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Hermann Löns

Hermann Löns, geboren am 29. August 1866 in Culm bei Bromberg in Westpreußen; gestorben am 26. September 1914 bei Loivre in der Nähe von Reims (Frankreich), war ein deutscher Schriftsteller und Journalist, aber auch Jäger. Zu seinem literarischen Werk zählen Gedichte, aber auch allerhand Arbeiten in Prosa. Löns Schriften kreisen häufig um die eigene Heimat, setzen sich darüber hinaus aber auch mit historischen Ereignissen auseinander, wobei ein weiterer Schwerpunkt des Autors auf Jagd- und Tiergeschichten lag, wobei seine Prosa oftmals von Eindrücken aus der Natur geprägt ist. Löns gilt darüber hinaus als ein Wegbereiter des Umwelt- und Naturschutzes.

Lebenslauf von Hermann Löns

  • 1866: Hermann Löns wird am 29. August in Culm bei Bromberg geboren. Er war ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

  • 1867 – 1883 Hermann Löns zieht mit seiner Familie nach Deutsch Krone, eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern, um. Er besucht die Schule in Deutsch Krone am Rande der Tucheler Heide.

  • 1884 – 1888: Löns zieht mit seiner Familie nach Münster in Westfalen um. Er absolviert das Abitur. Löns beginnt sein Studium an der Universität von Greifswald. 1888 wechselt er an die Universität von Göttingen.

  • 1889: Hermann Löns bricht sein Studium ab und kehrt nach Münster zurück. Er bricht mit seinem Vater und seiner Familie. Starke Drogenprobleme (Alkohol) zeichnen sich ab.

  • 1893 – 1900: Löns erreicht einen Wendepunkt in seinem Leben und wird erfolgreicher Journalist in Hannover. Er arbeitet für den Hannoverschen Anzeiger. Er beginnt mit dem Schreiben von Gedichten.

  • 1902 – 1906: Hermann Löns arbeitet als Journalist für mehrere Tageszeitungen. Er schreibt als Buchautor und Dichter. Er zieht nach Bückeburg um und arbeitet dort als Chefredakteur der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung.

  • 1909 – 1912: Sein Werk Der letzte Hansbur erscheint. Löns kehrt nach Hannover zurück und arbeitet fortan als freier Schriftsteller. Seine Romane Der Wehrwolf und Dahinten in der Heide werden veröffentlicht. Er erleidet einen Nervenzusammenbruch wegen Überarbeitung und Alkoholkonsums. Sein Roman Das zweite Gesicht erscheint.

  • 1914: Löns meldete sich freiwillig zum Militärdienst an der Front des Ersten Weltkriegs. Er führt ein Kriegstagebuch, das später, 1986, in einem amerikanischen Archiv auftaucht. Hermann Löns stirbt am 26. September 1914 an der Front bei Loivre in Frankreich.

Biografie von Hermann Löns

Hermann Löns (geb. 29. August 1866 in Culm bei Bromberg in Westpreußen; † 26. September 1914 bei Loivre in der Nähe von Reims, Frankreich) war ein deutscher Schriftsteller und gleichzeitig bekannter Journalist, der noch zu seinen Lebzeiten zum Mythos wurde.

Er wurde in seinen späteren Lebensjahren und in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg durch seine Romane und seine Naturschilderungen sowie durch volksliedhafte Lyrik sehr populär. Löns gilt als bedeutendster Heimatschriftsteller der Stadt Hannover sowie der niedersächsischen Heide.

Familie und Ausbildung

Hermann Löns wuchs in einem Lehrerhaushalt in Westpreußen und Pommern auf. Seine Eltern waren der Gymnasiallehrer Friedrich Löns und Clara Löns, geb. Cramer. Zum Haushalt der Familie gehörten auch die neun Geschwister des späteren Schriftstellers. Löns Interesses galt bereits in sehr jungen Jahren der Natur und Naturwissenschaft. Diese Leidenschaften beschäftigten ihn fast sein ganzes Leben.

Im Alter von einem Jahr kam Löns nach Deutsch Krone, einer Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Sein Vater bekam dort eine neue Anstellung als Lehrer. Der Ort befindet sich am südlichen Ausläufer des ausgedehnten Wald- und Heidegebietes Tucheler Heide. Dort ging Löns auch zur Schule.

