WORTWUCHS | Literaturlexikon

Nichtsdestotrotz

Nichtsdestotrotz war ursprünglich ein scherzhaftes Kofferwort aus der Studentensprache, welches sich seit dem 19. Jahrhundert in der Umgangs- und Schriftsprache verbreitet. Das Wort setzt sich aus den gleichbedeutenden Wörtern nichtsdestoweniger und trotzdem zusammen und galt lange Zeit nur als umgangssprachliches Scherzwort. Durch die hohe Verbreitung der Wortneuschöpfung gelangte es über kurz oder lang in diverse Wörterbücher der deutschen Sprache und wird von zahlreichen Sprechern verwendet, wobei es numehr als „echtes“ Wort der Umgangssprache gilt.

Der Begriff ist ein Kofferwort. Als Kofferwort wird die Verschmelzung zweier Wörter bezeichnet, die sich in diesem überlappen. Hierbei verschmelzen nichtsdestoweniger und trotzdem miteinander, wodurch nichtsdestotrotz entsteht. Dieses hat in diesem Fall die gleiche Bedeutung wie die Wörter, aus denen es sich bildet. Ein weiteres Beispiel-Kofferwort ist Denglisch, in dem Deutsch und Englisch verschmelzen.

Der deutsche Sprachwissenschaftler Heinz Küpper verweist in seinem Illustrierten Lexikon der deutschen Umgangssprache darauf, dass der Ausdruck vermutlich aus dem Berlinerischen kommt und in etwa um die 1870er Jahre entstanden ist. In der Literatur lässt sich das Wort nach unseren Recherchen bereits ab 1849 belegen, wobei eine frühere Verwendung mit Sicherheit nicht auszuschließen ist. So heißt es etwa in Friedrich Gerstäckers Gold! Ein kalifornisches Lebensbild aus dem Jahre 1849 von 1859:


Die Hände in den Taschen, schlenderten inzwischen einige der Yankee-Storekeeper, der Händler, die Straße hinab, genau dorthin, wo die beiden wilden Mädchen mit den Pferden hielten. Dank ihrer Auffassungsgabe hatten sie auch von der Sprache der Indianer so viel gelernt, daß ›Walle-Walle‹ (Freund-Freund) der Gruß der Indianer war. Dieses ›Walle-Walle‹ war bei ihnen allerdings wenig mehr als der abgebrochene Henkel eines Topfes in ihren Händen, denn jede begonnene Konversation war damit auch wieder abgeschnitten. Nichtsdestotrotz und im Gefühl ihres Wertes als Weiße und Amerikaner, ja als Herren des Landes, gingen die langen, schlaksigen Burschen ziemlich zuversichtlich auf die beiden Schönen zu und brachten ihren Gruß an. (Friedrich Gerstäcker: Gold! Ein kalifornisches Lebensbild aus dem Jahre 1849, Kapitel 25)


Der obige Auszug zeigt, dass bereits vor Küppers Vermutung eine Verwendung zu belegen ist. Einzug in die Landschaft der Wörterbücher hielt der Begriff dann aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So verzeichnet das Stadtwörterbuch Der richtige Berliner den Eintrag nichtsdestotrotz seit 1925, wobei es ab 1935 auch im Sprach-Brockhaus zu finden ist, wo es mit den Adjektiven scherzhaft und umgangssprachlich charakterisiert wird. Im Duden ist nichtsdestotrotz übrigens seit den 1950er Jahren zu finden.

Seither scheint der Siegeszug des einstigen Scherzwortes ungebrochen. Mittlerweile findet es sich in sämtlichen (überprüften) Wörtbüchern der deutschen Sprache und wird auch in seriösen Publikationen als Synonym zu trotzdem oder eben nichtsdestoweniger gebraucht. gebraucht. Folglich illustiert der einstige Sprachwitz, dass Sprache wandelbar ist und neue Wörter entstehen können (vgl. Neologismus).Das Wort nichtsdestotrotz ist ein Kofferwort aus nichtsdestoweniger und trotzdem.

Kurzübersicht: Das Wichtigste im Überblick


  • Das Konjunktionaladverb nichtsdestotrotz war urspünglich eine Scherzwort, das mit hoher Wahrscheinlichkeit in studentischen Kreisen entstand. In Wörterbüchern findet sich der Begriff seit dem beginnenden 20. Jahrhundert, wenngleich er sich an diversen Stellen in der Literatur bereits inmitten des 19. Jahrhunderts ausmachen lässt.
  • Bei dem Wort handelt es sich um ein Kofferwort. Kofferwörter sind Verschmelzungen aus mindestens zwei Wörtern. Hierbei werden einzelnen Bestandteile dieser Wörter überlappt. Das Wort nichtsdestotrotz setzt sich aus nichtsdestoweniger und trotzdem zusammen.

  • Hinweis: Das Wort gilt rechtschreiblich als schwierig, da viele Schreibende unsicher sind, ob es nun „nichtsdestotrotz“ oder „nichts desto trotz“ geschrieben wird. Das Problem liegt hier im ursprünglichen Scherzcharakter des Wortes begründet, der eine Herleitung unmöglich macht.

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