Als Koryphäe wird eine Persönlichkeit bezeichnet, die auf einem Fachgebiet herausragend ist oder ein Anführer. Mit dem Begriff können Personen sämtlicher Professionen bezeichnet werden, wobei meist führende Wissenschaftler oder hervorragende Künstler gemeint sind. Im altgriechischen Theater der Antike wurde der Chor- oder Sängerführer als Koryphäe bezeichnet, weshalb der Begriff auch im modernen Theater erhalten blieb und dort den Führer des Ballets oder einen Vortänzer meint.

Der Begriff lässt sich aus dem Griechischen ableiten (κορυφή ~ koryphé) und mit Gipfel oder der an der Spitze Stehende übersetzen. Somit verweist bereits die Übersetzung darauf, worum es prinzipiell geht: nämlich um etwas Herausragendes, das gewissermaßen über den anderen steht, womit entweder eine herausragende Persönlichkeit oder die Führer des Chores und des Ballets gemeint sind. Belegt ist diese Begrifflichkeit beispielsweise bei Cicero, einem römischen Philosphen und Politiker des Altertums:


[…] während meines Aufenthaltes zu Athen hörte ich fleißig den Zeno,
welchen mein Philo den Koryphäen [Zugführer] der Epikureer
zu nennen pflegte […]

Das obige Beispiel ist sinngemäß, also nicht wortwörtlich, Ciceros Werk De natura deorum (Vom Wesen der Götter) entnommen. Cicero erzählt in diesem Abschnitt von seinem Aufenthalt in Athen und dass er, auf den Antrieb des Philos, den Vorträgen des Zeno beiwohnte. Zeno, ebenfalls ein Philosoph, wird hierbei durch Philo, den Lehrer des Ciceros, als Koryphäe bezeichnet.

Zeno ist demnach ein Fachmann in Bezug auf das Philosophische und außerdem eine Leitfigur der Epikureer, also der Anhänger der Lehre des Epikurs. Gemeint ist hierbei übrigens Zenon von Sidon, ein Spätepikureer und Schüler des Apollodoros, den Cicero im Jahr 79 v. Chr. während einer Athenreise hörte.

Koryphäe in Theater und Ballett

Der Begriff spielte außerdem im antiken Theater eine Rolle und wird auch heutzutage noch im Ballett gebraucht. Im antiken Theater wurde damit der Sänger- oder Chorführer bezeichnet, wohingegen das Ballett zumeist einen Vortänzer meint; also jemanden, der vor anderen tanzt.

Der Chor in der altgriechischen Tragödie musste laut sein und übertrieben wirken, so dass jeder Zuschauer das Gesungene mitverfolgen konnte. Hierfür bediente sich der Chor, der zumeist aus 12 bis 15 Sängern bestand, sich verschiedener Stilmittel und Kniffe (bspw: chorisches Sprechen oder Echowellen).

Dieser Chor setzt sich in der Regel aus Bürgern zusammen, die unter der Leitung eines Chorführers, der sogenannten Korypähe. Diese führte die anderen Sänger somit an und gab ihnen vor, was zu tun war.

Im Ballett wird mit dem Begriff in der Regel die erste Solotänzerin bezeichnet. Im Ballett gibt es eine strenge Hierarchie. Unten stehen die Eleven, also die Schüler. Darauf folgen die Tänzerinnen der zweiten und ersten Quadrille, die Koryphäen und die Petits sujets, die Grands sujets sowie die Premiers danseurs / danseuses, wobei ganz oben die Danseurs / Danseuses Etoiles stehen.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zur Koryphäe im Überlick

  • Als Koryphäe wurde ursprünglich ein Anführer bezeichnet. Heutzutage meint der Begriff zumeist eine Persönlichkeit, die auf einem Fachgebiet herausragend ist. Der Begriff kann allerdings für nahezu jede Professione und jedes Künstlertum gebraucht werden.
  • In der Antike bezeichnete das Wort außerdem den Sänger- oder Chorführer, wobei die Koryphäe auch heutzutage im Ballett eine Rolle spielt und eine Solotänzerin beschreibt.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Koryphäe
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001