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Monographie

Die Monographie ist eine Abhandlung, also die schriftliche Darstellung, eines einzelnen Gegenstandes in Buchform. Das bedeutet, dass sich die Monographie mit einem einzelnen Sachverhalt, Lebewesen, Problem, Werk oder einer Persönlichkeit befasst. Unerheblich ist, wie viele Autoren an dieser Schrift mitarbeiten, wenn die Beiträge gemeinsam erdacht wurden. Monographien sind meist holistisch. Sie versuchen also, ein Thema von allen Standpunkten zu beleuchten und darzustellen. Der Begriff wird außerdem als Gegenteil zu fortlaufenden Sammelwerken wie Zeitschriften gebraucht (Periodika).

Der Begriff geht auf das griechische Nomen monographía zurück (μονογραφία), welches sich mit Einzelschrift übersetzen lässt und aus den Wörtern monos für einzig sowie graphein für schreiben gebildet wird. Demnach zeigt die Übersetzung an, worum es geht: dass eine Schrift sich um ein einzelnes Thema dreht, aber eben nicht darum, dass sie von einem einzelnen Autoren verfasst wurde. Schauen wir auf ein Beispiel.

In der Abhandlung Käthe Kollwitz mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten von Catherine Kramer stellt die Autorin das Leben und Werk der deutschen Grafikerin, Malerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz umfassend dar. Auf 160 Seiten wird dabei das Œuvre (Gesamtwerk) der Künstlerin gezeigt. Die Monographie erhebt folglich den Anspruch, das Thema ganzheitlich zu beleuchten und dreht sich um eine einzige Persönlichkeit.

Der Umfang einer solchen Abhandlung ist dabei nicht reglementiert, unterliegt somit keinerlei Vorschriften. So ist Kramers Werk über die deutsche Bildhauerin eher von geringem Umfang, wobei es außerdem Schriften zu einzelnen Themen gibt, die weit über 1000 Seiten fassen. Hier ist die Wahl des dargestellten Gegenstandes natürlich ausschlaggebend – eine Monographie über die Darstellung des Mephisto in Goethes Faust bietet natürlich weitaus weniger Material, als eine Abhandlung über das Leben uns Werk Goethes.

Monographie, Handbuch, Lehrbuch, Sammelband

Die Begriffe Monographie, Handbuch, Lehrbuch und Sammelband sind nicht leicht voneinander zu trennen. Dennoch gibt es per Definition durchaus einige Unterschiede, um diese Begrifflichkeiten auseinanderzuhalten. Diese werden in der nachfolgenden Übersicht dargestellt.

  • Monographie: Behandelt einen einzelnen Gegenstand umfassend und versucht so, diesen aus sämtlichen Blickwinkeln darzustellen. Wird sehr häufig von einem Autoren verfasst, was allerdings kein Muss ist. Auch Arbeiten im Kollektiv sind denkbar, wenn die einzelnen Mitarbeiter die Texte gemeinsam anlegen und nicht kapitel- oder abschnittweise ihre Arbeit trennen. Dies trifft eher auf Handbücher und Sammelbände zu.

  • Handbuch: Der Themenbereich ist deutlich breiter angelegt, wobei außerdem eher übergeordnete Bereiche abgedeckt werden. So könnte ein Handbuch einen Überblick der Literaturepochen geben, wohingegen eine Monographie eher auf einen einzelnen Schriftsteller der Zeit eingehen würde. Außerdem ist es üblich, dass Handbücher von mehreren Autoren – jeder mit einem eigenen Schwerpunkt – verfasst werden.

  • Lehrbuch: Ist sehr schwer abzugrenzen. Dient vornehmlich dazu, einen Inhalt so aufzubereiten, dass er im Unterricht behandelt werden kann. Folglich kann eine Monographie durchaus ein Lehrbuch sein. Dennoch bleiben die meisten Lehrbücher eher oberflächlich, reißen Themen also nur an, um auf weiteres Material zu verweisen. Sie sind also nicht immer ganzheitlich, was einen wesentlichen Unterschied darstellt.