Im Jahr 1887 legte er das Abitur ab, nachdem die Familie bereits 1884 nach Münster in Westfalen umgezogen war. Nach Beendigung seiner Schulausbildung studierte Hermann Löns – auf den Wunsch seines Vaters hörend – zunächst Medizin. Dazu schrieb er sich an der Universität von Greifswald ein. Dort besuchte er die schlagende Studentenverbindung Turnerschaft Cimbria.

Im Jahr 1888 wechselte er dann zur Universität von Göttingen, da er die finanziellen Mittel für die Studiengebühren in Greifswald nicht aufbringen konnte. Er suchte in Göttingen erneut den Kontakt zu einer Studentenverbindung und war Mitglied der Landsmannschaft Verdensia. Sein erfolgloses Studium brach er auf Wunsch seines Vaters 1889 ab und kehrte nach Münster zurück.

Arbeit als Zeitungsschreiber in Hannover

Da er vorzeitig sein Studium aufgeben musste, war er gezwungen, sich in Münster mit Gelegenheitsarbeit durchzuschlagen. Seine existenziellen Probleme und Nöte führten wahrscheinlich auch zum weiteren exzessiven Konsum von Alkohol. Letztendlich führte dieser Umstand auch zum Bruch mit seinem Vater und dem Rest der Familie. Durch seine Trunksucht verlor er seine Tätigkeiten als Journalist in Kaiserslautern und Gera. Seine Alkoholsucht und depressive Episoden machten ihm sein Leben lang zu schaffen.

Im Jahr 1893 erreichte Löns dann einen Wendepunkt in seinem Leben. Er wurde Journalist in Hannover, wo er fortan eine beachtliche Karriere vorantrieb. Auch heute noch ist Löns in und um Hannover eine bekannte Persönlichkeit. In Hannover arbeitete er zunächst beim neu gegründeten Hannoverschen Anzeiger.

Die Zeitung wurde vom Verleger August Madsack herausgegeben und entwickelte sich dann später zur Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Löns machte in dieser Zeit große Fortschritte als begabter Journalist und arbeitete sich schnell vom freien Mitarbeiter zum Chefredakteur nach oben. Gleichzeitig konzentrierte sich Löns auf seine Arbeit als Schriftsteller, die ihm sehr viel bedeutete.

Seine Arbeit als Zeitungsschreiber machte ihn im Raum Hannover bekannt. Löns satirische Lokalplauderei, der er unter dem Pseudonym Fritz von der Leine verfasste, kam bei der Leserschaft sehr gut an. In den Jahren 1902 und 1904 war er bei zwei weiteren Tageszeitungen angestellt und wurde nicht nur als Journalist bekannt, sondern auch als Buchautor, Dichter sowie als Naturliebhaber und Heidedichter.

Im Jahr 1901 erschien bereits seine erste Prosa-Veröffentlichung Mein grünes Buch. Er hatte zuvor, um 1900 herum, damit begonnen, Gedichte zu schreiben. Viele seiner Gedichte wurden vertont (unter anderem von Fritz Jöde, später dann von Knut Kiesewetter und Fiede Kay).

Bückeburg und Nervenzusammenbruch in Hannover

Der eigentliche Ruhm des Schriftstellers beruhte trotz des journalistischen Talents auf seinen Romanen, die ab 1909 erschienen. Drei Jahre vor der Veröffentlichung seines ersten Romans arbeitet er noch in Bückeburg als Chefredakteur der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung. Er wollte in Bückeburg dem hektischen Treiben Hannovers entfliehen, was sich allerdings als Fehler herausstellte.

Die auf das formelle Leben des Fürstentums Schaumburg-Lippe abgestimmten Vorgaben für seine journalistische Arbeit machten ihm zu schaffen. Viele Einschränkungen, die er einzuhalten hatte, führten zu Meinungsverschiedenheiten, was ihn dazu veranlasste, Bückeburg wieder zu verlassen. Trotz der Unstimmigkeiten entstanden während seiner Zeit in Bückeburg einige von Löns bedeutende Romane. Bereits 1909 erschien sein Werk Der letzte Hansbur.

Zurück in Hannover, 1909, arbeitete Löns nun als freier Schriftsteller weiter. Er verfasste in den 1910er Jahren mehrere Kurzgeschichten und Erzählungen. Seine Romane Der Wehrwolf und Dahinten in der Heide erschienen 1910. Einige seiner bedeutendsten Werke schrieb der Schriftsteller in sehr kurzer Zeit.

