Max Frisch, geboren am 15. Mai 1911 in Zürich, wo er am 4. April 1991 auch verstarb, war ein Schweizer Schriftsteller, Dramatiker, Essayist und Architekt. Sein Werk ist umfangreich, wobei Frisch vor allem durch seine drei großen Romane Homo faber, Stiller und Mein Name sei Gantenbein enorm populär wurde, wobei auch seine dramatischen Werke Biedermann und die Brandstifter sowie Andorra die Bekanntheit des Autor begründen. Nahezu alle der genannten Werke gehören darüber hinaus zum Standardrepertoire des Deutschunterrichts. Als zentrales Motiv bei Frisch kann die Auseinandersetzungen seiner Protagonisten mit sich selbst und ihrem Bestehen in der Postmoderne gelten. Charakteristisch ist auch, dass Frisch autobiographische Erlebnisse gezielt mit Fiktionalem verbindet und so seinen ganz individuellen Stil kreierte. In seinem Spätwerk findet sich außerdem eine kritische Auseinandersetzung mit seinem Heimatland: der Schweiz.

Lebenslauf von Max Frisch

  • 1911: Max Rudolf Frisch, später bekannt als Max Frisch, wird am 15. Mai in Zürich/Schweiz geboren.
    Er ist der zweite Sohn des Architekten Franz Bruno Frisch und dessen Frau Karolina Bettina Frisch (geb. Wildermuth).

  • 1924 – 1930: Max Frisch besucht das Gymnasium. Er verfasst bereits erste Theaterstücke ohne weiteren Erfolg.

  • 1930 – 1934: Frisch schreibt sich an der Universität von Zürich ein. Er besucht auch Vorlesungen zur forensischen Psychologie. Neben seinen Studien betätigt sich Frisch als Schreiber für die NZZ, Neue Zürcher Zeitung, in der im Mai 1931 sein erster Beitrag erscheint. Max Frischs Vater stirbt. Der angehende Schriftsteller verfasst sein Essay Was bin ich? Er verfasst seinen ersten Roman mit dem Titel Jürg Reinhardt. Frisch reist durch Europa und lernt die Jüdin Käte Rubensohn kennen.

  • 1935 – 1938: Max Frisch besucht zum ersten Mal Deutschland. Sein zweiter Roman Antwort aus der Stille erscheint. Er beginnt Architektur zu studieren. Frisch gewinnt den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis.

  • 1939 – 1945: Max Frisch wird zum Militärdienst bei der Schweizer Armee eingezogen. Er veröffentlicht seine Kriegserlebnisse in der Zeitschrift Atlantis unter dem Titel Aus dem Tagebuch eines Soldaten. Er schließt sein Architekturstudium ab und arbeitet bei William Dunkel. Frisch heiratet die Architektin Gertrude Anna Constanze von Meyenburg. Sein eigenes Architektur-Büro wird eröffnet. Max Frisch beginnt mit seiner selbständigen Arbeit als Architekt und gleichzeitig arbeitet er für das Theater. Er verfasst erste Stücke für das Theater (unter Kurt Hirschfeld am Schauspielhaus Zürich). Sein erstes Theaterstück Santa Cruz entsteht.

  • 1946 – 1948: Frisch lernt Bertolt Brecht näher kennen sowie Carl Zuckmayer und Friedrich Dürrenmatt. Sein Stück Die Chinesische Mauer erscheint. Er unternimmt eine Reise nach Warschau.

  • 1950 – 1954: Der Suhrkamp Verlag gibt sein Tagebuch 1946 – 1949 heraus. Frisch reist durch die USA und Mexiko (von April 1951 bis Mai 1952). Unterwegs arbeitet er an seinen Stücken Was macht ihr mit der Liebe und Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie. Sein bekannter Roman Stiller erscheint 1954. Er schließt sein Architekturbüro und arbeitet fortan als freier Schriftsteller.

  • 1955 – 1961: Er beginnt mit seiner Arbeit an Homo faber. Homo faber wird 1957 veröffentlicht. Sein Stück Biedermann und die Brandstifter wird uraufgeführt (vgl. Biedermeier). Er lernt die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann kennen. Die Uraufführung von Andorra findet statt. Frisch zieht nach Rom. Er bekommt den Georg-Büchner-Preis.

