Hans Sachs, geboren am 5. November 1494 in Nürnberg und gestorben am 19. Januar 1576 in Nürnberg, war ein deutscher Dichter, Meistersinger, Dramatiker und Schuhmacher. Sein Œuvre umfasst über 6000 einzelne Werke, wobei er vor allem in Knittelversen dichtete, eine Form, die etwa Martin Opitz – ein Dichter des Barocks – strikt ablehnte und den Alexandriner zum Versmaß der deutschen Dichtung erhob. Hans Sachs‘ geriet demnach bereits im 17. Jahrhundert in Vergessenheit und wurde erst von Goethe sowie Richard Wagner „wiederentdeckt“. Im 16. Jahrhundert gehörte Sachs allerdings zu den populärsten Dichtern jener Zeit und galt darüber hinaus als wichtiger Befürworter der Thesen Martin Luthers, weshalb sein Werk einerseits zur literarischen Epoche der Reformation sowie andererseits zur Renaissance gezählt wird.

Lebenslauf von Hans Sachs

  • 1494: Hans Sachs wird am 5. November in Nürnberg geboren. Er ist der Spross des Schneidermeisters Jörg Sachs.

  • 1509 – 1511: Sachs absolviert in Nürnberg die Lateinschule und danach eine Lehre (von 1509 bis 1511) als Schuhmacher.

  • 1511 – 1517: Hans Sachs ist unterwegs auf Gesellenwanderschaft. Er entschließt sich dazu, Meistersinger in seiner Heimatstadt Nürnberg zu werden. Sachs lässt sich in Nürnberg nieder. Sein Werk Das Hofgesin der Venus (ein Fastnachtsspiel von 1517) erscheint.

  • 1519: Der Dichter heiratet am 1. September Kunigunde Creutzer. Der Ehe entspringen sieben Kinder.

  • 1520: Hans Sachs wird Schuhmachermeister und Zunftmitglied der Meistersinger von Nürnberg.

  • 1523 – 1524: Sachs wird als Propagandist für die Reformation tätig. Sein Gedicht Die Wittenbergisch Nachtigall (1523) wird veröffentlicht.

  • 1525 – 1955: Hans Sachs ist für die Reformbewegung tätig. Ihm wird Schreib- und Veröffentlichungsverbot erteilt. Nach dem Bekennen Nürnbergs zur protestantischen Lehre Luthers kann Sachs wieder veröffentlichen und schreiben. Es erscheinen unter anderem seine Werke Schlaraffenland (1530), Das Narrenschneiden (1534), Der fahrende Schüler im Paradeis (1550), Die ungleichen Kinder (1553) und St. Peter mit der Geiß (1555). Sachs wird Vorsitzender der Nürnberger Meistersinger.

  • 1558: Der Dichter beginnt mit der Herausgabe der Nürnberger Folioausgabe seiner Werke, wodurch sich seine Fastnachtsspiele, Schwänke, Dramen, Gedichte und Prosadialoge schneller verbreiteten.

  • 1560 -1561: Seine erste Frau Kunigunde stirbt. Er heiratet Barbara Harscher (1961). Hans Sachs‘ Werk Tragedia mit 23 Personen von der strengen Lieb Herr Tristrant mit der schönen Königin Isalden (1561) erscheint.

  • 1568: Sein Werk Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden wird veröffentlicht.

  • 1576: Hans Sachs stirbt am 19. Januar 1576 in seiner Heimatstadt Nürnberg. Er wird auf dem Nürnberger Johannisfriedhof beigesetzt.

Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Biografie von Heiner Müller

Hans Sachs (geboren am 5. November 1494 in Nürnberg; † 19. Januar 1576 in Nürnberg) war ein Nürnberger Autor, Spruchdichter, Meistersinger sowie Dramatiker. Zugleich war Hans Sachs aber auch Handwerker, da er als Schuhmachermeister einen soliden Beruf erlernt hatte.

Sein Gesamtwerk zählt über 6000 Stücke unterschiedlicher Natur, davon mehr als 4000 Meistergesänge. Der Dichter verfasste Prosa, Komödien, Fastnachtsspiele, Dramen und Lieder. Zeitweilig musste er sich allerdings auf den erlernten Schuhmacherberuf beschränken, weil der Nürnberger Rat ihm Schreib- sowie Veröffentlichungsverbot erteilte. Sein Werk entstand unter dem ständigen Druck der Zensur seiner Tage.

Familie und Ausbildung

Der Dichter Hans Sachs war der Spross des Schneidermeisters Jörg Sachs. Er absolvierte in Nürnberg eine Lateinschule und nach dieser Ausbildung eine Lehre (von 1509 bis 1511) als Schuhmacher. Zu Zeiten seiner schulischen und handwerklichen Ausbildung wütete in Nürnberg die Pest.