Er verfiel dazu in eine regelrechte Schreibbesessenheit und schloss sich Tage und Nächte lang in seinem Zimmer ein. Seine anhaltende Alkoholsucht und die Anstrengungen des pausenlosen Schreibens führten in dieser Zeit zu einem nicht unerheblichen Nervenzusammenbruch und zu einem Aufenthalt in einem Sanatorium. Im Jahr 1912 veröffentlichte Löns mit Das zweite Gesicht noch einen weiteren Roman.

Der Erste Weltkrieg und Tod in Frankreich

Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Hermann Löns zum Militärdienst. Er hatte zuvor keine militärische Ausbildung absolviert und war gesundheitlich auch kaum tauglich für den Einsatz an der Front. Außerdem hatte er sein 48zigstes Lebensjahr bereits erreicht.

Er kam schließlich durch Beziehungen als Infanterist zum Füsilier-Regiment General-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen. Den Dienst als Kriegsberichterstatter lehnte der leidenschaftliche Jäger Hermann Löns entschieden ab. Es zog ihn direkt an die Front und nicht an die rückwertigen Linien, die bedingt Schutz vor Verwundungen und dem Tod versprachen.

Löns schilderte in einem Kriegstagebuch, das erst 1986 in einem amerikanischen Archiv gefunden wurde, die unvorstellbare Gewalt und die unmenschliche Grausamkeit des Krieges. Seine Schilderungen kombinierte er mit authentischen Naturbeobachtungen, die er vom Schützengraben aus machte. Löns fand sich kurz nach der verlustreichen Marneschlacht an der Front ein. Er fiel nach nur vier Wochen Kriegsdienst am 26. September 1914 in der Nähe von Loivre. Heute wird vermutet, dass ein Herz- oder Kopfschuss zu seinem Tod führte.

Die sterblichen Überreste des Schriftstellers wurden nie eindeutig identifiziert und nie eindeutig zugeordnet. In den 1930er Jahren sollen seine Gebeine auf einem französischen Acker aufgefunden worden sein. Heute befindet sich Löns Grab unter einem Findling im Tietlinger Wacholderhain bei Walsrode. An dieser Stelle befand sich bereit seit 1929 ein Denkmal des Jägers, Dichters und Naturforschers. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erklärte im Jahr 1962, dass man keine absolute Sicherheit darüber hätte, dass die Gebeine in Hermann Löns Grab bei Walsrode auch tatsächlich die des Dichters seien.

Hermann Löns war in seinem Leben zweimal verheiratet (mit der Kellnerin Elisabeth Erbeck und seiner Kollegin Lisa Hausmann) und lebte von 1912 bis zu einem Tod mit der 24 Jahre jüngeren Ernestine Sassenberg zusammen. Nach seinem Tod entstand der Heimatfilm Rot ist die Liebe (1956), der nach seiner Romanvorlage Das zweite Gesicht verfilmt wurde. Sehr bekannt wurde auch der Kinofilm Grün ist die Heide (1951), der auf Motiven von Hermann Löns beruht.

Werke von Hermann Löns

  • Prosa
    • Mein grünes Buch (Schilderungen, 1901)
    • Mein braunes Buch (Erzählungen, 1907)
    • Der letzte Hansbur (Roman, 1909)
    • Dahinten in der Heide (Roman, 1909)
    • Mümmelmann (Tierbuch, 1909)
    • Der Wehrwolf (Chronik, 1910)
    • Das zweite Gesicht (Liebesgeschichte, 1911)
    • Der zweckmäßige Meyer (1911)
    • Kraut und Lot (1911)
    • Haidbilder (Erzählungen, 1912)
    • Auf der Wildbahn. (Novellen, 1912)
    • Da draußen vor dem Tore (1912)
    • Mein buntes Buch (Naturschilderungen, 1913)
    • Goldhals (Tierbuch, 1914)
    • Widu (Tierbuch, posthum, 1917)
    • Die Häuser von Ohlenhof (Roman, posthum, 1917)
    • Aus Wald und Heide. (Erzählungen, posthum, 1920)
    • Aus Forst und Flur (Tiernovellen)
  • Lyrik
    • Mein goldenes Buch (Gedichte, 1901)
    • Mein blaues Buch (Balladen & Romanzen, 1909)
    • Der kleine Rosengarten (Gedichte, 1911)
    • Junglaub (Lieder & Gedichte, entstanden 1884-1890, posthum erschienen 1919)
    • Erwartung (Gedichte)
    • Das Scheiden (Gedichte)