Der Paarreim ist ein sehr bekanntes Reimschema, das uns recht häufig in Kinderreimen, Kinderliedern, Abzählreimen und natürlich auch in populärer Musik begegnet. Das liegt zum Einen darin begründet, dass der Paarreim sehr einfach gestrickt ist und außerdem ein sehr eingängiges Reimschema aufweist. Dieses folgt dem Muster aabb.

Im Paarreim werden Verse, die nacheinander kommen, auf einander gereimt. Das bedeutet, dass die Endungen der einzelnen Zeilen innerhalb einer Strophe in einem Gedicht gleich klingen.

Beispielsweise reimen sich die Wörter Sonne und Wonne oder Haus und Maus. Würden diese Wörter innerhalb einer Strophe den Abschluss aufeinanderfolgender Verse bilden, wäre das ein Paarreim. Schauen wir doch einmal auf ein fiktives Beispiel.

Ich mag den Sommer, denn da gibt es Sonne,
ihr Schein ist für alle Lebewesen eine Wonne
Drum bleibe im Sommer nicht im Haus
und versteck dich nicht, wie eine Maus.

Wir sehen, dass sich die unterstrichenen Wörter reimen und nahezu gleich klingen. Allerdings reimt sich lediglich Sonne auf Wonne und Haus auf Maus. Diese Feststellung können wir nun farblich markieren, sodass die einzelnen Reime im Paarreim ersichtlich werden.

Ich mag den Sommer, denn da gibt es Sonne,
ihr Schein ist für alle Lebewesen eine Wonne
Drum bleibe im Sommer nicht im Haus
und versteck dich nicht, wie eine Maus.
Wenn wir diese Zeilen nun hervorgehoben haben, können wir ablesen, dass sich einzelne Paare gebildet haben, die irgendwie zusammen gehören. Man könnte also auch schreiben, dass wir im obigen Gedicht das Reimschema rot, rot und grün, grün haben. Die Farben bilden also Paare.

Das Reimschema im Paarreim

In der Literaturwissenschaft hat man sich allerdings darauf geeinigt, dass man solche Ähnlichkeiten nicht mit Farben angibt, sondern lieber Buchstaben benutzt. Einfach deshalb, weil Buchstaben überall gleich sind und somit für jeden klar ist, welche Abfolge wir meinen.

Dabei fangen wir im Alphabet einfach vorne an. Nehmen wir also für das Rote den Buchstaben A und setzen für unsere grüne Markierung das B ein. Schon sieht der Paarreim folgendermaßen aus.

a
a
b
b
Ich mag den Sommer, denn da gibt es Sonne,
ihr Schein ist für alle Lebewesen eine Wonne
Drum bleibe im Sommer nicht im Haus
und versteck dich nicht, wie eine Maus.
Wenn wir nun das Reimschema im Paarreim angeben möchten, verweisen wir einfach auf die Buchstabenfolge. Der Paarreim wird also mit den Buchstaben aabb beschrieben.

Buchstaben im Paarreim fortsetzen

Anfangs haben wir uns darauf geeinigt, dass wir anstatt der Farben auf Buchstaben setzen, um das Reimschema anzugeben. Dabei stand das A für den ersten Reim in einer Strophe und das B für den zweiten Reim im Gedicht. Dieses Prinzip müssen wir natürlich weiterführen, wenn uns neue Reime begegnen. Schauen wir auf die ersten Strophen von Heinrich Heines Gedicht Die Wanderratten.

a
a
b
b

c
c
d
d

Es gibt zwei Sorten Ratten:
Die hungrigen und satten.
Die satten bleiben vergnügt zu Haus,
Die hungrigen aber wandern aus.

Sie wandern viele tausend Meilen,
Ganz ohne Rasten und Weilen,
Gradaus in ihrem grimmigen Lauf,
Nicht Wind noch Wetter hält sie auf.

Die einzelnen Strophen bestehen also immer aus Paarreimen, wobei die erste das Reimschema aabb aufweist und die zweite mit den Buchstaben ccdd angegeben wird. Diese neuen Buchstaben verwenden wir deshalb, weil neue Reime eingeführt wurden.

Würden wir in der dritten Strophe nochmals neue Reime finden, würden wir den Paarreim mit eeff und danach mit gghh angeben. Dieses Prinzip lässt sich natürlich immer weiter fortführen.

Reimpaare: Ratten und satten | Haus und aus | Meilen und Weilen | Lauf und auf

Funktion des Paarreims

Natürlich wird der Paarreim nicht einfach so in einem Gedicht genutzt, sondern hat auch einen bestimmten Effekt. In der Literaturwissenschaft würden wir diesen Effekt als die Funktion des Paarreims bezeichnen. Denn selbstverständlich hat jedes Schema auch eine unmittelbare Wirkung auf den Rezipienten, also den Leser, des Gedichts.

Der Paarreim und seine Funktion

  • Der Paarreim bringt oftmals eine fröhliche Stimmung in ein Gedicht. Immerhin ist uns diese Form des Singsangs aus Kinderliedern und Abzählreimen bekannt.
  • Der Paarreim ist eine sehr eingängige Form. Der Leser verfällt in einen ganz bestimmten Rhythmus beim Lesen, weshalb sich solche Gedichte sehr leicht erlernen lassen und in Erinnerung bleiben.
  • Aufgrund dieser Aspekte findet sich der Paarreim auch sehr häufig in Volksliedern, da er unbeschwert, vielleicht ein wenig naiv und auch kindlich wirken kann.
  • Natürlich muss ein Gedicht aufgrund dieses Reimschemas nicht fröhlich sein, denn mit dem Effekt kann natürlich auch ganz bewusst gespielt werden. Dabei kann sogar eine ganz eigene Tragik entstehen.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Paarreim
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001