Als Lustspiel wird ein dramatisches Werk bezeichnet. Das Lustspiel ist das deutschsprachige Pendant zur Komödie, ebenso wie das Trauerspiel das Gegenstück zur Tragödie ist. Zumeist wird der Begriff synonym zur Komödie verwendet und ist in dieser Verwendung seit 1536 belegt. Als deutschsprachige Übersetzung der Komödie konnte sich der Begriff aber erst seit Johann Christoph Gottscheds theoretischen Abhandlungen zur Dichtkunst im 18. Jahrhundert einhellig durchsetzen. Oftmals wurde in der Folge der Versuch unternommen, diese beiden Formen – Komödie und Lustspiel – eindeutig voneinander abzugrenzen. Das Lustspiel gilt dann als eine typisch deutsche Form der Komödie, die vor allem bürgerliche Figuren sowie eine feine Komik zeigt, wobei realistische Handlungen im Vordergrund stehen. Ein bekanntes Beispiel, das in dieser Tradition steht, ist Minna von Barnhelm des Dichters Gotthold Ephraim Lessing. Formen, welche mit dem Lustspiel verwandt sind, aber gröbere Gattungen des komödiantischen Theaters darstellen, sind Posse und Schwank.

Das Lustspiel meint also immer eine Form der Komödie, unterscheidet sich aber insofern, als dass der Witz der Komödie aus der Komik hervorging, das Lustspiel allerdings vornehmlich auf Humor basiert. Komik meint hierbei das pointierte Spielen mit den Erwartungen oder Wertvorstellungen des Publikums oder das Verändern von bekannten Proportionen zum Zwecke des Witzes (bspw. Klamauk, Verkleidungen etc.), wohingegen der Humor im Lustspiel eher eine distanzierte Haltung zum gezeigten Thema meint, aus der das Geschehen auf der Bühne belächelt wird (bspw. Verstrickungen der Protagonisten).

Viele Komödien sind also deshalb lustig, weil sie Dinge lächerlich machen. Menschen werden übertrieben dargestellt oder begeben sich aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten in komische Situationen. Oftmals trat in solchen Komödien eine lustige Person auf, dessen Charaktereigenschaften schon im Voraus festgelegt waren und die sich durch ein ungebührliches Verhalten, Dummheit oder auch Gerissenheit auszeichnete. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich aus diesen Anlagen beispielsweise der Clown.

Das Lustspiel ist aber vor allem deshalb lustig, weil der Zuschauer um die Verstrickungen der Protagonisten des Stückes weiß und erheitert von ihrem Übermut und ihrem menschlichen Treiben ist, wobei die Figuren des Lustspiels zumeist individuelle Charaktere sind und eben keine lustigen Figuren, die das Wesen der Komödien zu jener Zeit häufig prägten. Hier war es Gottsched, der eine solche lustige Person ablehnte, woraufhin im Jahre 1737 in einem allegorischen Spiel der Friederike Caroline Neuber in Leipzig die Verbannung des Hanswursts – eine derb-komische Gestalt der deutschsprachigen Stegreifkomödie – von der Bühne erfolgte.

Da das Lustspiel nicht in erster Linie auf Komik fußt, sondern auf einem distanzierten Humor, ist für die meisten Werke zumeist eine Gratwanderung zwischen Spaß und Traurigkeit charakteristisch. Das bedeutet, dass im Lustspiel nicht nur das Komische und das Unterhaltsame eine Rolle spielen, sondern ebenso die Rührung des Publikums. In diesem Zusammenhang spricht man auch von rührenden Komödien, also von Komödien, die den Zuschauer zu Tränen rühren sollen (vgl. Rührstück).

Wichtig: Grundsätzlich ist der Begriff Lustspiel schlicht und ergreifend die deutsche Bezeichnung für das griechische Wort „Komödie“. Die vorgestellten Unterschiede und die nachfolgenden Merkmale sind also nicht in jedem Stück zu finden, sondern nur „ein“ möglicher Ansatz der Unterscheidung beider Formen. Folglich muss geprüft werden, ob die angeführten Merkmale im jeweiligen Werk vorhanden sind.

