Kurt Tucholsky, geboren am 9. Januar 1890 in Berlin; gestorben am 21. Dezember 1935 in Göteborg, war ein deutscher Autor und Journalist, dessen Werk vor allem in die Zeit der Weimarer Republik fällt. Tucholsky veröffentlichte außerdem unter zahlreichen Pseudonymen, wie etwa Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel, wobei er vereinzelt auch als Paulus Bünzly, Theobald Körner und Old Shatterhand veröffentlichte. Er warnte in zahlreichen Abhandlungen und Artikeln vor dem Erstarken der politischen Rechten, galt als Pazifist, Demokrat und Antimilitarist und Verehrer Heinrich Heines. Darüber hinaus war er zeitweiliger Herausgeber der Weltbühne und Literaturkritiker für diese, wobei insgesamt rund 500 Werke von Tucholsky in der Rubrik Auf dem Nachttisch rezensiert wurden.

Lebenslauf von Kurt Tucholsky

  • 1890 -1899: Kurt Tucholsky wird am 9. Januar 1890 in Berlin geboren. Er ist der älteste Sohn des jüdischen Bankkaufmanns Alex Tucholsky (1855–1905) und dessen Ehefrau Doris Tucholsky (1869–1943). Er wächst zunächst in Stettin auf.

  • 1899 – 1910: Die Familie kehrt nach Berlin zurück. Kurt wird in das Französische Gymnasium Berlin eingeschult. 1903 wechselt er auf das Königliche Wilhelms-Gymnasium, das er bereits 1907 wieder verlässt. Im Jahr 1905 stirbt sein Vater. Veröffentlichung seines ersten Kurztextes Märchen. Er legt 1909 das Externen-Abitur ab. Beginn seines Jurastudiums in Berlin. Ein Semester verbringt er an der Universität in Genf.

  • 1911: Reise nach Prag und Besuch von Max Brod. Engagement im Wahlkampf der SPD.

  • 1912: Seine Erzählung Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte erscheint.

  • 1913 – 1914: Zulassung zur Promotion an der Universität Jena. Er reicht seine Dissertation ein. Er verteidigt seine Dissertation und besteht cum laude. Tucholsky veröffentlicht seinen ersten Artikel bei Siegfried Jacobsohn im Blatt Die Schaubühne. Er legt sich drei Pseudonyme zu.

  • 1915: Tucholsky bekommt seine Promotionsurkunde ausgehändigt. Er wird zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen.

  • 1918: Tucholsky lässt sich protestantisch taufen. Er übernimmt die Chefredaktion der satirischen Berliner Tagesblattbeilage Ulk. Unter seinem Pseudonym Kasper Hauser veröffentlicht er zum ersten Mal in der Weltbühne.

  • 1919: Seine Gedichtsammlung Fromme Gesänge erscheint. Er veröffentlicht seine Artikelserie Militaria in der Weltbühne. Er beteiligt sich an der Gründung des Friedenbundes der Kriegsteilnehmer.

  • 1920 – 1921: Er arbeitet für das Propagandablatt Pieron. Er heiratet Else Weil.

  • 1922: Eine schwere Depression stellt sich ein. Kurt Tucholsky soll in diesem Jahr einen Selbstmordversuch unternommen haben.

  • 1923: Arbeit als Privatsekretär im Bankhaus Bett, Simon & Co. in Berlin.

  • 1924: Kurt Tucholsky folgt erneut Siegfried Jacobsohn und tritt eine Stelle bei der Weltbühne an. Er reist als Korrespondent nach Paris. Scheidung von Else Weil im Februar. Heirat mit Mary Gerold am 30. August.

  • 1926: Er tritt dem Vorstand der Gruppe Revolutionärer Pazifisten von Kurt Hiller bei. Siegfried Jacobsohn stirbt. Tucholsky übernimmt kurzzeitig die Leitung der Weltbühne, gibt diese später wieder ab an Carl von Ossietzky.

