Ein Argument ist eine Aussage, um eine Behauptung, also eine These, zu beweisen. Die Stärke einer solchen These hängt davon ab, wie groß die Qualität der Argumente ist, die wir für sie finden können. Ein normatives Argument ist eine Aussage, die sich auf ein anerkanntes Denkmuster, also eine Norm, stützt. Solche Denkmuster werden als Topoi bezeichnet.

Normativ bedeutet, dass etwas allgemein anerkannt ist, als Richtschnur dient oder einen Maßstab für etwas darstellt. Das Adjektiv geht auf das Substantiv Norm zurück.Das ist eine Regel für das Zusammenleben von Menschen, die verbindlich und gemeinhin akzeptiert ist. Du sollst keinen Menschen töten, wäre eine solche Norm. Wenn also etwas normativ ist, wird es von anderen angenommen. Schauen wir auf ein Beispiel.

(1)
(2)
Man soll nicht betrügen.
Deshalb sollte das Abschreiben verboten werden.

Das normative Argument ist hier, dass man niemals betrügen sollte. Eine solche Aussage wird bei den meisten Menschen auf Zuspruch stoßen. Wir haben es also mit einer Aussage zu tun, die moralische und politische sowie gesellschaftliche und politische Forderungen beinhaltet und von Menschen in teils unterschiedlichem Maße als gesetzt angenommen wird. Das Argument ist also normativ.

Daraus folgt im Beispiel die Ableitung, dass das Abschreiben (vielleicht bei einer Prüfung) verboten werden sollte. Die These ist also, dass es besser wäre, das Abschreiben zu verbieten und belegt wird diese damit, dass man niemals betrügen sollte. Es wird somit für die formulierte These argumentiert.

(1)
(2)
Was lange währt, wird endlich gut.
Die Entscheidung wurde lange diskutiert. Sie sollte umgesetzt werden.

Hierbei ist das normative Argument, das für die Durchsetzung der Entscheidung gefunden wurde, eher schwach. Das liegt darin begründet, dass Normen nicht immer gleich stark ausgeprägt sind. Im ersten Fall wurde eine angeführt, die die meisten Menschen annehmen, weshalb die Aussage folgerichtig erscheint. Jedoch scheiden sich die Geister, ob die Aussage, dass etwas, das lange währt, gut wird, zurtrifft.

Hinweis: Normative Argumente können aus allem geschöpft werden, was allgemein anerkannt ist. In einer pluralistischen Gesellschaft ist mit Zuspruch aber nicht generell zu rechnen. Pluralistisch meint, dass unterschiedliche Normen in der Gesellschaft existent sind, die sich widersprechen können.

Das Wichtigste zur Wirkung und Funktion im Überblick

  • Ein normatives Argument beruht auf anerkannten Normen innerhalb einer Gesellschaft. Allerdings gibt es Normen, die weitaus anerkannter sind (nicht töten, stehlen, betrügen usw.) und welche, die nur für einige Menschen gelten (nicht dazwischenreden, hüpfen, über den Rasen laufen usw.).
  • Ist eine Gesellschaft also pluralistisch, hat also verschiedene Ansichten und Wertevorstellungen, wird eine solche Aussage auf weniger Zuspruch treffen, da es viele verschiedene Ansichten gibt, welche Norm denn nun die richtige ist.
  • Neben dem Faktenargument, Autoritätsargument, Plausibilitätsargument und indirekten oder auch analogisierenden Argumenten, gilt das normative als eine seriöse Praxis in der Rhetorik und kann dazu genutzt werden, eine aufgestellte Behauptung zu belegen.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Normatives Argument
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001