  • 1963 – 1969: Max Frischs Stücke Andorra und Biedermann und die Brandstifter werden in den USA aufgeführt. Sein Roman Mein Name sei Gantenbein erscheint. Er lernt Marianne Oellers kennen und zieht mit ihr nach Berzona (Tessin), dann nach Küsnacht. Frisch reist mit Marianne Oellers nach Jerusalem und hält dort die erste deutschsprachige Rede nach dem Zweiten Weltkrieg. Max Frisch heiratet Marianne Oellers. Er reist in die Sowjetunion und lernt die DDR-Schriftsteller Christa und Gerhard Wolf kennen.

  • 1972 – 1979: Er nimmt sich mit seiner Ehefrau Marianne Oellers eine Zweitwohnung in Berlin. Im Jahr 1974 wird ihm der Große Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung verliehen. Frisch begleitet Helmut Schmidt nach China. Seine Erzählung Montauk erscheint. Er hat gesundheitliche Probleme. Frischs Ehe mit Marianne Oellers wird geschieden. Die Max-Frisch-Stiftung wird gegründet.

  • 1980 – 1984: Max Frisch erhält die Ehrendoktorwürde des Bard College und 1982 die der City University of New York. Seine Übersetzung von Der Mensch erscheint im Holozän erhält von der New York Times die Auszeichnung Beste Erzählung des Jahres. Er führt eine Liebesbeziehung mit der Amerikanerin Alice Locke-Carey und lebt in New York und Berzona.

  • 1984 – 1989: Max Frisch kehrt nach Zürich zurück. Er verliebt sich in Karin Pilliod und lebt mit ihr bis zu seinem Tod. Frisch besucht das Moskauer Forum für eine atomwaffenfreie Welt. Im März des Jahres 1989 wird bei ihm Darmkrebs diagnostiziert.

  • 1990 – 1991: Er engagierte sich in seiner Heimat und nimmt an Diskussionen zur Abschaffung der Schweizer Armee teil. Er veröffentlicht dazu den Prosatext Schweiz ohne Armee? Ein Palaver. Max Frisch stirbt am 4. April in Zürich an seiner Darmkrebserkrankung. Seine Beisetzung findet am 9. April in St. Peter statt.

Epochen der Literatur als Zeitstrahl

Biografie von Max Frisch

Max Rudolf Frisch (geb. 15. Mai 1911 in Zürich; † 4. April 1991 in Zürich) war ein Schweizer Journalist, Schriftsteller sowie Architekt. Max Frisch gehörte zu den bekanntesten deutschsprachigen Autoren der Nachkriegsliteratur und Postmoderne (vgl. Literaturepochen).

Seinen Durchbruch hatte Max Frisch in den 1950er und 1960er Jahren. Im deutschsprachigen Raum wurde er vor allem durch seine Theaterstücke Andorra sowie Biedermann und die Brandstifter bekannt. Aber auch seine Romane Homo faber, Stiller oder Mein Name sei Gantenbein sind berühmte Werke deutschsprachiger Literatur und sind ursächlich für die Bekanntheit des Autos.

Familie und Schule

Seine Wurzeln hatte Max Frisch in Zürich wo er als zweiter Sohn des Architekten Franz Bruno Frisch und dessen Frau Karolina Bettina Frisch (geb. Wildermuth) am 15. Mail 1911 geboren wurde. Zur Familie des Schriftstellers gehörten seine Halbschwester Emma Elisabeth (1899-1972) und sein acht Jahre älterer Bruder Franz (1903-1978).

Frisch wuchs in eher einfachen Verhältnissen auf. Er hatte ein gutes Verhältnis zu seiner Mutter, während er zu seinem Vater keinen emotionalen Zugang besaß. Die Eltern schickten ihn von 1924 bis 1930 aufs Gymnasium, wo Frisch bereits begann, Theaterstücke zu verfassen, die jedoch nicht zur Aufführung kamen. Sein Schulfreund Werner Coninx vermittelte ihm erstes Wissen über Literatur und Philosophie.

Studium

Nach Abschluss der Matura studierte Max Frisch zunächst Germanistik an der Universität von Zürich. Dort schrieb er sich zum Wintersemester 1930/1931 ein. Das Studium ermöglichte ihm den Zugang zu bekannten Dozenten, die ihm die ersten Türen zu Verlagen und Zeitungen öffneten. Unter ihnen waren bekannte Namen wie Theophil Spoerri und Robert Faesi.