  • 1928 – 1929: Tucholsky muss sich in einem Prozess wegen Gotteslästerung verantworten (dem zugrunde lag seine Veröffentlichung Der Gesang der englischen Chorknaben). Er trennt sich von seiner zweiten Ehefrau Mary Tucholsky (Mary Gerold). Er macht gemeinsam mit Lisa Matthias Urlaub in Schweden. Tucholsky mietet eine Villa im schwedischen Hindaås bei Göteborg.

  • 1931: Sein Kurzroman Schloss Gripsholm erscheint im Rowohlt Verlag. Carl von Ossietzky wird zu 18 Monaten Haft wegen Spionage verurteilt. Er leidet an einer chronischen Atemwegs- und Nasenerkrankung. Seine Beziehung zu Lisa Mattias endet.

  • 1932: Seine letzte große Veröffentlichung erscheint in der Weltbühne.

  • 1933: Die Weltbühne wird von den Nazis verboten. Tucholskys Bücher werden verbrannt. Ihm wird seine deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.

  • 1935: Er unterstützt die Nominierung seines Freundes Carl von Ossietzky für den Friedensnobelpreis (den dieser rückwirkend 1936 auch bekommt). Er nimmt am Abend des 20. Dezember eine Überdosis Schlaftabletten und fällt ins Koma.

  • Am 21. Dezember 1935 stirbt Kurt Tucholsky im Sahlgrensche Krankenhaus von Göteborg.

Biografie von Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky (geb. 9. Januar 1890 in Berlin; † 21. Dezember 1935 in Hindaås bei Göteborg) war der älteste Sohn von Alex Tucholsky (1855–1905) und Doris Tucholsky (1869–1943). Er war ein bedeutender deutscher Publizist der Weimarer Republik und Vorkämpfer des Sozialismus.

Seine schriftstellerischen Stärken kamen vielfach in Gedichten und Chansons zum Ausdruck. Als Journalist und Autor verfasste Tucholsky Romane, Satire, Lyrik und Liedtexte sowie Kritiken und Kabarettstücke.

Kindheit und Familie

Kurt Tucholsky verbrachte seine Kindheit weitestgehend in Stettin, wo sein Vater eine Anstellung hatte. Tucholskys Vater war ein jüdischer Bankkaufmann, der seiner Familie einen angenehmen Wohlstand bot. Nach seinem Tod (1905) ermöglichte er Kurts Mutter und seinen Kindern, durch die Hinterlassenschaft einer stattlichen Geldsumme, ein Leben ohne finanzielle Sorgen. Das Elternhaus von Kurt Tucholsky befindet sich in Berlin Moabit in der Lübecker Straße 13. Zum Kreis der Kinder im Haus Tucholsky gehörten neben Kurt auch dessen Geschwister Fritz und Ellen.

Schulzeit und Studium

Kurze Zeit, nachdem Kurt und seine Familie nach Berlin zurückgekehrt waren, wurde er im Französischen Gymnasium Berlin eingeschult. Nur drei Jahre später wechselte er auf das Königliche Wilhelms-Gymnasium. Bereits als Siebzehnjähriger veröffentlichte er seinen ersten literarischen Beitrag mit dem Namen Märchen in der Satire-Zeitschrift Ulk, die in den Jahren von 1872 bis 1933 beim Berliner Verlag Rudolf Mosse erschien. Im selben Jahr verließ er das Königliche Wilhelms-Gymnasium und bereitete sich mit einem Privatlehrer auf das Abitur vor.

Im Jahr 1909 bestand er das Abitur und begann ein Jurastudium in Berlin, das er 1910 an der Universität von Genf fortsetzte. Sein Interesse galt bereits während des Studiums der Literatur. Er reiste daher im September 1911 nach Prag, um dort dem Schriftsteller Max Brod einen Besuch abzustatten. Max Brod war ein Freund Kafkas. Beide Schriftsteller schätzte Tucholsky sehr.

Aufgrund seines Engagements als Journalist verzichtete Kurt Tucholsky gegen Ende seiner Studienzeit auf die Prüfung zum ersten juristischen Staatsexamen. Er wurde allerdings später, im August 1913, an der Universität von Jena zur Promotion zugelassen, die er am 12. Mai 1915 auch bekam. Tucholsky reichte dazu eine Dissertation ein, die den Titel trug: die Vormerkung aus § 1179 BGB und IHRE Wirkungen. Er bestand cum laude.

