Als Mittelreim wird eine Reimart und Sonderform des Binnenreims bezeichnet. Im Mittelreim reimen sich zwei Wörter aufeinander, die in nachfolgenden Versen stehen. Wichtig ist, dass die Wörter, die die Reimbindung ergeben, nicht am Anfang oder Ende stehen, sondern in etwa in der Mitte der jeweiligen Zeilen. Sehr ähnliche Formen sind der Mittenreim und der Zäsurreim.

Der Binnenreim war vor allem in der Literatur des Barocks und außerdem in mittelhochdeutscher Dichtung verbreitet, natürlich auch für alle Sonderformen der Reimart und demzufolge auch für den Mittelreim, der eine Reimbindung im Inneren zweier aufeinanderfolgender Verse meint. Schauen wir auf ein Beispiel.


Ich bin der Vater meiner Tochter
und hab ’nen Kater. Alles Roger!

Im obigen Beispiel reimen sich Vater und Kater. Beide stehen inmitten einer rhythmischen Reihe und eben nicht zu Beginn oder am Ende der Verszeilen. Diese Reimbindung ist eine Alternative zur Endreimbindung, wie sie in den typischen Reimschemata vorliegt und rhythmisiert einen Text natürlich ganz anders.


Sei gegrüßt, lieber Peter wie sieht’s aus?
treffen wir uns später und gehen aus?

Auch in diesem Beispiel können wir den Mittelreim ausmachen. Hierbei reimen sich die Wörter Peter und später, die im Versinneren der zwei Zeilen stehen. Würde eines der beiden Wörter allerdings am Versende stehen, müssten wir das Ganze als Mittenreim und nicht als Mittelreim bezeichnen (Verwechslungsgefahr!).

Kurzübersicht: Bedeutung, Wirkung und Funktion

  • Der Mittelreim ist eine Sonderform des Binnenreims und hat eine Reimbindung, die sich über zwei Verse erstreckt. Hierbei werden Wörter, die im Versinneren stehen, aufeinander gereimt.
  • Ein Mittelreim ist eine gängige Alternative zur typischen Endreimbildung und kann somit auf den Leser überraschend wirken, da der Text anders rhythmisiert wird. Diese Reimform kann dabei beinahe treibend wirken, da das Reimpaar vorm Versende eine Entsprechung findet.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Mittelreim
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001