Der junge Frisch, der sich in den Kopf gesetzt hatte, an der Universität auch die notwendigen schriftstellerischen Handwerkszeuge gelehrt zu bekommen, war von der puren Theorie und dem reinen akademischen Wissen, das ihm das Studium bot, eher enttäuscht. Er vertrieb sich die Zeit zusätzlich mit Vorlesungen zur forensischen Psychologie, um die menschliche Herkunft sowie den Antrieb des Menschen in seiner täglichen Existenz näher kennenzulernen und ergründen zu können.

Bei der Zeitung

Neben seinen Studien betätigte sich Frisch als Schreiber für die Neue Zürcher Zeitung (kurz: NZZ), in der im Mai 1931 sein erster Beitrag erschien. Im Frühjahr 1932 starb sein Vater und Max Frisch begab sich in die Rolle des Ernährers der Familie. Er arbeitete zu dieser Zeit regelmäßig als Journalist, besuchte aber auch weiterhin Vorlesungen an der Universität. Aus seiner Situation des Familienernährers heraus schrieb Frisch 1932 das Essay Was bin ich? Max Frisch verfasste in dieser Zeit etwa 100 Beiträge und Artikel, in denen er überwiegend seine eigenen Erlebnisse verarbeitete.

Frühe Reisen und erster Roman

Im Jahr 1934 verfasste Max Frisch seinen ersten Roman mit dem Titel Jürg Reinhardt. Jürg Reinhardt entstand nach Frischs frühen Reisen, die ihn unter anderem auf den Balkan führten. Er reiste fast 9 Monate lang (von Februar 1933 bis Oktober 1933) durch Europa. Dabei besuchte der Schriftsteller zunächst Prag und danach Rom, Istanbul, Bari, Athen sowie Zagreb, Belgrad, Dubrovnik, Budapest und Sarajevo. Frisch war in der Lage, seinen unpolitischen ersten Roman auch im nationalsozialistischen Deutschland zu veröffentlichen.

Max Frisch reiste 1935 zum ersten Mal ins deutsche Nachbarland und schrieb seine Eindrücke in seinem Tagebuch nieder. Noch kurz zuvor (1934) lernte er die deutsche Jüdin Käte Rubensohn kennen, mit der er über mehrere Jahre hinweg eine Liebesbeziehung pflegte. Der Schriftsteller machte sich in den 1930er Jahren noch kein genaues Bild vom Nationalsozialismus, der in Deutschland sein Netz spannte und unheilvoll dem Zweiten Weltkrieg entgegensteuerte.

Architekturstudium und Militärdienst

Max Frisch begann erst in den 1940er Jahren, als der Zweite Weltkrieg bereits tobte, sein politisches Interesse zu steigern. Ihm wurde kurz nachgesagt, dass er im Einfluss der konservativ eingestellten Mitglieder der Universität von Zürich stand. An der Universität von Zürich sollen sich uunter anderem Professoren im Dozentenstab befunden haben, die das Vorgehen von Hitler und Mussolini positiv beurteilten. Frisch war bis 1939 mit der Jüdin Käte Rubensohn zusammen. Sie lehnte seinen Heiratsantrag ab, woraufhin sich das Paar trennte.

Bereits zwei Jahre zuvor, also 1937, erschien Max Frischs zweiter Roman Antwort aus der Stille, der ihm etwas später derart missfiel, dass er sich dazu entschloss, das Schreiben aufzugeben und sein Architekturstudium weiterzuverfolgen. Frisch hatte 1936 begonnen Architektur zu studieren, nachdem er ein Stipendium von Werner Coninx bekam. Zum Überdenken seiner Entscheidung wurde Frisch jedoch schon 1938 gebracht. In diesem Jahr gewann er außerdem den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, ein Kulturförderungspreis, der ihm 3000 Schweizer Franken einbrachte.

