo ein Zwischenspiel in szenischen Darstellungen. Es hatte einen sehr leichten, einfachen sowie heiteren Charakter. Primär sollte es demzufolge unterhalten und nicht die einzelnen Szenen verbinden. Zumeist waren solche Intermezzi als Singspiele oder kleinere dramatische Handlungen angelegt und wurden oftmals als Lückenbüßer, um den Theaterabend auszufüllen, genutzt.

Mitunter diente das Intermezzo aber auch reisenden Künstlern, um sich dem Publikum zu zeigen und den eigenen dramatischen Gesang zu präsentieren, ohne dabei auf ein größeres Theaterpersonal zurückgreifen zu müssen. Demnach wurden Intermezzi zumeist für wenige Personen konzipiert und in der Regel auf zwei bis drei Figuren beschränkt. Allein deshalb musste die Handlung überschaubar bleiben.

In den Anfängen waren solche Intermezzi oftmals Madrigale, also mehrstimmige Vokalstücke, welche meist einen weltlichen Inhalt aufwiesen. Inhaltlich bezogen sich diese anfänglich auf das Stück, arteten allerdings alsbald aus und avancierten zu kleinen Zwischenstücken, die eine eigene Handlung zeigten und inhaltlich wenig mit dem Hauptwerk zu tun hatten.

Eines der bekanntesten Intermezzos des 16. Jahrhunderts ist das Combattimento dʼApol. line col serpente (Streit des Apollon mit dem Drachen) von Giovanni Bardi, das zur Vermählungsfeier von Ferdinand von Medici vorgestellt wurde. Bardi ahmte in diesem Zwischenspiel die alten griechischen Gesänge, die zu Ehren des Gottes Apollon gesungen wurden, schlicht und ergreifend nach.

Aus diesen Zwischenspielen entwickelten sich in der Folge teils eigene Stücke, die zwar immer noch recht simpler Natur waren, aber doch immer komplexer wurden. Demnach ist eine Nähe zwischen Intermezzo und der Posse sowie dem Schwank zu erkennen. Beide Gattungen beschreiben komische Bühnenstücke. In Bezug auf die Oper waren die Singspiele die Ursprünge der Opera buffa (kurze, scherzhafte Oper).

Das Intermezzo in der Oper

Der Begriff meinte bereits im 16. Jahrhundert entweder ein Zwischenspiel im dramatischen Werk oder bei der Aufführung einer Oper. Aus den Zwischenspielen der ernsten Oper entwickelte sich später die Opera buffa. Dem Ernsten stand somit ein komischen Stück zwischen den Akten gegenüber.

Waren dies anfänglich noch hauptsächlich kurze Madrigale, also mehrstimmige Vokalstücke, entwickelten sich auch hierbei schnell ganze Handlungstränge und komplexe Geschichten heraus. Wichtig ist hierbei, dass ein solches Zwischenspiel nicht unbedingt kurz sein musste, sondern durchaus eine Stunde oder auch länger andauern konnte. Ein bekanntes Beispiel ist La serva padrona (1733) von Giovanni Battista Pergolesis.

Diese kurze Oper in zwei Akten wurde beispielsweise 1739 als Intermezzo zwischen den Akten von Vivaldis L’odio vinto dalla costanza aufgeführt, wobei ersichtlich wird, dass sich das Bühnenstück vom kurzweiligen Zwischenspiel entfernte und selbst zum abendfüllenden Programm avancierte. Diese Entfernung von der ernsten Oper war es nun, die die Grundlage der Opera buffa bildete.

Außerdem entwickelte sich aus dieser Form des Intermèdes die komische Oper, die Opéra comique. Ein Beispiel ist das Werk Le Devin du village (1752) von Jean-Jacques Rousseau, das ebenso erstmalig als ein Zwischenspiel mit einem Akt konzipiert wurde und in der Folge als Vorbild der Opéra comique diente.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Intermezzo im Überblick

  • Intermezzi sind Zwischenspiele in der Oper oder im Drama. Gemeinhin kann allerdings jegliche Aufführung zwischen zwei Teilen eines künstlerischen Mediums als Intermezzo gelten. Umgangssprachlich bezeichnet der Begriff einen Zwischenfall.
  • Ursprünglich waren solche Intermezzi kurzweilige Gesangseinlagen (Madrigale), die zwischen den Aufzügen gezeigt wurden. Mit der Zeit entwickelten sich daraus allerdings eigenständige und komplexere Darbietungen, die nur noch lose mit der Haupthandlung verknüpft waren.
  • Hierbei lassen sich verschiedene Formen erkennen: so gibt es in Bezug auf das ungesungene Zwischenspiel durchaus eine Ähnlichkeit zum Schwank oder zur Posse, wobei das Ganze außerdem für die Opera buffa, die Operette sowie die komische Oper als Vorbild diente.
  • Formen des Zwischenspiels und deren Bezeichnungen

    • Selbständige Formen
      • Embolium: im griechischen Theater pantomimisches Kurzstück zwischen den Akten
      • Entracte: kurzweilige, musikalische Einlage im Theater, teils nur instrumental
      • Intermezzo: Oberbegriff, aber auch einsätziges Stück oder Satz in der Instrumentalmusik sowie Zwischenspiel in der Oper
      • Skit: kurzes hörspielartiges Stück auf einem Musik-Album (oft im Hip-Hop)
      • Zwischenmusik: Musikstück bei Hörspielen und Hörbüchern, kann auch anderswo auftreten
      • Zwischenspiel (Intermedium): witzige Einlage, trennt die Akte des Schauspiels
    • Übergangsstücke in der Musik
      • Bridge: überleitender Formteil in Jazz, Pop, Rock und Electro
      • Interludium: Überleitung zwischen zei Hauptteilen in der Musik, kleineres instrumentales Stück
      • Ritornell (Refrain): Part, der im Laufe eines Musikstücks wiederkehrt