Erste Erfolge als Schriftsteller

Nachdem Kurt Tucholsky bereits während seiner Studienzeit schriftstellerisch tätig war, veröffentlichte er 1912 mit der Erzählung Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte erstmals ein Werk, das ihn einer breiteren Leserschaft vorstellte. Sein lockerer und frischer Schreibstil begeisterte ein bisher nicht erreichtes Publikum, das angetan war von seiner frechen, amüsanten und leicht anzüglich-erotischen Art der Erzählung. Tucholsky verkaufte sein Buch u.a. am Berliner Kurfürstendamm in einer selbst eröffneten Bücherbar, in der er jedem, der sein Buch kaufte, einen Schnaps ausgab.

Einen etwas längerfristigen Erfolg leitet er dann zu Beginn des 1913 für sich ein. Er veröffentlichte am 9. Januar 1913 einen ersten Artikel in der Theaterzeitschrift Die Schaubühne, welche später zum Wochenblatt Die Weltbühne wurde, die der Publizisten Siegfried Jacobsohn herausgab.

Jacobsohn wurde zu Tucholskys Freund und Mentor, dem er nach eigenen Aussagen alles verdankte, was seine Erfolge und das Erreichte in seinem Leben ausmachten. Tucholsky veröffentlichte beständig zwei bis drei Artikel in jeder Ausgabe der Schaubühne und kurbelte so mit großem Enthusiasmus seine journalistische Karriere weiter an.

Feldzeitungsredakteur im Ersten Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg führte 1914 zunächst zur Unterbrechung Tucholskys Journalistenkarriere. Er kam weniger zum Schreiben und wurde direkt nach seiner Promotion am 10. April 1915 zum Militärdienst eingezogen. Seine erste Station im Kriegsgeschehen war die Ostfront in Polen, wo er den Stellungskampf kennenlernte und als Armierungssoldat diente. Etwas später nutzte er seine Funktion als Kompanieschreiber und brachte die Feldzeitung Der Flieger heraus. Während dieser Zeit lernte er auch seine zweite Frau Mary Gerold kennen.

Im Jahr 1918 führte dann seine Begegnung mit dem Juristen Erich Danehl dazu, dass er nach Rumänien versetzt wurde. Dort ließ Tucholsky sich auch protestantisch taufen. Seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinde hatte er bereits am 1. Juli 1914 arrangiert. Im Herbst 1918 kehrte er dann als Pazifist und Gegner des Militarismus in seine Heimat nach Berlin zurück.

Arbeit für die Weltbühne und viele Pseudonyme

Nach seiner Rückkehr aus dem Kriegsgeschehen (1918) stieg Tucholsky als Chefredakteur beim Satire-Blatt Ulk ein, das zum linksliberalen Berliner Tageblatt gehörte und von Rudolf Mosse herausgegeben wurde. Seine Anstellung dauerte bis zum April 1920 an.

Zur gleichen Zeit arbeitete Tucholsky wieder für die Weltbühne und legte sich dort für seine Veröffentlichungen unterschiedliche Pseudonyme zu. Er war als Journalist und Schreiber in mehreren Rubriken des Blattes gleichzeitig tätig und benutzte daher die Pseudonyme Ignaz Wrobel, Theobald Tiger und Peter Panter. Als Theobald Tiger tauchte er auch im Ulk auf, daher erfand er für die Weltbühne das weitere Pseudonym Kaspar Hauser, unter dem im Dezember 1918 erstmals Gedichte und Artikel erschienen. Zusätzlich tauchte er als Paulus Bünzly, Theobald Körner und Old Shatterhand unter bzw. auf.

Tucholsky verfasste in diesen Jahren politische Leitartikel, Gerichtsreportagen, Glossen, Satiren sowie Gedichte und Buchbesprechungen. Sein Wirken und Engagement war breit gefächert und die vielen Pseudonyme notwendig, um seiner Arbeit und den Ausgaben der Zeitschriften, an denen er mitarbeitete, nicht zu deutlich einen reinen Tucholsky-Stempel aufzudrücken, den diese in Wirklichkeit bereits hatten.

