Als Jargon wird eine Sondersprache sowie Rede- oder Ausdrucksweise bezeichnet. Der Jargon ist ein Soziolekt, weil er oft nur von den Mitgliedern einer bestimmten Gruppe oder eines Milieus verstanden wird, wodurch er kennzeichnend für bestimmte Gruppierungen (bspw. Künstler, Studenten, Schüler) oder Berufsstände sein kann. Demnach kann der Jargon nicht von jeder Person verstanden werden und wird von Außenstehenden oft als Kauderwelsch (verworrene Sprechweise) wahrgenommen. Als Jargon wurde außerdem die Geheimsprache, vornehmlich der Sonderwortschatz, der Gauner sowie Verbrecher im Mittelalter und weiterhin ein vermischter oder verdorbener Dialekt bezeichnet

Der Begriff lässt sich aus dem Französischen ableiten und dabei mit unverständliches Gemurmel/Redeweise übersetzen. Das französische jargon geht auf das altfranzösische gargun zurück, das in etwa Gezwitscher bedeutet. Entstanden ist der Begriff wohl im 15. Jahrhundert, als die kriminellen Bande der Coquillards, im Deutschen auch Muschelbrüder, eine Geheimsprache erfanden, welche Außenstehende nicht verstehen konnten. Diese Geheimsprache bezeichneten sie selbst als Jargon (certain langaige de jargon).

Die Muschelbrüder waren eine eher lose Gemeinschaft aus Betrügern, Bettlern, Räubern, Trickbetrügern, Wegelagerern, Betrügern, Räubern und Mördern, obwohl keine umfassenden Mitgliederlisten bestehen. Die Geheimsprache der Muschelbrüder ist auch heute noch nicht in Gänze entschlüsselt. Gesichert ist, dass sie ihresgleichen mit coquillards oder compagnons de la coquille ansprachen und ihr Oberhaupt als König der Coquille (roy de la coquille) titulierten. Zudem trugen sie Erkennungszeichen Muscheln am Körper.


Kupferstich der Muschelbrueder, die ihre Sprache als Jargon bezeichneten.

Hinweis: Satirischer Kupferstich der Muschelbrüder, die ihre Sprache als Jargon bezeichneten, Jacques Lagniet, 1657.


Als Form des Jargons kann auch das Argot bezeichnet werden, das eine Geheimsprache der Bettler und Gauner des mittelalterlichen Frankreichs beschreibt. Hier wurden bewusst grammatische Regeln gebrochen oder mit sprachlichen Mustern gespielt. So entstanden teilweise kryptische Wortneuschöpfungen, die für Personen, welche nicht eingeweiht waren, sehr schwierig zu verstehen waren.

Beispielsweise entstand durch eine Art der Verschlüsselung das Wort Zonzon, wenn Prison und somit das Gefängnis gemeint war, auch wurden Akronyme genutzt, um einen Inhalt zu verschlüsseln (TDC für tombé du camion ~ gestohlen) oder Entlehnungen aus Fremdsprachen verwendet (Mabul [arabisch] für mahbûl ~ verrückt), wobei zahlreiche andere Formen der Verschlüsselung gebräuchlich waren.

Fachjargon und Szenejargon

Gemeinhin gilt der Jargon als nicht-standardisierte Varietät der Sprache, also als eine ganz bestimmte Ausprägung einer Einzelsprache. Meist lassen sich allerdings zwei grundsätzliche Typen des Jargons ausmachen: der Szene- sowie der Fachjargon. Diesen Oberbegriffen lassen sich die verschiedenen Gruppierungen, die einen Jargon prägen können, meist zuordnen. Dennoch gibt es Ausnahmen.

Ein Szenejargon ist die charakteristische Umgangssprache einer Szene, also eines sozialen Netzwerkes, das durch gemeinsame Interessen, Vorlieben oder Eigenarten geprägt ist. Der Szenejargon zeigt die Zugehörigkeit zu einer Szene durch eine gemeinsame Sprache. Beispielsweise grenzt sich die Jugendsprache durch einen eigenen Jargon von den Älteren ab, wobei eigene Begriffe enstehen, die für Außenstehende unverständlich erscheinen und nur der jeweiligen Szene bekannt sind (vgl. Neologismus, Okkasionalismus).

Der Fachjargon ergibt sich als Umgangssprache zwischen den Mitgliedern eines bestimmten Berufes. Er ist zumeist nur für Arbeitnehmer in diesem Bereich verständlich, wobei er nicht standardisiert und kontrolliert ist. Das bedeutet, dass nicht jeder Arbeitsnehmer mit dem individuellen Fachjargon vertraut sein muss. Der Fachjargon ist aber dennoch konkret und effizient, unterscheidet sich aber von der Fachsprache.

Fachsprache und Fachjargon

Die Begriffe Fachsprache und Fachjargon ähneln sich in vielen Teilen. Der wesentliche Unterschied ist allerdings, dass die Fachsprache standardisiert ist, wobei der Fachjargon eine nicht-standardisierte Varietät der Sprache darstellt. Der Fachjargon kann aber die Ausprägung einer Fachsprache sein.

