Ernst Barlach, geboren am 2. Januar 1870 in Wedel; gestorben am 24. Oktober 1938 in Rostock, war ein deutscher Autor, Zeichner und Bildhauer, wobei sich sein Werk dem Expressionismus sowie Realismus zuordnen lässt. Barlachs Werk umfasst Dramen, einzelne Schauspiele und zahlreiche Skulpturen. Bekannt ist er vornehmlich für seine Bronzen sowie Plastiken aus Holz. Eines seiner populärsten Werke ist die bronzene Skulptur Der Schwebende (1927), die der Künstler als Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen kreierte und erstmalig im Güstrower Dom zeigte.

Lebenslauf von Ernst Barlach

  • Am 2. Januar 1870 wird der Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach in Wedel geboren. Er ist der älteste Sohn des Arztes Georg Barlach (1839–1884) und dessen Frau Johanna Louise (geb. Vollert).

  • 1888 – 1895: Er besucht die Kunstgewerbeschule Hamburg und die Kunstakademie in Dresden. Abschluss der Kunstakademie in Dresden.

  • 1895 – 1897: Reise nach Paris und Besuch der Akademie Julien. Er widmet sich insbesondere der schriftstellerischen Arbeit.

  • 1901 – 1905: Er beginnt mit seiner Arbeit an verschiedenen Dramen. Barlach stellt Kleinkeramik her für die Töpferei Mutz in Hamburg. Er arbeitet als Lehrer in der Keramikfachschule in Höhr.

  • 1906 – 1907: Ernst Barlach tritt seine stil-prägende Russlandreise an. Geburt seines Sohnes Nikolaus (Klaus). Er stellt seine Werke erstmalig im Frühjahrssalon der Berliner Secession aus.

  • 1908: Er bekommt das Sorgerecht für seinen Sohn Klaus zugesprochen.

  • 1909: Er bekommt ein Stipendium der Villa Romana in Florenz.

  • 1910: Ernst Barlach lässt sich mit Mutter und Sohn in Güstrow nieder. Er lässt sich am Inselsee ein Atelier einrichten.

  • 1912 – 1926: Ernst Barlachs Dramen Der tote Tag (1912), Der arme Vetter (1918), Die echten Sedemunds (1920), Der Findling (1922), Die Sündflut (1924) und Der blaue Boll (1926) entstehen. 1922 wird in Kiel sein erstes Ehrenmal Schmerzensmutter enthüllt. Er erhält den Kleist-Preis und die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der Bildenden Künste München.

  • 1927: Barlachs Ehrenmal für die Gefallenen, Der Schwebende, entsteht. Die Bildhauerin Marga Böhmer wird 1927 seine Partnerin.

  • 1932 – 1937: Er sieht sich starken Anfeindungen durch die Nationalsozialisten gegenübergestellt. Barlach bekundet seine Gefolgschaft zu Hitler am 19. August 1934. Seine Werken werden in der Ausstellung Entartete Kunst ausgestellt. Seine Denkmäler werden entfernt. Ernst Barlach bekommt Ausstellungsverbot.

  • 1938: Ernst Barlach stirbt am 24. Oktober 1938 in Rostock an einem Herzinfarkt. Er wird kurz darauf in Ratzeburg beigesetzt.

  • Späte Ehrung: Ernst Barlach bekommt posthum (2010) die Ehrenbürgerschaft der Stadt Güstrow zugesprochen.

Biografie von Ernst Barlach

Der deutsche Bildhauer, Schriftsteller und Zeichner Ernst Barlach (geb. 2. Januar 1870 in Wedel; † 24. Oktober 1938 in Rostock; mit vollständigem Namen Ernst Heinrich Barlach) war der älteste Sohn des Arztes Georg (Gottlieb) Barlach (1839–1884) und dessen Frau Johanna Louise (geb. Vollert). Er schuf als Bildhauer und Grafiker sowie als Dramatiker einige der bedeutendsten Werke seiner Zeit.

Bereits in sehr jungen Jahren begann Barlach sich literarisch und gestalterisch zu betätigen. Seine Arbeiten stammen aus den Zeiten des Realismus und des Expressionismus. Der Künstler empfand zahlreiche seiner Figuren den Menschen in seiner Umgebung nach. Holzplastiken und Bronzen gehören zu den Werken, für die er besonders bekannt ist.