Das Leben des Dichters war niemals spaßig oder auch leicht. Trotz seiner späteren Bekanntheit als Meistersinger durchlebte er harte Entbehrungen und zahlreiche bedrückende Zwänge seiner Zeit. Im Anschluss an seine Lehre begab er sich auf Wanderschaft (1511-1516), wie es in der damaligen Zeit für einen Handwerksgesellen üblich war.

Bereits in den Jahren seiner Wanderschaft entschloss er sich dazu, ein Meistersinger zu werden und ein entsprechendes Studium dafür zu durchlaufen. Er nahm Unterricht bei Meister Lienhard Nunnenbeck, einem Leineweber, der für ihn zum Mentor auf dem Weg zum Meistergesang wurde. Nach Beendigung seiner Wanderjahre (1516) ließ sich Sachs in Nürnberg nieder und gründete eine Familie.

Er heiratete am 1. September 1519 Kunigunde Creutzer (geboren 1502), die ihm sieben Kinder schenkte. Hans Sachs überlebte alle seine Kinder. Im Jahr 1520 wurde er Schuhmachermeister und Zunftmitglied der Meistersinger von Nürnberg. Etwas später, um 1555 herum, wurde Sachs auch Vorsitzender der Meistersinger seiner Heimatstadt. Hans Sachs erste Frau Kunigunde starb 1560. Danach heiratete er am 2. September 1561 die Witwe Barbara Harscher.

Der bekannte Dichter des 16. Jahrhunderts

Sehr früh galt das Interesse von Hans Sachs auch der Reformation. Er verbreitete engagiert die Lehren Martin Luthers. Seit 1523 war Sachs ununterbrochen als Propagandist für die Reformation tätig. Sein Engagement für die Sache kam in Gedichten wie Die Wittenbergisch Nachtigall (1523) zum Ausdruck.

Darin verfasste er eine volkstümliche Darstellung der Lehren Marin Luthers und bekam dafür erste Anerkennungen. Mit zahlreichen Knittelversen wurde er in der Folge bekannt. Mehr als 6000 Werke produzierte der Autor nach 1523 und wurde zu einem der bedeutendsten Dichter des 16. Jahrhunderts.

Das Werk von Hans Sachs war zwiegespalten. Er schrieb neben seinen ernsten Werken zahlreiche heitere Texte, die erst im 18. Jahrhundert von Lessing als sehr bedeutsam erkannt wurden. Seine Prosawerke – immerhin sechs an der Zahl – entstanden alle in der Zeit, als die politischen Auseinandersetzungen des Reformationszeitalters ihren Höhepunkt erreichten (1524 bis 1554).

Er behandelte darin vorwiegend reformatorische Grundfragen. Seine enorme Bekanntheit jedoch verdankte Hans Sachs vor allem seiner Tätigkeit als Meistersinger. Seine Werke wurden zu seinen Lebzeiten bereits beachtet und gespielt. Im Jahr 1558 begann der Dichter mit der Herausgabe der Nürnberger Folioausgabe seiner Werke. Die Drucklegung seiner Werke sorgte dabei für eine große Verbreitung seines Schaffens und weitreichender Bekanntheit.

Der Anhänger der Reformationsbewegung

Neben dem Verfassen seiner Werke machte sich Hans Sachs zusätzlich einen Namen durch sein sehr intensives Engagement für die Reformationsbewegung. Er stellte zeitkritische Flugschriften sowie einige Reformationsdialoge zusammen und verkündete damit offen seine Einstellung und Überzeugung.

Besonders in den Jahren von 1523 bis 1526 war er als Verfasser unterschiedlicher Arbeiten für die Reformation tätig. Sein Reformationslied Wach auf wurde im Originaltext von Wagner in den Meistersingern von Nürnberg vertont.

Da er offenkundig sein Engagement für Luther und die Reformation lebte, erhielt Hans Sachs von der Obrigkeit Schreibverbot. Es blieb ihm damals keine andere Wahl, als seinen Lehrberuf des Schuhmachers auszuüben, um für sich und seine Familie den Unterhalt zu verdienen. Die Reformationsbewegung war jedoch so stark, dass Nürnberg bereits 1529 ganzheitlich in den Status einer protestantischen Stadt übertrat und das Verbot und die Beschränkungen zur Veröffentlichung seiner Werke aufgehoben wurde. Hans Sachs stieg unter seinen Zeitgenossen damals zum wahren Helden empor.

Der Meistersinger Hans Sachs

Hans Sachs gilt als talentiertester und berühmtester aller Meistersinger. Unter seinen Kollegen war er der Einzige mit anhaltender und nachhaltiger Berühmtheit. Sein Name wurde weithin bekannt. Das Konzept und die handwerkliche Erstellung, die den Werken der Meistersinger zugrunde lag, ließ Dichtung entstehen, die sich für spätere Generationen als weniger interessant herausstellte.

