Karl Valentin, geboren am 4. Juni 1882 in München; gestorben am 9. Februar 1948 in Planegg, einem Vorort von München, war ein deutscher Komiker, Autor, Volkssänger und Filmproduzent. Sein Werk zeichnet sich vor allem durch Humor aus und beeinflusste in der Folge maßgeblich die Arbeiten von Dichtern, Autoren und Künstlern, wie etwa Bertolt Brecht, Loriot oder auch Helge Schneider. Sein Werk steht dem Dadaismus sowie Expressionismus nahe, weist darüber hinaus aber auch Züge des Nonsens auf. Dennoch distanzierte sich Valentin zeitlebens von einer solchen Einordnung und bezeichnete sich selbst als Stückeschreiber, Humorist und Komiker. Charakteristisch sind vor allem der Sprachwitz, der pointierte Umgang mit Worten sowie die hagere und lange Gestalt Karl Valentins, wodurch seine Bühnenwerke mitunter slapstickartige Elemente aufwiesen.

Lebenslauf von Karl Valentin

  • 1882: Karl Valentin wird am 4. Juni in München geboren. Sein bürgerlicher Namen ist Valentin Ludwig Fey.

  • 1888 – 1895: Valentin besucht die Volksschule.

  • 1897 – 1899: Er absolviert eine Schreinerlehre.

  • 1902: Er tritt im Varieté Zeughaus in Nürnberg erstmals als Karl Valentin auf. Valentin besucht die Varieté-Schule in München. Sein Vater stirbt. Karl übernimmt mit seiner Mutter die Firma des Vaters, Falk & Fey.

  • 1906 – 1910: Die Firma Falk & Fey geht Bankrott. Valentin geht mit seinem Orchestrion auf Tournee nach Halle, Leipzig und Berlin. Er kehrt verarmt nach München zurück. Karl Valentin schlägt sich als Sänger in Wirtshäusern und Lokalen für Volkssänger durch. Er löst sich langsam von den Volkssängerkonventionen. Er bekommt ein Engagement im Frankfurter Hof.

  • 1911: Er lernt am Frankfurter Hof seine Bühnenpartnerin Elisabeth Wellano kennen (Liesl Karlstadt). Valentin heiratet Gisela Royes.

  • 1912 – 1915: Er wird Darsteller in Kurzfilmen und richtet sich in München ein Filmstudio ein. Sein Bühnenprogramm Tingeltangel wird aufgeführt. Er wird Direktor des Münchener Kabaretts Wien-München.

  • 1922 – 1929: Karl Valentin arbeitet mit Bertolt Brecht zusammen an der Parodie zu dessen Werk Trommeln in der Nacht. Er gibt Gastauftritte in Zürich und in Wien. Valentin tritt mehrfach in Berlin auf. Im Jahr 1929 dreht er mit Der Sonderling seinen letzten Stummfilm.

  • 1930 – 1936: Er betreibt sein eigenes Theater in München. Karl Valentin wirkt in seinem ersten Tonfilm mit (Die verkaufte Braut). Er eröffnet sein Panoptikum und schließt es auch wieder, da der Erfolg ausblieb. Valentin schreibt für das Propagandablatt Münchner Feldpost unpolitische Artikel. Das NS-Regime verbietet 1936 den Film Die Erbschaft.

  • 1939: Valentin arbeitet mit seiner neuen Bühnenpartnerin Annemarie Fischer zusammen.

  • 1940 – 1947: Karl Valentin steht erneut auf der Bühne im Deutschen Theater (wieder mit Liesl Karlstadt). Karl Valentin eröffnet seine Ritterspelunke, eine Mischung aus Kneipe, Panoptikum und Theater. Er schreibt an verschiedenen Dialogen und Gedichten. Seine Familie zieht in den Müncher Vorort Planegg um. Nach langer Pause tritt er erstmals wieder mit Liesl Karlstadt gemeinsam auf (Ende 1947).

  • 1948: Karl Valentin tritt am 31. Januar zum letzten Mal auf. Am 9. Februar stirbt Karl Valentin in München/Planegg den Folgen einer schweren Lungenentzündung.

Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Biografie von Karl Valentin

Karl Valentin (geb. 4. Juni 1882 in München; † 9. Februar 1948 in Planegg bei München), mit bürgerlichem Namen Valentin Ludwig Fey, war ein deutscher Schauspieler, Komiker und Volkssänger, der auch als Autor und Filmproduzent tätig war. Valentin war Ideengeber für zahlreiche bekannte Künstler wie Gerhardt Polt, Helge Schneider, Loriot, Bertolt Brecht und Samuel Beckett.

Seine Hauptwirkungsstätten waren München und Berlin, wo er auch seine größten Erfolge feierte. Gleichwohl gefeiert und anerkannt in beiden großen Städten, entzog sich Valentin jedoch den avantgardistischen Zentren Berlins und Münchens. Seine suggestive Darstellungskunst machte ihn zu einem einmaligen Künstler.

Kindheit, Familie und Ausbildung

Karl Valentin verbrachte seine Kindheit in Au, einer Münchner Vorstadt. Er war ein Einzelkind. Seine drei Geschwister starben bereits kurz nach Valentins Geburt. Er war Sohn eines Möbeltransporteurs und wurde von der ländlichen Umgebung in der er aufwuchs geprägt.

Valentin lebte damals inmitten von streitsüchtigen Kleinbürgern und deren Idealen, ihren Vereinen, der örtlichen Feuerwehr und den Festen der ländlichen Bevölkerung, mit ihren Vorlieben für Laientheater und Klamauk. Das beständig neue Geschichten hervorbringende bunte Treiben der naiven Landidylle, das ihm unentwegt neue Themen lieferte, war sein zu Hause. Karl Valentin verarbeitete dieses Umfeld bis ans Ende seiner Tage in zahlreichen Stücken, Dialogen und humoristischen Texten.

Valentin besuchte zunächst die Volksschule (1888-1895), bezeichnete später seine Schulzeit als Zuchthausstrafe und absolvierte eine Schreinerlehre (von 1897 bis 1899), die es ihm ermöglichte, seine vielfältigen Requisiten und Apparate, die er im Laufe seines Lebens benutzte, selbst herzustellen. Zu dieser Zeit nahm er auch erste öffentliche Auftritte als Vereinshumorist wahr.

Im Jahr 1902 trat er im Varieté Zeughaus in Nürnberg erstmals als Karl Valentin auf. Im selben Jahr verwirklichte er auch seinen frühen Jugendtraum und besuchte die Variete-Schule in München. Seiner beginnenden Karriere als Couplet-Sänger setzte allerdings der Tod seines Vaters ein vorläufiges Ende.

Vom Volkssänger zum Bühnen-Komiker

Valentin übernahm nach dem Tod seines Vaters dessen Firma und stieg mit seiner Mutter in die Leitung der Speditionsfirma Falk & Fey ein. Im Jahr 1906 ging die Spedition Bankrott und Valentin musste mit seiner Mutter in deren Heimatstadt Zittau in Sachsen umziehen. Die Firma wurde verkauft und Valentin steckte das restliche Geld in ein selbst gebautes Orchestrion, mit dem sich 27 Instrumente gleichzeitig spielen ließen. Damit ging er auch auf Tournee nach Halle, Leipzig und Berlin (1907).

Die Tournee wurde zum Misserfolg. Somit kehrte Karl Valentin verarmt 1908 nach München zurück, wo er sich eine Zeit lang als Sänger, in Gastwirtschaften und Volkssängerlokalen, durchschlug. Nach und nach löste er sich von der Volkssängerkonvention und kam so zu seinen ersten größeren Erfolgen und zu seinem Durchbruch. Das gesprochene Wort rückte in den Vordergrund seiner Kunst. Valentin verfasste den Monolog Das Aquarium und erhielt ein Engagement an der Volkssängerbühne im Frankfurter Hof.