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Max Frisch zum Militärdienst eingezogen und er verbrachte bis 1945 seinen Dienst bei der Schweizer Armee. Hier begann er auch wieder, zu schreiben. Im Jahr 1939 veröffentlichte Frisch seine Kriegserlebnisse in der Zeitschrift Atlantis unter dem Titel Aus dem Tagebuch eines Soldaten. Etwas später (1940) erschienen seine Aufzeichnungen auch als Buch mit dem Titel Blätter aus dem Brotsack. Der Schriftsteller stand bis 1974 dem Soldatenleben und der Position seines Heimatlandes zu Zeiten des Dritten Reichs eher unkritisch gegenüber. Er änderte 1974 seine Meinung in beiden Fällen.

Arbeit als Architekt

Max Frisch wurde zum erfolgreichen Architekten, nachdem er sein Zweit-Studium (von 1936 bis 1941) absolviert hatte. Er nahm eine Stelle in William Dunkels Büro an und bezog gegen Ende desselben Jahres seine erste eigene Wohnung. Am 30. Juli 1942 heiratete er die Architektin Gertrude Anna Constanze von Meyenburg. Das Ehepaar hatte drei Kinder (Ursula, geb. 1943, und Charlotte, geb. 1949 sowie Hans Peter geb. 1944).

Frischs aktive Zeit als Architekt war relativ kurz. Er war in dieser Zeit nur halbtags in seinem Büro, das er 1942 eröffnete, anzutreffen. Nur etwa ein Dutzend Entwürfe brachte er als Architekt zu Papier, von denen unter anderem das Freibad Letzigraben umgesetzt wurde. 1943 gewann Frisch den Architekturwettbewerb der Stadt Zürich, für das heute unter Denkmalschutz stehende Freibad. Auch während seiner Zeit als Architekt verbrachte Frisch viele Stunden mit der Schriftstellerei.

Am Theater und Begegnung mit Bertolt Brecht

Max Frisch interessierte sich bereits während seines Studiums für das Theater und besuchte oft die Aufführungen am Schauspielhaus Zürich. Der damalige Theaterdirektor Kurt Hirschfeld motivierte 1944 den Schriftsteller dazu, für das Theater zu schreiben. Er bot sich als Mentor an und stellte ihm auch bekannte Persönlichkeiten der literarischen Welt vor. Darunter befanden sich beispielsweise Carl Zuckmayer, den Frisch 1946 kennenlernte, und der damals noch junge Friedrich Dürrenmatt.

Auch Bertolt Brecht lernte Frisch 1947 kennen und tauschte sich fortan mit ihm in zahlreichen künstlerischen Fragen aus. Max Frischs verfasste sein erstes Theaterstück Santa Cruz bereits 1944. Es wurde 1946 uraufgeführt und beschäftigte sich mit der Frage, ob individuelles Verlangen, Träume und Sehnsüchte im Alltag des Ehelebens berücksichtigt werden können.

Frisch beschäftigte sich auch in seinem Roman J’adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen mit diesem Thema, indem er seine Hauptfigur, den Maler Jürg Reinhart, eine schwierige Liebesbeziehung durchleben ließ. Auch etwas später tauchte die Thematik der Unvereinbarkeit von bürgerlichem Alltag und künstlerischem Leben wieder in seinen Arbeiten auf und wurde von Frisch unter anderem im Prosatext Bin oder Die Reise nach Peking (1945) manifestiert.

Auch die Jahre des Krieges brachte Frisch in seinen Theaterstücken unter. So ging es da beispielsweise um die persönliche Schuld des Soldaten, der grausame Befehle ausführen musste und kaum eine Wahl hatte, sich zu widersetzen. Nun singen sie wieder von 1945 war eines von Frischs Stücken, die unter dem Trauma des Zweiten Weltkrieges entstanden. Im Jahr 1946 erschien dann Die Chinesische Mauer, das die Bedrohung der damals entwickelten Atombombe im Fokus hatte.

Brechts Einfluss war in einigen praktischen Arbeit Max Frischs erkennbar und in einigen seiner Ansichten über Kunst. Frisch war allerdings zu keiner Zeit Schüler des deutschen Schriftstellerkollegen. Frisch blieb eigenständig in seiner Positionierung und stellte sich eher kritisch zur typischen politischen Kategorisierung, die für ihn immer mit der Abgrenzung zur anders Gesinnten zu tun hatte.