Kindheit und Ausbildung

Barlachs künstlerisches Leben durchlief zwei ganz unterschiedliche Perioden. Er erlebte seine Jugend als Sohn eines Arztes in den engen Grenzen einer Kleinstadt. Ernsts Vater praktizierte als Arzt in Schönberg in Mecklenburg (1872) und wechselte im Jahr 1876 für eine neue Anstellung nach Ratzeburg. Die Familie des jungen Barlachs förderte bereits in frühen Jahren seine hohe Begabung für bildnerische Gestaltung und sprachlichen Ausdruck. Zum Haushalt der Familie gehörten auch seine drei jüngeren Brüder.

Von 1888 bis 1891 besuchte er die Kunstgewerbeschule Hamburg, worauf ein Studium an der Kunstakademie in Dresden folgte, die er 1895 erfolgreich abschloss. Er wurde in Dresden als Meisterschüler des bekannten Bildhauers Robert Diez unterrichtet. Barlach beendete seine Ausbildung mit der Abschlussarbeit Die Krautpflückerin (Bild).

Gleich nach seinem Abschluss in Dresden begab sich Ernst Barlach auf den Weg nach Paris, wo er einige Zeit an der Akademie Julien verbrachte. In der Zeit von 1895 bis 1897 widmete er sich besonders dem schriftstellerischen Schaffen.

Reise nach Russland und Geburt seines Sohnes

Im Jahr 1901 begann er in Wedel mit ersten Arbeiten an verschiedenen Dramen. Nebenbei stellte er Kleinkeramik für die Töpferwerkstatt Mutz in Hamburg Altona her. Im Jahr 1905 war er dann für kurze Zeit als Lehrer der Keramikfachschule in Höhr tätig und arbeitet danach als freiberuflicher Künstler weiter.

Ein entscheidendes Erlebnis kam im Jahr 1906 mit einer Russlandreise auf ihn zu. Auf seiner Reise durch das große Land begegneten ihm die facettenreiche russische Landschaft und das bunte russische Bauerntum. Beides prägte später seinen Stil und die Art und Weise, wie er von dort an seine Skulpturen gestaltete. Er hielt die Eindrücke dieser Reise 1906 und 1907 in seinen Werken das Russische Tagebuch und Eine Steppenfahrt fest. Ebenfalls im Jahr 1906 wurde sein Sohn Nikolaus geboren.

Nikolaus Mutter war die Näherin Rosa Schwab, zu der Ernst Barlach eine kurze Beziehung pflegte und die ihm gleichzeitig auch Modell gestanden hatte. Barlach musste sich um das Sorgerecht für seinen Sohn bemühen und bekam erst nach zwei Jahren voller Auseinandersetzungen das Sorgerecht zugesprochen.

Ausstellungen und sein Atelier in Güstrow

Bereits im Jahr 1907 stellte Ernst Barlach seine Werke erstmalig im Frühjahrssalon der Berliner Secession aus. Unter den Werken, die zur Ausstellung kamen, befanden sich die bunten Terrakotten Russische Bettlerin mit Schale (Bild) und Blinder russischer Bettler (Bild), die der Töpfer Richard Mutz ausgeformt hatte.

Ab dem Jahr 1909 empfing Ernst Barlach ein Stipendium der Villa Romana in Florenz. Die Kunst der italienischen Renaissance inspirierte ihn allerdings nur sehr wenig. Daher ließ er sich 1910 in Güstrow nieder. Er lebte in der Kleinstadt gemeinsam mit seiner Mutter Louise (gestorben 1920) und seinem Sohn.

Versuchen nach Berlin umzusiedeln, widerstand Barlach voller Überzeugung. Er ließ sich ein Atelier nach eigenen Bedürfnissen in seinem Wohnhaus am Inselsee einrichten und arbeitet dort an seinen Hauptwerken. Nach der Einberufung zum Landsturm im Jahr 1915 war eines seiner Hauptthemen der Erste Weltkrieg. Barlach blieb seinem bescheidenen Leben der Kleinstadt treu. Er bekannte sich zum niederdeutschen Sprachraum und dessen Landschaft.

In seinen frühen Arbeiten beschäftigte sich der Künstler insbesondere mit dem Lebensraum der Menschen, ihren Lebensbedingungen und ihrer Einstellung zum Dasein. Er nahm jetzt regelmäßig an den Ausstellungen der Berliner Secession teil und stellte seine Werke auch bei Ausstellungen des Sonderbundes sowie beim Kunstsammler Paul Cassirer in Berlin für die Öffentlichkeit aus.