Er brillierte dort mit Nonsens-Dialogen und stattete sich dazu mit Maske und Kostüm entsprechend aus. Außerdem entwickelte er damals seine typische groteske Körpersprache und seine sprachgewandte Selbstironie (vgl. Ironie), die er gelegentlich auch gegen sein Publikum richtete. Am Frankfurter Hof lernte er 1911 auch Elisabeth Wellano kennen, die als Liesl Karlstadt seine Bühnenpartnerin wurde und für viele Rollen einsetzbar war. Zur gleichen Zeit (1911) heiratete er Gisela Royes – sie war zuvor Dienstmädchen im Hause Fey – mit der er bereits zwei Töchter (Gisela und Bertha) hatte.

Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht

Ab 1912 begann für Karl Valentin die Zeit als Darsteller in ca. 40 Kurzfilmen. Er hatte sich in München ein Filmstudio eingerichtet und war als Schauspieler und Produzent bis 1929 tätig. In dieser Zeit lief auch sein Bühnenprogramm Tingeltangel. 1915 wurde er Direktor des Münchener Kabaretts Wien-München.

Im Jahr 1922 kam es zur Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, mit dem er dessen Werk Trommeln in der Nacht an den Münchner Kammerspielen parodierte. Beide waren eng befreundet und schätzten sich gegenseitig, was dazu führte, dass Brecht deutlich in seinem späteren Schaffen von Karl Valentin beeinflusst wurde. Valentin wurde zum Hauptdarsteller in Brechts surrealistischen Film Mysterien eines Frisiersalons, den Brecht gemeinsam mit Erich Engel inszenierte.

Die wenigen Auslandsaufenthalte und Auftritte, die Karl Valentin in seinem Leben unternahm bzw. antrat, fanden in den Jahren von 1922 bis 1923 statt (in Zürich und Wien). Er war zeit seines Lebens ein Mensch, der große Angst vor Veränderungen hatte. Sein Alltag geriet des Öfteren zur Bedrohung. Ihn plagte fast lebenslang schweres Asthma und er litt beständig unter Unfallangst und einer Ansteckungsphobie. Er vollzog beispielsweise den Handschlag nur mit zwei Fingern. Von 1924 bis 1938 folgten außerdem verschiedene Gastspiele in Berlin. Im Jahr 1929 drehte Karl Valentin mit Der Sonderling seinen letzten Stummfilm.

Seine Arbeit im Dritten Reich

Anfang der 1930er Jahre versuchte sich Karl Valentin als Betreiber eines eigenen Theaters in München, das er jedoch bereits acht Wochen nach seiner Eröffnung wieder schließen musste. Valentin widersetzte sich den Brandschutzvorkehrungen der Feuerpolizei. In den Jahren von 1932 bis 1933 wirkte er in seinem ersten Tonfilm Die verkaufte Braut mit, einer Verfilmung der Oper von Bedřich Smetana und in der Verfilmung von Orchesterprobe.

Ein weiteres gescheitertes Projekt war sein Panoptikum für Nonsens, das er 1934 eröffnete und in das er die gemeinsamen Ersparnisse von Karlstadt und sich steckte. Seine Partnerin erlitt daraufhin einen Nervenzusammenbruch und musste längere Zeit der Bühne fern bleiben.

Zum Nazi-Regime äußerte sich Karl Valentin nicht konkret. Er stand der Sache skeptisch, aber nicht konsequent feindlich gegenüber. Valentin schrieb daher für das Propagandablatt Münchner Feldpost unpolitische Artikel, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Die NSDAP konnte ihn jedoch auch nicht in ihre Reihe aufnehmen, Valentin versuchte sich eher neutral und ohne deutliche Abneigung dem Regime gegenüber, im Dritten Reich zu bewegen. Er scheute sich auch nicht, die herrschende Macht in seine satirischen Bühnenbilder mit aufzunehmen.

Allerdings verbot das NS-Regime 1936 den Film Die Erbschaft wegen Elendstendenzen, da Valentin und Karlstadt ein Ehepaar spielten, das am Ende nur noch einen einzigen Kerzenstummel besaß.