Eine Reise nach Warschau 1948, die Frisch im Anschluss an einen Besuch des internationalen Friedenskongresses in Breslau unternahm, gab der NZZ (Neue Zürcher Zeitung) Anlass, ihn als Anhänger der Kommunisten zu deklarieren. Die NZZ hatte Frisch für sein Theaterstück Nun singen sie wieder bereits ins Lager der Nationalsozialisten stellen wollen und in beiden Fällen die Gegendarstellungen des Schriftstellers nicht veröffentlicht. Daraufhin beendete Max Frisch seine Zusammenarbeit mit der NZZ.

Nachkriegsarbeiten und beginnender Durchbruch

Während der Nachkriegszeit stellte Max Frisch insgesamt 130 Notizhefte zusammen. Dem Verleger Peter Suhrkamp gefiel die Idee des Tagebuchschreibens, die Frisch mit dem Verfassen seiner Notizhefte verfolgte. Er gab 1950 in seinem neu gegründeten Suhrkamp Verlag das Tagebuch 1946-1949 heraus, das Eindrücke von Frischs Reisen enthielt, autobiografische Beschreibungen, Essays zu politischen und literaturpolitischen Themen sowie Skizzen und Konzepte, die bereits damals auf das anstehende schriftstellerische Schaffen Frischs hinwiesen.

Kritiker lobten das Werk, doch der kommerzielle Erfolg ließ noch auf sich warten, bis im Jahr 1958 eine Neuauflage erschien. Frischs Werk Graf Öderland, das der Autor bereits in seinem Tagebuch skizziert hatte, wurde außerdem zu einem Misserfolg.

Im Jahr 1951 erhielt Max Frisch ein Stipendium der Rockefeller Stiftung und begab sich für ein Jahr auf Reisen durch die USA und Mexiko (von April 1951 bis Mai 1952). Während seiner Amerikareise arbeitete der Schriftsteller an den Werken Was macht ihr mit der Liebe und Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie. Sein Theaterstück Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie wurde knapp ein Jahr nach seiner Rückkehr in Berlin und Zürich aufgeführt (1952). Frischs Arbeit Was macht ihr mit der Liebe war bereits eine Vorgänger-Version seines Erfolgsromans Stiller.

Stiller und Homo faber

Stiller erschien 1954. Darin gab Frischs Hauptprotagonist zunächst vor, nicht Stiller zu sein, sondern jemand anders. Später zwingt ihn ein Gerichtsverfahren dazu, seine ursprüngliche Identität wieder anzunehmen und zu seiner Ehefrau zurückzukehren. Der Roman brachte für Max Frisch den endgültigen Durchbruch. Die breite Öffentlichkeit war voller Anerkennung für sein Werk, das sich auf autobiografische Erfahrungen des Autors stützte aber auch auf Erkenntnisse und Einsichten, zu denen Frisch bis zur Mitte seines Lebens gelangt war. Frisch nahm in seinem Roman Stiller auch die Thematik der schwierigen Koexistenz von Familie und Kunst wieder auf.

Max Frisch löste zu dieser Zeit (1954) auch sein Architekturbüro auf und trennte sich von Constanze von Meyenburg. Frisch pflegte während seiner Ehe mehrere Affären und zog aus seinem Verhalten zu diesem Zeitpunkt die Konsequenzen. Gleichzeitig begann für ihn nun die Zeit als freier Schriftsteller (1954) und er zog in den Ort Männedorf um. Häufige Ortswechsel und ein Bedürfnis zur Verwandlung zogen sich durch Frischs gesamtes Leben.

Gegen Ende des Jahres 1955 begann Max Frisch mit seiner Arbeit an einem weiteren großen Roman: Homo faber. In Homo faber erzählt Frisch den Lebensweg eines Ingenieurs, der sich bezogen auf seinen technischen Beruf und seiner Identifikation mit der rationalen naturwissenschaftlichen Welt im Dasein verläuft. Im Roman zerbricht Frischs Protagonist gänzlich am realen Leben. Das Werk wurde zu einem der bekanntesten und meistgelesenen Bücher des Autors und gehört heute zur Standardliteratur vieler Schulen.

Biedermann und die Brandstifter und Andorra

Biedermann und die Brandstifter machte Max Frisch als Dramatiker bekannt. Er erlangte Weltruhm mit dem Stück, das bereits als Hörspielfassung im Bayrischen Rundfunk (1953) ausgestrahlt wurde. Auch zu diesem Werk schrieb Frisch bereits in einem Tagebuch 1946-1949 erste Entwürfe und Ideen nieder.