Neben seiner journalistischen Arbeit verfasste Tucholsky auch Lieder und Couplets für das Kabarett. Seine Gedichtsammlung Fromme Gesänge wurde im Oktober 1919 veröffentlicht.

Politisches Engagement und erste Depression

Kurt Tucholsky war unter anderem ein politischer Autor, der bereits zu Beginn des Jahres 1919, in der Weltbühne, mit der Artikelserie Militaria einen Angriff auf die wilhelminische Gesinnung der Offiziere führte. Er sah diese durch den Krieg als zusätzlich verroht und ihre Haltung in der Weimarer Republik als nachhaltig weitergeführt.

Ebenso stellte er sich als entschiedener Gegner von zahlreichen politischen Morden auf, die in den jüngeren Jahren der Weimarer Republik an der Tagesordnung waren. Die Anschläge auf linke und liberale Politiker verurteilte er aufs Schärfste. Unter den Opfern der Anschläge befanden sich damals unter anderem die bekannten Aktivisten und Kämpfer gegen die Republik Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Walther Rathenau, Matthias Erzberger sowie Philipp Scheidemann und Maximilian Harden.

Auch Politiker mit demokratischer Gesinnung kamen damals in das Kritikfeuer von Tucholsky. Ihnen warf er eine zu große Nachsichtigkeit mit ihren Gegnern vor. Dabei ging der Journalist auch über sein Engagement als Redakteur und Publizist hinaus und war direkt politisch aktiv. Er wirkte in diesen Tagen als politischer Aktivist an der Gründung (Oktober 1919) des Friedensbundes der Kriegsteilnehmer mit und war Mitglied in der Partei USPD. Insbesondere die SPD nahm Tucholsky damals aufs Korn und konfrontierte diese mit ihrem Verrat an den eigenen Anhängern im Zug der Novemberrevolution.

Mit steigender Inflation, die sich in der Weimarer Republik aufbaute, stellte Tucholsky seine publizistischen Arbeiten hinter einer Tätigkeit in der Wirtschaft an. Eine schwere Depression erfasste ihn im Herbst des Jahres 1922, die ihn an seiner Arbeit als Journalist und Schriftsteller stark zweifeln ließ. Die Depressionen sollen sogar zum versuchten Selbstmord geführt haben. Tucholsky arbeitete in dieser Zeit für das Berliner Bankhaus Bett, Simon & Co.

Am 15. Februar 1924 schloss er sich dann erneut Siegfried Jacobsohn an und ging etwas später, im Frühjahr 1924, für die Weltbühne und die Vossische Zeitung als Korrespondent nach Paris. Ebenfalls im Februar 1924 ließ sich Tucholsky von seiner ersten Frau Else Weil scheiden, mit der er seit Mai 1920 verheiratet war. Kurz danach (August 1924) heiratete er Mary Gerold.

Im europäischen Ausland unterwegs

Tucholsky war ab 1924 vermehrt im Ausland unterwegs. Seinem Vorbild Heinrich Heine folgend, pendelte er zunächst zwischen Deutschland und Frankreich hin und her. Nach Deutschland kehrte er im Verlauf der Zeit immer seltener zurück, beobachtete jedoch die politische Bühne seines Heimatlandes weiterhin mit Interesse und mit den analytischen Vorteilen der Distanz.

Über die Weltbühne nahm er ständig an den politischen Diskussionen und Debatten teil, die in Deutschland geführt wurden. Gleichzeitig setzte er sich für das gegenseitige Einvernehmen und das Verständnis von Franzosen und Deutschen ein. Da er seit 24. März 1924 auch zum Berliner Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne gehörte, suchte er in Paris ähnliche Logen auf und wurde im Juni 1925 Mitglied der Logen L’Effort und Les Zélés Philanthropes.

Leitung der Weltbühne und weitere Veröffentlichungen

Nach dem Tod von Siegfried Jacobsohn im Dezember 1926 übernahm Kurt Tucholsky kurzerhand die Leitung der Weltbühne. Da er für diese Position jedoch permanent in Berlin vor Ort sein musste und er auch nur wenig Gefallen an den Führungssaufgaben des Blattes hatte, übergab er die Leitung der Zeitschrift an seinen Journalistenkollegen Carl von Ossietzky.