Merkmale des Lustspiels

  • Lustspiele sind eine Form des Dramas. Das Drama teilt sich grundsätzlich in Tragödie und Komödie. Solche Lustspiele sind eine Unterart der Komödie oder aber, was weitaus häufiger mit dem Begriff gemeint wird, einfach eine synonyme Bezeichnung für ebendiese. Wird das Lustspiel von der Komödie unterschieden, gelten zumeist die nachfoglenden Merkmale.
  • Die lustige Figur verschwindet aus den Werken oder wird viel feiner und differenzierter gezeichnet, verliert das Groteske und wird im Rahmen des bürgerlichen Alltags gezeigt. Das bedeutet, dass das Figurenpersonal des Lustspiels vor allem aus individuellen – also nicht festgelegten – Charakteren besteht.
  • In der Folge treten darüber hinaus die musikalischen sowie körperbetonten Elemente des Theaters, wie sie oftmals in Komödien anzutreffen sind, in den Hintergrund und werden von einer erhöhten Konzentration auf die Dialoge der handelnden Figuren abgelöst. Weiterhin steht zumeist eine realistische Handlung im Vordergrund.
  • Lustspiele erzählen zumeist von bürgerlichen Protagonisten und nicht aus dem Leben von Adligen. Thematisch geht es demnach vor allem um bürgerliche Themen, wie etwa Geld, Heirat (Geldheirat), Liebe, Erbschaft oder wirtschaftliche Probleme. Somit ist die Gattung auch eine Ausdrucksform eines selbstbewussten Bürgertums nach der Französischen Revolution (1789).
  • Als Abgrenzung zur Komödie wird häufig der distanzierte Humor angeführt, der sich von der Komik unterscheidet. Weiterhin steht im Lustspiel nicht das Verspotten (Komödie) oder ein derber Humor (Posse), sondern eher die Heiterkeit im Vordergrund.
  • Aus diesen Anlagen entwickelte sich außerdem das rührende oder auch weinerliche Lustspiel. Dieses war vor allem in der Empfindsamkeit, einer Strömung, die aus der Aufklärung erwuchs, vertreten. Hierbei wurden die komischen Elemente stark vom Empfindsamen verdrängt. Lessing lehnte eine solche Ausprägung vehement ab und führte an, dass ein solches Werk das Wesen der Gattung verfehle, wenn es nur rühren will und nicht das Lachen fördert.

  • Dennoch: Das Lustspiel bleibt stets eine Form der Komödie. Folglich steht auch hier das Komische und Erheiternde im Vordergrund. Ein solches Spiel soll den Zuschauer zum Lachen bringen und endet folglich mit einem Happy End. Wesentlich ist allenfalls, dass der Klamauk, wie er sich häufig im Komödiantischen finden lässt, durch den Humor verdrängt wird.

Beispiele der Gattung

Beispielhafte Lustspiele (Auswahl)
LustspielAndeutung des Inhalts
Minna von Barnhelm
(Gotthold Ephraim Lessing)
Vor dem Hintergrund des Siebenjährigen Krieges beschreibt Minna von Barnhelm das Verhalten des aus dem Krieg zurück gekehrten Majors von Tellheim. Von Tellheim wurde unehrenhaft aus der preußischen Armee entlassen, wodurch sich seine finanzielle Situation sehr verschlechtert hat. Von Tellheim befindet sich in Schwierigkeiten, weil er als preußischer Offizier in den besetzten Ländern anstatt hoher Eroberungstribute von den armen Bauern zu fordern, die Tribute so gering wie möglich gehalten hat. Darüber hinaus bezahlte er manche Tribute selbst.
Der zerbrochne Krug
(Heinrich von Kleist)
Das Stück dreht sich um den titelgebenden Krug, der zerbrochen wurde. Frau Marthe Rull gehört ebendieser Krug und sie beschuldigt Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter Eve, am vorherigen Abend den Krug in ihrem Haus zerstört zu haben. Dieser versichert wiederum, dass ein Einbrecher den Krug zerbrochen hat, der bei seiner Flucht aus dem Fenster sprang.
Die deutschen Kleinstädter
(August von Kotzebue)[1]
Der Bürgermeister des Städtchens Krähwinkel möchte, dass seine Tochter Sabine den Bau-, Berg- und Weginspektors-Substitut Sperling heirate. Sabine, die noch zuvor ein Jahr in der Residenzstadt verbrachte und dort einen Herren kennenlernte, ist von dieser Idee wenig begeistert. Sie möchte lieber ihre Bekanntschaft ehelichen.
Leonce und Lena
(Georg Büchner)
Der Prinz Leonce ist der Sohn des Königs Peter vom Reiche Popo, einem kleinen Staat, der an die vielen Kleinstaaten vor Gründung des Deutschen Reichs 1871 erinnert. Leonce ist von seiner Affäre zu der Tänzerin Rosetta gelangweilt und beendet die Beziehung. Er ist allerdings keinesfalls mit der Entscheidung seines Vaters einverstanden, ihn mit der ihm unbekannten Prinzessin Lena aus dem Königreich Pipi zu verheiraten. Der Prinz entschließt sich zu fliehen.
[1] August von Kotzebue (1761-1819) gilt neben Eduard Bauernfeld als einer der wesentlichen Vertreter des Lustspiels.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Lustspiel
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001