Genauso wie in seinem nachfolgenden Stück Andorra, dessen Uraufführung 1961 stattfand, machte sich in Biedermann und die Brandstifter die dramaturgische Wirkung seiner Begegnung mit Brecht bemerkbar. Beide Stücke wurden zur Pflichtlektüre für deutsche Schüler.

Die Uraufführung seines Stücks Biedermann und die Brandstifter fand 1958 statt. Es handelte von Biedermann, einem Kleinbürger, der sein Haus für Hausierer öffnete, diesen eine Unterkunft anbot und sich trotz erkennbarer klarer Absichten nicht dagegen wehren konnte, dass die ungewöhnlichen Gäste sein Haus gegen Ende der Geschichte anzündeten. Frisch ging es in seinem Stück um Bewusstsein für selbst herbeigeführte Gefahren, die sich durch besondere Umsicht vermeiden ließen. Sein Schweizer Publikum fasste die Aussage des Stückes allerdings zunächst als Warnung vor dem sich ausbreitenden Kommunismus auf. Max Frisch fühlte sich damals in seiner Heimat missverstanden.

Andorra hingegen beschäftigt sich mit der Meinungsbildung von Menschen, die ihre vorgefassten, immer gleichen Bilder von Mitmenschen anderer Herkunft nicht ablegen. Sie sorgen sogar dafür, dass ihr Verhalten sich prägend für den jeweiligen Betroffenen auswirkt. Im Roman Andorra geschieht ebendas mit dem Protagonisten. Frisch lag dieses Thema ganz besonders am Herzen.

Er schrieb fünf unterschiedliche Fassungen des Stückes, bevor es zur Uraufführung kam. Das Stück war in Deutschland und in den USA ein Erfolg. Die Uraufführung fand 1963 in den USA statt. Frisch musste sich allerdings auch den Vorwurf gefallen lassen, dass er in Andorra die vorurteilshafte Behandlung anderer Menschen als allgemeinen menschlichen Fehler darstellte. Dies wäre nach der Meinung einiger seiner deutschen Kritiker eine Abschwächung der eigenen Schuld, zu Zeiten des Dritten Reiches.

Mein Name sei Gantenbein

Fünf Jahre, von 1960 bis 1965, hatte Max Frisch seinen Lebensmittelpunkt in Rom. Er folgte der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in die italienische Stadt, nachdem sie seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte. Ingeborg Bachmann lernte Frisch bereits 1958 kennen. Es entstand eine intensive Liebesbeziehung, die von seiner Eifersucht geprägt war, denn genauso, wie er seine sexuelle Untreue offen bekundete, forderte Ingeborg Bachmann das gleiche Recht für sich ein.

Die Beziehung der beiden spiegelte sich sowohl in Max Frischs Roman Mein Name sei Gantenbein (1964) wider als auch in Bachmanns Romanveröffentlichung Malina. Im Winter 1962/1963 zerbrach die Beziehung der beiden. Frischs Roman Mein Name sei Gantenbein wirkt wie die Aufarbeitung der ersten Ehe.

Er versuchte darin, die unterschiedlichsten Situationen abzubilden, die den Ausgang seiner Ehe ganz verschieden hätten beeinflussen können. Er variierte die Identitäten seiner Protagonisten und so auch die möglichen Szenarien, die sich hätten ereignen können. Keine Variante entsprach allerdings seinem Idealbild. Bereits in seinem Tagebuch 1946-1949 war er der Meinung, dass das Wesentliche für die Sprache unsagbar bleibe.

Reisen mit Marianne Oellers

Eine neue Liebe hielt 1962 in Frischs Leben Einzug. Er lernte damals die 23 Jahre alte Marianne Oellers kennen. Frisch was zu diesem Zeitpunkt bereits 51 Jahre alt. Gemeinsam bezogen sie 1964 eine Wohnung in Rom und zogen im Herbst 1965 in ein Häuschen in Berzona (Tessin) um. Frisch heiratete die junge Marianne Oellers Ende 1968 und zog mit ihr nach Küsnacht am Zürichsee.