Tucholsky veröffentlichte in den Jahren darauf, von 1927 bis 1928, seine essayistische Reisebeschreibung Ein Pyrenäenbuch sowie zwei Textsammlungen mit den Titeln Mit 5 PS und Das Lächeln der Mona Lisa. Gleichzeitig hatte er das politische Geschehen in Deutschland weiter im Auge und veröffentlichte 1927 und 1928 mehrere Artikel, in denen er die Justiz der Weimarer Republik anprangerte und Bilanz zog aus zehn Jahren Republik. Er kam in diesen Jahren auch kurzzeitig der KPD nahe und veröffentlichte einige Gedichte im Blatt A.I.Z., in denen er den Klassenkampf positiv thematisierte.

Auch während seiner Auslandsaufenthalte verwickelte er sich in Konflikte mit politischen Feinden, die sich von Tucholsky angegriffen fühlten und gegen ihn prozessierten. Stein des Anstoßes war unter anderem das Gedicht Gesang der englischen Chorknaben, in dem er sich gotteslästernd geäußert haben sollte.

Trennung von Mary Tucholsky und Erkenntnisse

Etwa zur gleichen Zeit trennte sich Kurt Tucholsky von seiner zweiten Frau Mary. Er hatte bereits ein Jahr zuvor Lisa Mattias kennengelernt und mit ihr 1929 Schweden besucht. Im Jahr 1931 erschien dann sein Roman Schloss Gripsholm, zu dem er sich in Schweden inspirieren ließ. Darin war nochmals die Leichtigkeit zu vernehmen, die er bereits in seinem Werk Rheinsberg so unterhaltsam und vergnüglich anklingen ließ.

Sein Werk Deutschland, Deutschland über alles ist hingegen ein ungeschönter, fast abrechnender Blick auf alles, was ihm zu dieser Zeit an Deutschland nicht gefiel. Er kombinierte dabei seine Zuneigung zum geliebten Vaterland mit der Kritik an den Zuständen in Deutschland und dem unheilvollen Bevorstehenden, das Tucholsky bereits 1929 aufkeimen sah.

Umso härter traf ihn zu Beginn der 1930er Jahre die Erkenntnis, dass all seine Aufklärungsversuche und sein Engagement für Menschenrechte und Demokratie, nicht wahrgenommen wurden und jegliche Versuche, Warnungen zu platzieren scheiterten. Als politisch nüchterner und analytischer Mensch erkannte Tucholsky die gefährlichen Umstände und die düsteren Zukunftsaussichten, die sich mit Hitler ihren Weg durch sein Vaterland ins Herz von Deutschland gruben.

Umzug nach Schweden und Nationalsozialisten

Das Kommende bereits absehend, zog Tucholsky 1929 nach Schweden um. Er mietete sich eine Villa in Hindaås bei Göteborg und war fortan dort ansässig. In Deutschland wurde unterdessen der Weltbühne-Prozess geführt und Carl von Ossietzky musste sich als Landesverräter verantworten. Er sollte angeblich auch militärische Geheimnisse verraten haben, unter anderem im Artikel Windiges aus der deutschen Luftfahrt, der die Aufrüstungspläne der Luftwaffe innerhalb der Reichswehr aufs Korn nahm.

Ossietzky wurde gegen Ende des Jahres 1931 zu 18 Monaten Haft verurteilt. Des Weiteren klagte man ihn wegen eines Ausspruchs Tucholskys (Soldaten sind Mörder) an. Tucholsky hatte ursprünglich vor, dem Prozess beizuwohnen, sah aber die Bedrohung, die er sich mit einer Reise nach Deutschland aussetzte, und zog es vor, in Schweden zu bleiben.