Dramen und Gefolgschaft

Ernst Barlach arbeitet von Güstrow aus an zahlreichen Dramen. Kurz hintereinander fertigte er die Arbeiten Der tote Tag (1912), Der arme Vetter (1918), Die echten Sedemunds (1920), Der Findling (1922), Die Sündflut (1924) und Der blaue Boll (1926) an. Bereits 1922 wurde in Kiel sein erstes Ehrenmal Schmerzensmutter enthüllt.

Es folgten Preise und Ehrungen (etwa der Kleist-Preis 1924) und die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der Bildenden Künste München (1925).
Im Jahr 1927 entstanden sein Ehrenmal für die Gefallenen, Der Schwebende, entsteht und wird im Güstrower Dom ausgestellt.

Die Bildhauerin Marga Böhmer wurde 1927 nach der Trennung von ihrem Mann, dem Kunsthändler Bernhard A. Böhmer, Barlachs Lebensgefährtin. Sie begleitete ihn bis zu seinem Tod und sorgte darüber hinaus für dessen Nachlass. Etwas später, 1928, stellte die Kieler Universitätskirche das Denkmal Der Geistkämpfer auf. Darauf folgte im Jahr 1929 die Enthüllung des Ehrenmals Im Magdeburger Dom und 1931 die Errichtung des Hamburger Ehrenmals.

Ernst Barlach bekundete am 19. August 1934 seine Gefolgschaft zu Hitler, was ihm eine nachhaltig ambivalente Beurteilung und Positionierung bei der Betrachtung seines Gesamtwerkes und seines Lebens einbrachte.

Ausstellungsverbot und Tod in Rostock

Im Jahr 1932 entwarf Barlach eine Pietà (auch Vesperbild genannt), konnte diese aber nicht mehr fertigstellen. Er sah sich der Anfeindung durch die Nationalsozialisten gegenübergestellt. Nach der Machtergreifung Hitlers wurde er als ostisch geächtet (Hinweis: Das Adjektiv „ostisch“ meint einen bestimmten Menschentypus, der vor allem in westeuropäischen Gebirgen vorkommt).

Nach und nach wurden Barlachs Denkmäler entfernt. Etwas später, 1937, kam es zur Verunglimpfung seine Plastiken in der Ausstellung Entartete Kunst. Seine Stücke wurden verboten und er musste aus der Akademie der Künste austreten. Barlachs Werke wurden aus den öffentlichen Ausstellungen entfernt und schließlich bekam er Ausstellungsverbot (1937).

Ernst Barlach zog sich in seinen letzten Lebensjahren mehr und mehr von der Außenwelt zurück. Er starb am 24. Oktober 1938 in der Rostocker St.-Georg-Klinik an einem Herzinfarkt. Kurz darauf wurde er in Ratzeburg beigesetzt. Ernst Barlach wurde posthum (2010) mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Güstrow geehrt.

Werke von Ernst Barlach

  • Literatur
    • Der tote Tag (Drama, 1912)
    • Der arme Vetter (Drama, 1918)
    • Die echten Sedemunds (Drama, 1920)
    • Der Findling (Schauspiel, 1922)
    • Die Sündflut (Drama, 1924)
    • Der blaue Boll (Drama, 1926)
    • Ein selbsterzähltes Leben (1928)
    • Die gute Zeit (mehrere Akte, 1929)
    • Fragmente aus sehr früher Zeit (posthum, 1939)
    • Güstrower Tagebuch im Auszug. 1914–1917 (posthum, 1943)
    • Seespeck (aus dem Nachlass, posthum, 1948)
    • Der gestohlene Mond (aus dem Nachlass, 1948)
    • Der Graf von Ratzeburg (Schauspiel, posthum, 1951)
    • Russisches Tagebuch (geschrieben 1906, veröffentlicht 1958).
  • Bildende Kunst (Auswahl)
    • Der Berserker (1910)
    • Tanzende Alte (1920)
    • Mutter Erde (1920)
    • Der Schwebende (1927)
    • Geistkämpfer (1928)
    • Magdeburger Ehrenmal (1928/1929)
    • Der singende Mann (1928)
    • Trauernde Mutter mit Kind, Relief (1931, Rekonstruktion 1949)
    • Der singende Klosterschüler (1931)
    • Der Fries der Lauschenden (1930–1935)
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Ernst Barlach
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001