Die Bedeutung der Meistersingerbewegung in der Geschichte beruht auf der Tatsache, dass sie ausschließlich dazu diente, den Bürgern die Dichtung als vergnügliche Kunst nahezubringen und sie ermutigte, diese als solche auch zu betreiben. Hans Sachs gilt darüber hinaus als Meister der Fastnachtsspiele – er war ein unerreichter Meister dieser Literaturgattung. Seine Werke werden auch heute noch aufgeführt.

Wiederentdeckung des Dichters

Bereits im 17. Jahrhundert geriet Hans Sachs weitestgehend in Vergessenheit. Erst durch Schriftsteller wie Goethe und Lortzing sowie maßgeblich durch den Komponisten Richard Wagner, kam seine Wiederentdeckung zustande. Wagner machte Hans Sachs in seiner Oper Die Meistersinger von Nürnberg zu einer der Hauptfiguren, was durchaus als Hommage an den Dichter zu werten ist.

Hans Sachs‘ enorme Produktivität war äußerst bemerkenswert. So schaffte er es, trotz der zeitweiligen bedrückenden und schwierigen Lebensumstände und neben seiner Tätigkeit als Schuhmacher, ein einzigartiges und bedeutendes Lebenswerk zu erschaffen.

Der Meister des Spruchgedichts

Hans Sachs beherrschte neben dem Meistergesang noch drei weitere literarische Gattungen. Das Spruchgedicht, das Spiel und der Prosadialog lagen ihm ähnlich gut wie seine Arbeit als Meistersinger. Die verarbeiteten Stoffe, denen er sich dabei widmete, waren unterschiedlicher Natur. Viele seiner Lieder enthalten geistliche als auch weltliche Aussagen. Seine einzigartigen Spruchgedichte bestehen aus überwiegend geistlichen, aber auch aus historischen, politischen und schwankhaften Szenen.

Hans Sachs‘ Komödien und Tragödien greifen zumeist auf biblische, klassische sowie mittelalterliche Themen zurück. Der Dichter passte diese an die kleinbürgerliche Gedankenwelt an und erfüllte sie mit heiteren und lehrhaft-satirischen Charakteren. Seine im Jahr 1568 geschaffene Eygentliche Beschreibung aller Stände auff Erden markierte einen frühen Höhepunkt der sogenannten Ständeliteratur. Sein Werk gilt vor allem als eindrucksvoller Beleg der reichsstädtischen bürgerlichen Kultur des 16. Jahrhunderts.

Zu den wichtigsten und bekanntesten Werken des Dichters zählen unter anderem Das Hofgesin der Venus (ein Fastnachtsspiel von 1517), Schlaraffenland (ein Schwank aus dem Jahr 1530), Das Narrenschneiden (ein Fastnachtsspiel aus dem Jahr 1534), Der fahrende Schüler im Paradeis (ein Fastnachtsspiel des Jahres 1550), Die ungleichen Kinder (Drama von 1553) und St. Peter mit der Geiß (Schwank aus dem Jahr 1555).

Tod in Nürnberg

Hans Sachs starb am 19. Januar 1576 in seiner Heimatstadt Nürnberg. Er wurde auf dem Nürnberger Johannisfriedhof beigesetzt. Seine bedeutenden Meistersinger-Bände gehörten einst der Zwickauer Ratsschulbibliothek.

Heutzutage findet man den größten Teil seines Nachlasses an Meistergesängen und typischen Spruchgedichten im Stadtarchiv von Zwickau. Weltweit existieren insgesamt noch einundzwanzig Bände seiner Meisterlieder. In Zwickau befinden sich davon vierzehn Bände sowie zwei Quart- und sechs Foliobände Meistergesänge, sechs Foliobände Spruchgedichte und das Sachs’ Werkverzeichnis.

Werke von Hans Sachs (Auswahl)

  • Werke von Hans Sachs in chronologischer Reihenfolge

    • Das Hofgesin der Venus (Fastnachtsspiel, 1517)
    • Die Wittenbergisch Nachtigall (Gedicht, 1523)
    • Dialoge (1524)
    • Schlaraffenland (Schwank, 1530)
    • Das Narrenschneiden (Fastnachtsspiel, 1534)
    • Der schwangere Bauer (Fastnachtsspiele, 1544)
    • Der Teufel mit dem alten Weib (Fastnachtsspiel, 1545)
    • Von dem sterbenden reichen Menschen, Hekastus genannt (1549)
    • Der fahrende Schüler im Paradeis (Fastnachtsspiel, 1550)
    • Das Kälberbrüten (Fastnachtsspiel, 1551)
    • Die ungleichen Kinder (Drama, 1553)
    • Der Krämerskorb (Fastnachtsspiel, 1554)
    • St. Peter mit der Geiß (Schwank, 1555)
    • Tragedia mit 23 Personen von der strengen Lieb Herr Tristrant mit der schönen Königin Isalden (1561)
    • Eygentliche Beschreibung Aller Stände auff Erden
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Hans Sachs
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001