  • Sammelband: Meint eine Sammlung einzelner Texte verschiedener Autoren zu einem beliebigen Thema. Ein Sammelband gilt dann als Monographie, wenn die Autoren die einzelnen Texte gemeinsam verfeinert und entwickelt haben. Ist dem nicht so, spricht man eher von Sammelband, Sammelwerk oder auch Aufsatzsammlung. Verwandt ist die Anthologie, aber keine wissenschaftlichen Arbeiten enthält.

Monographie im Bibliothekswesen

Das Bibliothekswesen geht bei der Verwendung des Begriffs eher formal vor, lässt also die einzelnen Merkmale der Textsorte, die in diesem Beitrag vorgestellt wurden, teils außer Acht und orientiert sich eher an der grundsätzlichen Übersetzung des Wortes (Einzelschrift).

Monographien meinen hierbei Werke, die in einem Band vorliegen, also einbändig sind und von einem Autor verfasst wurden. Diese Unterscheidung dient dazu, die Textsorte von mehrbändigen Büchern abzugrenzen und außerdem von der unselbständigen Literatur, auch unselbständige Werke genannt, zu trennen. Als unselbständig gelten Schriften, die Teil eines übergeordneten Werkes sind (bspw. Aufsätze).

Arzneibuchmonographien

Arzneibücher sind Sammlungen über anerkannte Regeln über die Qualität, Prüfung, Lagerung sowie Bezeichnung von Arzneimitteln, wobei auch auf die bei der Herstellung und Prüfung verwendeten Stoffe, Materialien und Methoden eingegangen wird. In einer Arzneibuchmonographie werden die Eigenschaften einzelner Stoffe dargestellt und welche Anforderungen diese zu erfüllen haben.

Arzneibücher gliedern sich in einen allgemeinen sowie einen speziellen Teil. Im allgemeinen Teil gibt es ein Vorwort, eine Hinführung ins Thema sowie eine allgemeine Anleitung, wie das Buch zu gebrauchen ist. Der weitaus umfangreichere Teil ist der spezielle. Dieser beinhaltet auch die Monographien. Hierbei werden einzelne Wirkstoffe und deren Zusammensetzung erläutert.

Kurzübersicht: Die wesentlichen Merkmale der Textsorte im Überblick

  • Die Monographie ist ein schriftliches Werk, das einen einzelnen Gegenstand holistisch, also ganzheitlich, behandelt und darstellt. Sie bleibt demnach nicht an der Oberfläche oder bietet einen breiten Überblick zu ähnlichen Fachbereichen, sondern geht gezielt in die Tiefe.
  • Die meisten monographischen Schriften werden von einem einzelnen Autoren verfasst, der sich ausführlich mit dem Gegenstand befasst hat. Denkbar sind ferner gemeinschaftliche Projekte, obwohl die Bezeichnung nur dann zutreffend ist, wenn alle Mitarbeitenden sämtliche Texte beeinflusst haben. Teilen sich die Autoren die Aufgaben kapitel- oder abschnittweise, ist üblicherweise die Bezeichnung Sammelband oder Handbuch gebräuchlich.
  • Das Bibliothekswesen fasst unter dem Begriff Schriften, die einbändig vorliegen, gedruckt sind und von einem einzelnen Autoren stammen. Dadurch wird die Monographie von mehrbändigen Schriften und Periodika abgegrenzt. Die Pharmakologie nutzt Monographien in Arzneibüchern. Diese klären über die Bestandteile und Eigenschaften diverser Wirkstoffe auf.

  • Hinweis: Typische Beispiele, die die Merkmale der Textsorte erfüllen, sind unter anderem die Dissertation oder eine Biographie, die auch das Gesamtwerk einer Person behandelt.