Als Pendant wird ein Gegenstück oder eine Entsprechung bezeichnet. In der Kunst meint das Pendant ein Kunstwerk, das einem anderen in Größe, Form, Darstellung, Wahl des Gegenstandes sowie Inhalt gleicht. In der Literatur kann mit dem Begriff ein Werk gemeint sein, welches einem anderen in vielen Details ähnelt. Beispielsweise kann Nasreddin Hoca, der Protagonist vieler humorvoller prosaischer Geschichten, welcher vornehmlich im türkisch-islamisch beeinflussten Raum bekannt ist, als ein Pendant zu Till Eulenspiegel, ein Schelm einer mittelniederdeutschen Legende, gelten.

Der Begriff geht auf das französische pendant zurück, was die gleiche Bedeutung hat. Dieses Wort leitet sich vom lateinischen pendere ab, das sich mit hängen übersetzen lässt. Daraus leitet sich außerdem das Nomen Pendel ab, das einen schwingenden Körper bezeichnet. Dabie verweist die Übersetzung grundsätzlich auf die Bedeutung des Wortes. Der Zusammenhang zwischen hängen und Gegenstück ergibt sich aus dem Bild der Waage, bei der einem Gewicht ein Gegengewicht gegenübersteht. Eine Waagschale braucht nämlich ein passendes Gegenstück, ein Pendant, um nicht durchzuhängen und im Gleichgewicht zu sein.

In Museen, Galerien oder auf Aufstellungen stehen sich künstlerische Pendants oftmals gegenüber oder sind symmetrisch im Ausstellungsraum angeordnet. Dabei spricht man von einer Pendanthängung. Zwischen den Werken, welche sich gegenüberstehen, können durchaus weitere Objekte im Raum ausgestellt werden, was mitunter zur Interpretation anregt. Schauen wir zur Veranschaulichung auf einige Beispiele der Kunst:


Anordnung zweier Bildtafeln als Pendant

Adam und Eva, Albrecht Dürer. Das zweiteilige Gemälde wird im spanischen Prado als Pendant ausgestellt.


Das obige Beispiel zeigt Ausschnitte aus Albrecht Dürers zweiteiligem Gemälde Adam und Eva (1507), auf der linken Seite ist Adam, auf der rechten Eva zu erkennen. Im Prado, einem bedeutendsten Kunstmuseen der Welt in Madrid (Spanien), wurde das Kunstwerk als Pendant ausgestellt. Hier hängen beide Bilder auf gleicher Höhe nebeneinander. Die Werke ähneln sich in Inhalt, Darstellung und Wahl des Gegenstandes.

Dargestellt sind hier Adam und Eva, die laut dem ersten Schöpfungsbericht der Bibel (Gen 1,27) das erste Menschenpaar sind und demnach die Stammeseltern aller weiteren Generationen. Auf Dürers Werk stehen beide frontal in Lebensgröße, wobei nur ihre Geschlechtsteile von Zweigen verhängt werden, vor einem dunklen Hintergrund. Beide Werke zeigen die verbotene Frucht, die Eva von der Schlange annimmt.


Zwei Werke von Giovanni Battista Tiepolo, die Pendants voneinander sind.

Abraham und die Engel, Hagar und Ismael, Giovanni Battista Tiepolo, um 1732


Die obigen Gemälde sind von Giovanni Battista Tiepolo, einem venezianischen Maler des Barock sowie des Rokoko. Beide Kunstwerke verweisen im Titel auf das andere. Das linke wurde als Abraham und die Engel, Pendant zu »Hagar und Ismael« bezeichnet, wobei das rechte den Titel Hagar und Ismael, Pendant zu »Abraham und die Engel« trägt. Sie gelten als Meisterwerke der christlichen Kunst und stellen eine Geschichte des Alten Testaments um den Erz- und Stammvater Abraham dar (Gen 12–25).

So heißt es, dass Abraham und seine Ehefrau Sara scheinbar kinderlos bleiben, woraufhin Sara ihren Mann bittet, Nachwuchs mit der ägyptischen Magd Hagar zu zeugen, um die Nachfolge zu sichern. Das Kind sollte nach damaliger Sitte als Kind der Herrin, also Sara, gelten. Einige Zeit später gebiert Hagar tatsächlich einen Sohn, Ismael. Dennoch wird Sara 14 Jahre später doch noch Mutter und bringt Isaak zur Welt.

Der ältere Ismael macht sich nun über Isaak lustig, woraufhin die eifersüchtige Sara ihren Ehemann bittet, die Sklavin Hagar und ihren Sohn zu wegzuschicken. Abraham ist erst unwillig. In der Folge erscheint ihm ein Engel (linkes Gemälde), der ihm verspricht, dass aus Ismael dennoch ein großes Volk hervorgehen wird. Abraham gibt nach und schickt die beiden mit Proviant fort. Als deren Vorräte zu Ende gehen, erscheint wiederum Hagar, deren Sohn vor Durst im Sterben liegt, ein Engel, der ihr einen Brunnen weist.

Demzufolge thematisieren beide Gemälde einen ähnlichen Gegenstand, ähneln sich darüber hinaus in der Art und Weise der Darstellung (ähnliche Farbgebung, Maltechnik) und aufgrund der Perspektive (Engel links, Menschen rechts). Die Bilder sind also als Pendants zu betrachten und demnach Gegenstücke.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Begriff im Überblick

  • Als Pendant wird ein Gegenstück, eine Entsprechung sowie eine Ergänzung bezeichnet. Der Begriff ist in der Kunst (Musik, Literatur), aber auch im allgemeinen Sprachgebrauch üblich.
  • In der Kunstgeschichte werden so Werke bezeichnet, die ein anderes in Inhalt, Darstellung und Form ähneln sowie das entsprechende Werk in irgendeiner Form ergänzen (vgl. Hommage). Häufig werden Pendants in Museen an gegenüberliegenden Wänden oder nebeneinander ausgestellt. In dieses Ensemble können auch weitere Kunstwerke „eingebaut“ werden.
  • Im Sprachgebrauch werden mit dem Begriff zumeist Dinge bezeichnet, die inhaltlich das Gleiche oder etwas Ähnliches darstellen, aber einem anderen kulturellen / regionalen Ort zuzuordnen sind. Weiterhin meint der Begriff auch einfach ein passendes Gegenstück, das etwas anderes ergänzt. Synoynm sind Analogon, Äquivalent, Counterpart, Entsprechung, Gegenstück.
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Pendant
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001