Kurzzeitig, im Jahr 1939, legte sich Karl Valentin eine neue Bühnenpartnerin zu. Die noch sehr junge Annemarie Fischer wurde seine Geliebte und nahm den Platz von Liesl Karlstadt ein. Ebenfalls in dieser Zeit eröffnete Karl Valentin seine Ritterspelunke (eine Mischung aus Wirtshaus, Panoptikum und Theaterbühne), schloss diese allerdings kurze Zeit später wieder. Im folgenden Jahr stand er dann wieder mit Liesl Karlstadt im Deutschen Theater auf der Bühne (1940).

Die späten Jahre und Tod in München

Nach 1940 hatte Karl Valentin keine großen Auftritte mehr. In den Jahren von 1941 bis 1947 schrieb er vermehrt an Dialogen und Gedichten. Von den Werken aus dieser Zeit wurde allerdings nie eines aufgeführt. Nach Bombenangriffen (1941) zog seine Familie in den Münchner Vorort Planegg. Erst später, im Jahr 1947 und 1948, trat Karl Valentin erstmals wieder gemeinsam mit Liesl Karlstadt auf. Ein erneuter Erfolg stellte sich jedoch nicht mehr ein. Am 31. Januar 1948 trat Karl Valentin zum letzten Mal auf.

Im Jahr 1948 erkrankte Karl Valentin schwer an einer Lungenentzündung. Er war zu dieser Zeit unterernährt und sehr schwach. Am Rosenmontag des Jahres 1948, also am 9. Februar, starb Karl Valentin in München an den Folgen der schweren Erkrankung, die er sich nachts in den unbeheizten Räumen des Theaters in der Münchner Wörtherstraße zuzog. Er wurde am Aschermittwoch (11. Februar 1948) bei München auf dem Friedhof von Planegg bestattet.

Werke von Karl Valentin

  • Spielfilme
    • Der Sonderling (1929)
    • Die verkaufte Braut (1932, Valentins erster Tonfilm)
    • Kirschen in Nachbars Garten (1935)
    • Donner, Blitz und Sonnenschein (1936)
  • Kurzfilme (Valentinaden)
    • Karl Valentins Hochzeit (1912 / 1913)
    • Die lustigen Vagabunden (1912)
    • Der neue Schreibtisch (1913 oder 1914)
    • Die Schönheitskonkurrenz oder: Das Urteil des Paris (1921)
    • Der entflohene Hauptdarsteller (1921)
    • Mysterien eines Frisiersalons (1922)
    • Auf dem Oktoberfest (1923)
    • Der Feuerwehrtrompeter (1929)
    • Im Photoatelier (1932)
    • Orchesterprobe (1933)
    • Der Zithervirtuose (1934)
    • Es knallt (1934)
    • Der verhexte Scheinwerfer (1934)
    • Im Schallplattenladen (1934)
    • Der Theaterbesuch (1934)
    • So ein Theater! (1934)
    • Der Firmling (1934)
    • Musik zu zweien (1936)
    • Die Erbschaft (1936)
    • Strassenmusik (1936)
    • Ein verhängnisvolles Geigensolo (1936)
    • Die karierte Weste (1936)
    • Beim Rechtsanwalt (1936)
    • Kalte Füße/Beim Nervenarzt (1936)
    • Der Bittsteller (1936)
    • Ewig Dein (1937)
    • Selbst Valentin macht mit (Werbefilm für die Deutsche Sparkasse; 1937 / 1938)
    • Nur nicht drängeln (Werbefilm für die Deutsche Sparkasse; 1937 / 1938)
    • München (1938)
    • Der Antennendraht/Im Senderaum (1938)
    • In der Apotheke (1941)
  • Hörspiele (Auswahl)
    • Buchbinder Wanninger
    • Radfahrer und Verkehrsschutzmann
    • Der Trompeter von Säckingen
    • Die Brille
    • Das Aquarium
    • Der Ententraum
    • Der Hutladen
    • Der Schäfflertanz
    • Der verlorene Brillantring
    • Die gestrige Zeitung
    • Der Notenwart
    • Der neue Buchhalter
    • Das Brillantfeuerwerk
    • Semmelnknödeln
    • Der Spritzbrunnenaufdreher
  • Lieder (Auswahl)
    • Die alten Rittersleut
    • Das Lied vom Sonntag
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Karl Valentin
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001