Marianne Oellers begleitete Frisch auf zahlreichen Reisen. Beide besuchten die Uraufführung von Biedermann und die Brandstifter und Andorra 1963 in den USA. 1965 reisten sie gemeinsam nach Jerusalem, wo Frisch die erste deutschsprachige Rede nach dem Zweiten Weltkrieg hielt. Frisch erhielt dort auch den Man’s Freedom Prize.

Im Jahr 1966 folgte eine erste Reise in die Sowjetunion. Nur zwei Jahre später kehrten sie dahin zurück und trafen die DDR-Schriftsteller Christa und Gerhard Wolf (1968). Mit Christa und Gerhard Wolf verband sie fortan eine enge Freundschaft. Im Jahr darauf (1969) reiste das Ehepaar Frisch nach Japan und danach für knapp zwei Jahre in die USA.

Frisch hielt viele Eindrücke dieser Reisen in seinem Tagebuch 1966-1971 fest. Noch bevor er seine zweite Frau Marianne Oellers kennenlernte, erhielt Max Frisch den Charles-Veillon-Preis für Homo faber (1957) und den Georg-Büchner-Preis (1958). Frisch erhielt in seinem Leben zahlreiche Preise und wurde fast jährlich für den Nobelpreis vorgeschlagen, den er jedoch nie bekam.

Berlin, Montauk und Lesereisen in den USA

Im Jahr 1972 nahm sich das Ehepaar Frisch eine Zweitwohnung in Berlin und unterhielt von dort aus zahlreiche Kontakte zu den in Berlin lebenden Intellektuellen. In seinen Jahren in Berlin entwickelte der Schriftsteller eine nach und nach kritischere Haltung zu seinem Heimatland. Sein Werk Wilhelm Tell für die Schule von 1970 und sein Dienstbüchlein von 1974 geben darüber Aufschluss. Ebenfalls im Jahr 1974 wurde ihm der Große Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung verliehen.

Max Frisch hatte zeit seines Lebens kaum Ambitionen für aktive Politik, dennoch interessierte er sich für die Sozialdemokratie. Er war Helmut Schmidt nahe und begleitete diesen 1975 nach China. Zwei Jahre danach hielt er eine Rede auf dem der Parteitag der SPD.

Montauk ist der Titel seiner autobiografischen Erzählung, welche er nach einem Dorf auf Long Island benannte. Die Erzählung erschien 1975 und war ein Einblick in Frischs Liebesleben, in dem sowohl seine Ehen als auch seine Liebschaften erwähnt wurden. Im Frühjahr 1974 hatte er in den USA die 32 Jahre jüngere Amerikanerin Alice Locke-Carey kennengelernt.

Die Affäre zu ihr und seine Erzählung Montauk führten zum Streit mit seiner Ehefrau, von der er sich ab da immer weiter entfernte. Im Jahr 1979 wurde Frischs zweite Ehe geschieden. Bereits 1978 hatte Max Frisch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, woraufhin 1979 die Max-Frisch-Stiftung gegründet wurde, die die Verwaltung seines Nachlasses übernehmen sollte.

Anerkennung in den USA und Erkrankung an Darmkrebs

Max Frisch erhielt 1980 in den USA die Ehrendoktorwürde des Bard College und 1982 die der City University of New York. Er war ein anerkannter und geschätzter Schriftsteller in Nordamerika. Die New York Times zeichnete ebenfalls im Jahr 1980 seine Übersetzung von Der Mensch erscheint im Holozän als beste Erzählung des Jahres aus. Im Jahr 1982 erschien dann seine Erzählung Blaubart. Frisch hatte 1980 in den USA erneut Kontakt zu Alice Locke-Carey, mit der er vier Jahre lang (bis 1984) in New York und gelegentlich in Berzona lebte.

Im Jahr 1984 kehrte der Schriftsteller dann ganz nach Zürich zurück. Seine letzte Liebesbeziehung begann bereits 1983. Bis zu seinem Tod lebte Max Frisch mit Karin Pilliod zusammen, mit der er 1987 das Moskauer Forum für eine atomwaffenfreie Welt besuchte. Im März des Jahres 1989 wurde Darmkrebs bei Max Frisch diagnostiziert. Die Erkrankung war im damaligen Stadium bereits unheilbar.

Tod in der Heimat

Trotz Krankheit engagierte sich Max Frisch weiter in seiner Heimat und nahm an der Diskussion über die Abschaffung der Schweizer Armee teil. Er verfasste dazu den Prosatext Schweiz ohne Armee? Ein Palaver.