Resignation

Tucholsky legte seine Tätigkeit als Publizist bereits 1931 weitestgehend nieder. Seine Stimmung schlug nach anfänglichen depressiven Episoden in erneute Resignation um. Dies wurde auch durch seine Trennung von Lisa Matthias, durch ein bedenkliches Atemweg- und Nasenleiden sowie den Tod eines ihm nahe stehenden Weggefährten begünstigt. Er begann ernsthaft, zu resignieren. Sein letzter umfangreicherer Beitrag erschien bereits am 8. 1932, knapp 3 Jahre vor seinem Tod, in der Weltbühne.

Die Nationalsozialisten verboten 1933 die Weltbühne und setzten Tucholsky auf die Liste der Autoren der Bücherverbrennungen. Gleichzeitig wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Ihm fehlte nun jegliche Kraft für weitere größere Werke.

Mit klarem, realistischem Blick stellte er fest, dass sich das deutsche Volk mehrheitlich mit der Diktatur Hitlers abfand und sich anpasste. Seine Verzweiflung zu sehen, wie auch das Ausland die Machtstellung des Nazis anerkannte, war groß und zugleich wusste Tucholsky, dass ein Weltkrieg seine bedrohlichen Schatten vorauswarf.

In seinen Briefen bezeichnete sich Tucholsky selbst als aufgehörten Deutschen und aufgehörten Dichter. So schrieb er dies in seinen letzten Jahren an Freunde wie Walter Hasenclever und an seine Geliebte Hedwig Müller. Er beteiligte sich nicht an der langsam zustande kommenden Exilpresse, war er doch bereits seit 1924 im Ausland.

Trotzdem verfolgte er die Geschehnisse in Deutschland und Europa und versuchte, seinem Freund Carl von Ossietzky beizustehen. Tucholsky unterstützte etwa dessen Nominierung für den Friedensnobelpreis, den Ossietzky 1936, rückwirkend für 1935, erhielt.

Letzter Brief und Tod in Schweden

Eine letzte wichtige Meinung äußerte Kurt Tucholsky kurz vor seinem Tod in einem Brief an den nach Palästina emigrierten Schriftsteller Arnold Zweig. Er machte darin kritisch auf das passive Verhalten der deutschen Juden gegenüber dem Nazi-Regime aufmerksam und verfasste ein Fazit, in dem er sein politisches Engagement für sein Vaterland einer desillusionierten Bilanz unterzog, voller Resignation und Bedauern.

Von Mitte Oktober bis Anfang November 1935 musste sich Tucholsky permanent in ärztliche Behandlung begeben. Er litt an chronischen Magenbeschwerden und konnte nur unter Einnahme starker Barbiturate einschlafen. Am 20. Dezember 1935 fiel er nach der Einnahme einer Überdosis Schlaftabletten in ein Koma und wachte daraus nicht mehr auf.

Kurt Tucholsky verstarb am 21. Dezember 1935 in Hindaås in Schweden. Sein Tod wird auf einen Suizidversuch zurückgeführt, der allerdings 1993 infrage gestellt wurde. Tucholskys Tod könnte auch durch eine versehentliche Überdosierung von Schlaftabletten ausgelöst worden sein.

Kurt Tucholskys Asche wurde im Sommer 1936 nahe Schloss Gripsholm in Mariefred (Schweden) beigesetzt. Seine Grabplatte trägt die Inschrift: Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, ein Vers aus Goethes Faust II. Er selbst hatte bereits 1923 den Grabspruch Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze – Gute Nacht – ! für seine Grabstätte vorgesehen.

Werke von Kurt Tucholsky

  • Rheinsberg: Ein Bilderbuch für Verliebte (1912)
  • Der Zeitsparer (1914)
  • Fromme Gesänge – Von Theobald Tiger mit einer Vorrede von Ignaz Wrobel (1919)
  • Träumereien an preußischen Kaminen. Von Peter Panter (1920)
  • Ein Pyrenäenbuch (1927)
  • Mit 5 PS (1928)
  • Deutschland, Deutschland über alles (1929)
  • Das Lächeln der Mona Lisa (1929)
  • Lerne lachen ohne zu weinen (1931)
  • Schloß Gripsholm (1931)
  • Christoph Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas (Walter Hasenclever, Peter Panter; 1932)
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Kurt Tucholsky
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001