WORTWUCHS | Literaturlexikon

Kehrreim

Der Kehrreim ist ein Reimschema ohne eindeutiges Muster und ist mit dem Refrain verwandt, den wir aus der Musik kennen. Als Kehrreim wird eine wiederkehrende Abfolge von Lauten, Wörtern, Wortgruppen und Versen zwischen den Strophen eines Textes, am Ende, Anfang oder aber ein sich wiederholender Endreim innerhalb einer Strophe bezeichnet.

Wir unterscheiden zwischen flüssigem und festem Kehrreim. Ist der Kehrreim flüssig, wird er bei jeder Wiederholung leicht verändert, ist er fest, bleibt der Wortlaut oder Klang in der Wiederholung gleich.

Dabei trennt man zwischen fünf verschiedenen Formen des Kehrreims, die jedes Mal eine unterschiedliche Abfolge beschreiben. Man unteilt das Reimschema dabei in Anfangs-, End-, Binnen-, binnenstrophigem und periodischem Kehrreim. Schauen wir auf den beispielhaften Aufbau:

  • Anfangskehrreim. Ist eine Abfolge, die meint, dass am Anfang der unterschiedlichen Strophen ein wiederholendes Reimpaar auftritt. Das Reimschema folgt dabei dem Muster KKaabb KKccdd KKeeff.
  • Endkehrreim. Hierbei haben wir es mit dem Gegenstück zum vorherigen Muster zu tun. Der Kehrreim steht hierbei am Ende der jeweiligen Strophen und beschreibt das Schema aabbKK ccddKK eeffKK.
  • Binnenkehrreim. Ist eine Variante bei der ein Reimpaar innerhalb der Strophen eines Werkes wiederholt werden. Das Reimschema folgt dabei dem Muster aaKKbb ccKKdd
  • Periodische Kehrreim. Ist eine Form des Kehrreims, die meint, dass der Reim in jeder 2.,3.,4. Strophe auftaucht. Das Schema ist aabb ccddKK ddee ffggKK
  • Binnenstrophiger Kehrreim. Umschreibt ebenfalls die Wiederholung. Allerdings wird der Reim hierbei einmalig innerhalb ein und derselben Strophe wiederholt und nicht mehrmals (aabbcc ddKKeeKKff).
  • Tipp: Das Reimschema wird in der Regel mithilfe von Buchstaben angegeben. In den angeführten Beispielen steht das Kürzel KK für den Kehrreim. Eine genaue Herleitung dieser Bezeichnung finden Sie im entsprechenden Beitrag → Reimschema.

Hinweis: Die angegebenen Reimschemata sind allesamt nur als Beispiele zu verstehen. Die jeweiligen Aussagen über die Position des betreffenden Kehrreims können selbstverständlich auch auf alle anderen Reimschemata angewendet werden und sind dennoch gültig.

Der Kehrreim als Refrain

In zahlreichen Fachbüchern finden wir unter dem Eintrag Kehrreim eine Weiterleitung zur französischen Entsprechung des Refrains. Diese Einteilung ist allerdings problematisch.

Dies liegt darin begründet, dass uns die Popmusik mit einem recht einfachen Muster begegnet. Wir verstehen in der Regel unter einem Refrain, dass zwischen den einzelnen Strophen eines Gedichtes oder eben Liedes eine Zeile wiederholt wird. Vergleichen wir das mit der obigen Tabelle zum Kehrreim, fällt auf, dass dieser vielschichtiger und die bekannte Refrain-Abfolge nicht vertreten ist.

Wenn wir den Kehrreim als deutsche Entsprechung für das französische Wort Refrain deuten, müssen wir schauen, welche Bedeutung er vor allem im Bereich der Musik haben kann.

Der Kehrreim (Refrain) wird in der Musik meist zwischen den einzelnen Strophen eines Liedes wiederholt, dabei mitunter leicht verändert (flüssiger Kehrreim) und oftmals am Ende eines Werkes schleifenförmig wiederholt. Durch diese Wiederholung ist es meist der Refrain, an den wir uns nach dem Hören erinnern.

Beispiel im Kinderlied 'Alle Kinder lernen lesen'
Alle Kinder lernen lesen
Indianer und Chinesen.
Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos
Hallo Kinder jetzt geht’s los!

A, – sagt der Affe ,
wenn er in den Apfel beißt.
E sagt der Elefant,
der Erdbeereis verspeist.

I sagt der Igel, wenn
er sich im Spiegel sieht, und
wir singen unser Lied.

Alle Kinder lernen lesen
Indianer und Chinesen.
Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos
Hallo Kinder jetzt geht’s los!

O sagt am Ostersonntag
jeder Osterhas.
O sagt der Ochse,
der die Ostereier fraß.

U sagt der Uhu, wenn es
dunkel wird im Wald
und wir singen,
dass es schallt.

Alle Kinder lernen lesen
Indianer und Chinesen.
Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos
Hallo Kinder jetzt geht’s los!

Ei sagt sagt der Eisbär, der
in seiner Höhle haust.

Au sagt das Auto, wenn
es um die Ecke saust.

Eu sagt die Eule
heute sind die Mäuse scheu
und wir singen noch mal neu:

Alle Kinder lernen lesen
Indianer und Chinesen.
Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos
Hallo Kinder jetzt geht’s los!

Das obige Lied kennen die meisten wohl schon seit ihrer Kindheit. Die blaue Markierung hebt dabei den wiederkehrenden Refrain hervor. Dieser entspricht jedoch keinem der vorgestellten Reimschemata des Kehrreims. Dennoch können wir das Muster als festen Kehrreim bezeichnen, indem wir es schlicht und ergreifend für die Musik erweitern.

Hinweis: Grundsätzlich können wir den Refrain allerdings als periodische Abfolge von Kehrvers und/oder -reim beschreiben. Eine noch genauere Differenzierung ist kaum nötig und dann ist das Schema auch mühelos auf den Refrain anzuwenden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Kehrreim ist die deutsche Entsprechung des Refrains, den wir aus der Musik kennen. Dabei meint er allerdings mehr als das einfache Wiederholen zwischen den Strophen.
  • Der Kehrreim ist eben auch eine Wiederkehr von Endreimen oder Binnenreimen innerhalb einer Strophe, was nicht zwangsläufig auf den Refrain zutreffen muss.
  • Weiterhin ist der Kehrreim typisch für Kinderreime oder auch Kinderverse und Kinderlieder. Durch das periodische Element verfallen wir beim Lesen/Hören sehr häufig in eine Art Singsang.
  • Der Kehrreim kann ein Gedicht sehr stark rhythmisieren und ist durch die ständige Wiederholung sehr einprägsam. Das kann die Aussageintensität verstärken
  • Wichtig ist weiterhin, dass der Kehrreim kein eindeutiges Reimschema ist, da er keinem fortlaufendem Muster folgt und in jedem Werk anders gestaltet sein kann.

Stichwortverzeichnis