Als Jōruri wird das volkstümliche japanische Puppenspiel bezeichnet. Hierbei kommen wertvolle Figuren zum Einsatz, die etwa 150 cm groß sind, teilweise aber auch die Größe eines Erwachsenen haben. Die Figuren werden von mehreren Puppenspielern geführt, die zumeist hinter den Puppen stehen und bei der Vorführung selbst sichtbar sind, wobei die Puppen mithilfe von Griffen bedient werden, die in den Puppen angebracht sind. Das Spiel wird von einem balladenartigen Text begleitet, der von einem Rezitator zur musikalischen Untermalung vorgetragen wird. Enstanden ist das Jōruri im 16. Jhd., erlebte aber vor allem im 18. Jhd. seine Blütezeit (vgl. Literaturepochen).

Der Begriff Jōruri, im Japanischen 浄瑠璃, meint im Eigentlichen eine Kombination aus dem Rezitieren des Tayū – der Rezitator in einem solchen Stück – und dem Spielen der Shamisen (eine Art Laute). Folglich wird das Puppenspiel auch als Ningyō Jōruri bezeichnet, wobei Ningyō das japanische Wort für Puppe ist und die Kombination beider Begrifflichkeiten dann das tatsächliche Puppenspiel mit Rezitation, die musikalisch untermalt wird, meint. Dennoch bezeichnete auch der Begriff Jōruri das Puppenspiel selbst.

Entscheidend ist außerdem, dass durch die Gleichzeitigkeit von Rezitation und Musik beides miteinander verschmilzt, wobei Dialoge, Musik und das Spiel der Figuren eine Einheit bilden. Darüber hinaus werden hierbei , ein traditionelles japanisches Theater, das meist nur von Männern gespielt (getanzt) sowie musikalisch begleitet wird, und Kabuki, das traditionelle japanische Theater des Bürgertums der Edo-Zeit, mit historischen, romantischen sowie teilweise auch bürgerlichen Motiven verbunden werden.

Heutzutage ist der Begriff kaum gebräuchlich, da das Jôruri vom Puppenspieler Uemura Bunrakuken grundsätzlich überarbeitet und erneuert wurde und in der Folge unter der Bezeichnung Bunraku populär wurde. In dieser Form besteht das Puppenspiel bis in die heutige Zeit, wobei die Darstellungsform in Japan den Status eines unberührbaren kulturellen Erbes hat und darüber hinaus von der japanischen Regierung außerordentlich gefördert sowie gezielt unterstützt wird. Diese Unterstützung und Bewahrung kann sogar soweit gehen, dass die Darsteller sowie die Macher solcher Puppen zum Kulturerbe Japans erklärt werden. Schauen wir abschließend auf ein zeitgenössisches Beispiel der Darstellungsform:

Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Jōruri
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001