Die Fachsprache wird demzufolge von allen Mitgliedern der jeweiligen Gruppe anerkannt und wird außerdem genutzt. Beispielsweise ist die Jägersprache in der Regel allen Mitgliedern des Berufsstandes bekannt, auch wenn das Ganze für Außenstehende durchaus als eine Art Jargon wahrgenommen werden kann.

Folglich wird die Fachsprache kontrolliert und von ihren Sprechern gewahrt. Das heißt aber auch, dass sie sich problemlos in Fremdsprachen übersetzen lässt und auch hier für die Gruppe, welche sie spricht, gilt. Der Fachjargon kennt diese Einschränkungen nicht. Er wird zwar auch nur von einer kleinen Gruppe gesprochen, doch ist er nicht standardisiert. Beispielsweise könnte eine Gruppe von Jägern einen eigenen Jargon pflegen, der sich aus ihrer Fachsprache ableitet, aber eben nicht allgemein für alle anderen Jäger verbindlich ist.

So ist es eine logische Folge, dass sich einige Begriffe in Fachkreisen herausbilden und dennoch nicht als verbindliche Fachsprache anzusehen sind. Beispielsweise ist die Bezeichnung Satzklempner, welche einen Schriftsetzer im Druckhandwerk meint, eindeutig Jargon. Der Begriff ist für Außenstehende unverständlich, gehört aber nicht zum standardisierten Wortschatz aller Drucktechniker, also auch nicht zur Fachsprache.
Die Verortung des Fachjargons innerhalb einer Fachsprache

Beispiel der Fachsprache: Jägersprache

Eine beispielhafte Fachsprache, die auch heutzutage verwendet wird, ist die Jägersprache. Sie ist als Sondersprache eine Fachsprache und natürlich die Berufssprache der Jäger. Sie benutzt zahlreiche Fachwörter aus dem Bereich der Jagd, weshalb sie für Außenstehende mitunter unverständlich ist.

Die Jägersprache dient der Erhaltung sowie der Wahrung des jagdlichen Brauchtums, ist aber gleichermaßen wichtig, um die fehlerfreie Verständigung unter Jägern zu sichern. Meist gilt, dass ein Jäger die Zunftsprache seines Berufes vor Nichtjägern unterlässt, um Missverständnissen vorzubeugen. Stark geprägt wurde die Jägersprache vor allem im 12 Jahrhundert, als sie um viele Begriffe der Jagd erweitert wurde.

Zwar ist diese Sprache für viele Menschen unverständlich und wird nur von einer bestimmten Gruppe genutzt, ist allerdings standardisiert und von den Gruppenmitgliedern akzeptiert. Dennoch ist sie aufgrund ihres Alters in Teilen schon in die Umgangssprache übergegangen. Dabei haben sich einige Formulierungen im täglichen Sprachgebrauch von Nichtjägern verankert. Beispielsweise bezeichnet der Berufsjäger die Ohren des Hasen als Löffel. Dennoch ist die Formulierung jemandem eins hinter die Löffel geben verbreitet und bekannt.

Andere Formulierungen der Jägersprache sind Außenstehenden aber oft immer noch fremd. Beispiele sind hier Ehrenlauf (rechter Vorderlauf des Hirsches), Gehöre (Ohren des Raubwildes), Halali (Gruß und Jagdruf), Hexenringe (Spuren des Rehbocks im Getreide), Kuder (männlicher Luchs), Lappjagd (Schnüre werden mit Lappen gespannt und das Wild, das zumeist nicht unter den Lappen durchgeht, kann so gezielt getrieben werden), Parforcejagd (Jagd zu Pferd mit Hundemeute) oder auch Losung (hinterlassene Exkremente).

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Jargon im Überblick

  • Als Jargon wird die Rede- oder Ausdrucksweise einer bestimmten Gruppierung oder auch eines Berufsstandes bezeichnet. Der Jargon wird von Personen, die dieser Gruppe nicht angehören, zumeist nicht verstanden. Allerdings ist er nicht standardisiert und wird nicht kontrolliert.
  • Dieses Merkmal unterscheidet den (Fach-)Jargon von der Fachsprache. Diese wird zwar auch nur von einigen Menschen gesprochen und verstanden, sind aber klaren Regeln unterworfen, die von ihren Sprechern kontrolliert und gewahrt werden. Dennoch sind Fachsprachen und Fachjargons im gleichen Maße Formen der Sondersprache, da sie nur von einem Teil der Mitglieder einer Sprachgemeinschaft verwendet und verstanden werden.
  • Ursprünglich wurde die Sprache der Gauner und Verbrecher als Jargon bezeichnet. Der Begriff geht wahrscheinlich auf die sogenannten Muschelbrüder zurück, einer kriminellen Bande des 15. Jahrhunderts, die sich einer Geheimsprache, die sie Jargon nannten, bedienten.
  • Außerdem meint der Begriff einen vermischten oder verdorbenen Dialekt. Auch im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff sehr häufig in diesem Sinne gebraucht und meint dann eine formlose, ungenierte, aber auch ungepflegte Ausdrucksweise.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Jargon
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001