Am 4 April 1991 verstarb Max Frisch an den Folgen seiner Darmkrebserkrankung, nachdem er alle Vorkehrungen zu seiner Bestattung getroffen hatte. Er stand kurz vor der Vollendung seines 80. Lebensjahres. Die Feierlichkeiten zu seiner Beisetzung fanden am 9. April 1991 in St. Peter statt.

Die Asche des bekannten Schriftstellers wurde später bei einem Erinnerungsfest, das seine Freunde ausrichteten, im Tessin in ein Feuer gestreut. Heute erinnert unter anderem eine Gedenktafel an der Friedhofsmauer von Berzona an den berühmten Schriftsteller.

Werke von Max Frisch

  • Erzählungen / Romane
    • Jürg Reinhart. Eine sommerliche Schicksalsfahrt (Roman, 1934)
    • Antwort aus der Stille (Erzählung, 1937)
    • J’adore ce qui me brûle oder Die Schwierigen (Roman, 1944)
    • Neufassung: Die Schwierigen oder J’adore ce qui me brûle (1957)
    • Bin oder Die Reise nach Peking (1945)
    • Neuausgabe: Bin oder Die Reise nach Peking (1952)
    • Stiller (Roman, 1954)
    • Homo faber. Ein Bericht. (1957)
    • Mein Name sei Gantenbein (Roman, 1964)
    • Montauk. Eine Erzählung. (1975)
    • Der Mensch erscheint im Holozän. Eine Erzählung. (1979)
    • Blaubart. Eine Erzählung (1982)
  • Tagebücher
    • Blätter aus dem Brotsack. Geschrieben im Grenzdienst 1939 (1940)
    • Tagebuch mit Marion (1947)
    • Tagebuch 1946–1949 (1950)
    • Tagebuch 1966–1971 (1972)
  • Essays / sonstige Prosa
    • Achtung: Die Schweiz (Pamphlet, gemeinsam mit Lucius Burckhardt und Markus Kutter, 1955)
    • Öffentlichkeit als Partner (Reden und Essays, 1967)
    • Erinnerungen an Brecht (1968)
    • Wilhelm Tell für die Schule (1971)
    • Dienstbüchlein (1974)
    • Stich-Worte. Ausgesucht von Uwe Johnson. (1975)
    • Wir hoffen. Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1976)
    • Forderungen des Tages. Portraits, Skizzen, Reden 1943–1982 (1983)
    • Schweiz ohne Armee? Ein Palaver (1989)
    • Schweiz als Heimat? Versuche über 50 Jahre (1990)
  • Theaterstücke /Dramatik
    • Santa Cruz. Eine Romanze (1947, Uraufführung am 7. März 1946)
    • Nun singen sie wieder. Versuch eines Requiems (1946, Uraufführung am 29. März 1945)
    • Die Chinesische Mauer. Eine Farce (1947, Uraufführung am 10. Oktober 1946)
    • Als der Krieg zu Ende war. Schauspiel (1949, Uraufführung am 8. Januar 1949)
    • Graf Öderland. Ein Spiel in zehn Bildern (1951, Uraufführung am 10. Februar 1951)
    • Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie. Eine Komödie in fünf Akten (1953, Uraufführung am 5. Mai 1953)
    • Biedermann und die Brandstifter. Ein Lehrstück ohne Lehre. Mit einem Nachspiel (1958, Uraufführung am 29. März 1958)
    • Die große Wut des Philipp Hotz. Ein Sketch (1958, Uraufführung am 29. März 1958)
    • Andorra. Stück in zwölf Bildern (1961, Uraufführung am 2., 3., 4. November 1961)
    • Biografie: Ein Spiel (1967, Uraufführung am 1, 2., 3. Februar 1968)
    • Triptychon. Drei szenische Bilder (1978, Uraufführung am 9. Oktober 1979)
  • Hörspiele / Filmvorlagen
    • Rip van Winkle (Hörspiel, erstmals ausgestrahlt 1953)
    • Herr Biedermann und die Brandstifter (Hörspiel, erstmals ausgestrahlt 1953)
    • Zürich – Transit (Skizze eines Films, 1966)
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Max Frisch
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001