Als Plot wird die Handlungsstruktur eines dramatischen oder erzählenden Textes bezeichnet und demzufolge der Grundriss der (in Kurzform nacherzählbaren) Handlung. Allerdings ist der Begriff mehrdeutig, so dass der Plot in drei verschiedene Bedeutungsvarianten verwendet wird, die allesamt sehr nahe beieinander liegen und demnach schwierig voneinander zu trennen sind.

Der Begriff leitet sich aus dem Englischen ab und lässt sich mit Handlung übersetzen. Dennoch ist nicht einwandfrei geklärt, woher der Begriff ursprünglich kommt. Trotzdem offenbart uns die Übersetzung sehr schön, worum es grundsätzlich geht: die Handlung [eines erzählenden oder dramatischen Textes].

Da das Wort in der Literaturwissenschaft allerdings unterschiedlich gebraucht wird, können wir uns mit der einfachen Information, dass der Plot die Handlung meint, nur bedingt zufrieden geben. So ist plot nämlich einerseits das Gegenstück zur story – Begriffe die E.M. Forster prägte – und andererseits ein narratives Schema und beschreibt außerdem die narrative Vermittlung. Schauen wir deshalb einmal ins Detail.

Hinweis: Nachfolgend sollen nun die unterschiedlichen Bedeutungsvarianten erklärt werden. Beginnen werden wir mit dem Begriffspaar story / plot, um danach ein allgemeineres Verständnis zu beleuchten.

plot und story nach E.M. Forster

Forster, ein englischer Erzähltheoretiker, veröffentlichte 1927 sein Werk Aspects of the novel and related writings und schlug dabei die Begriffe story und plot vor, um zwei verschiedene Ebenen des Erzählens zu bezeichnen. Beide betreffen die Handlung einer Erzählung.

story meint hierbei die chronologische Abfolge der einzelnen Geschehenisse einer Handlung. Also so, wie sie zeitlich passieren und nicht unbedingt so, wie die Geschichte sie dem Leser aufbereitet, denn hierbei können Zeitsprünge vorliegen. Somit ist die wichtige Frage in Bezug auf die story: Und dann? Was geschah dann?


Erst starb Holger, dann starb Martin und am Ende war auch noch Rudi tot.


Das obige Beispiel präsentiert uns die Ereignisse einer möglichen Geschichte in ihrer richtigen Reihenfolge. Das bedeutet, dass die tatsächlich Reihenfolge der Ereignisse eingehalten wird. Allerdings liefert uns die story keinen Anhaltspunkt dazu, warum etwas geschehen ist und somit keine Begründungen.

Sie umfasst zwar alle Ereignisse, Geschehnisse und Handlungen der Geschichte, betrachtet diese aber als unverknüpft und unverbunden. Dadurch können die genannten Ereignisse eher als Reihung verstanden werden und sind mit einer reihenden Inhaltsangabe zu vergleichen. Schauen wir nun auf den plot.


Holger starb, als seine Wohnung in lodernden Flammen aufging, da eine Gasleitung im Keller explodiert war. Martin, der erste Feuerwehrmann am Ort des Geschehens, gab sein Bestes und versuchte, Holger aus dem tödlichen Feuer zu bergen, konnte aber nichts mehr für ihn tun und starb an den Folgen einer schweren Rauchvergiftung. Rudi, Martins Hamster, verstarb, weil niemand mehr kam, um ihn zu füttern.


Das obige Beispiel mutet vielleicht grausam an. Aber genau dies liegt am plot. Der plot ist nämlich nicht nur die einfache Nennung der Ereignisse, sondern außerdem die Begründung dieser. Der plot stattet somit die Handlungsabschnitte einer Erzählung mit Ursachen aus und beantwortet die Frage nach dem Warum.

Der plot umfasst demnach ebenso alle Ereignisse, beinhaltet aber auch die spezifischen Verknüpfung dieser Elemente. Das bedeutet, dass der plot die Motivation einzelner Handlungen nachzeichnet und die kausalen Zusammenhänge der Erzählung offenbart.

Hinweis: E. M. Forster verwendete die Begriffe plot und story erstmalig in einem linguistischen Kontext. Die story meint dabei die chronologische Abfolge der Ereignisse, der plot liefert die Ursachen für diese mit. Übrigens wird es ein wenig verwirrend, wenn die Begriffe Fabula und Sujet ins Spiel kommen, weil ihre englische Übersetzung story und plot sind. Aber darum soll es an dieser Stelle nicht gehen.

Demzufolge liefert der plot eine bestimmte zeitliche Strukturierung, einen kausalen und / oder finalen Zusammenhang und zeigt prägnante Anfangs- und Endpunkte einer Erzählung.

Plot als narratives Schema

Narrativ bedeutet erzählen, ein narratives Schema ist somit ein Muster, welches die Art und Weise des Erzählens meint. Der Plot kann auch ein solches narratives Schema beschreiben. Um das Ganze anhand eines Beispiels zu zeigen, müssen wir vorab auf das Erzählschema schauen.

Eine Geschichte gliedert sich in zwei Ebenen. Einmal in die Ebene des discours und außerdem in die der histoire. Der discours meint die künstlerische Ausgestaltung eines Textes, wohingegen die histoire die geschilderten Ereignisse umfasst und somit die tatsächliche Geschichte.

Wenn wir ein Erzählschema untersuchen, beschränken wir uns auf die Ebene des discours, also auf die Ereignisse, die innerhalb der erzählten Welt geschehen. Diese Ereignisse lassen sich linear anordnen, also vollkommen unabhängig davon, wie sie in der tatsächlichen Geschichte erzählt werden.


Ein Mord geschieht – Polizisten kommen zum Tatort – Polizei steht vor einem Rätsel – ein privater Ermittler wird beauftragt – dieser fällt ebenfalls dem Täter zum Opfer – die Polizei ist immer noch ratlos usw.


Diese Abfolge ließe sich nun mühelos erweitern und somit abstrahieren, bis wir am Ende der Geschichte angelangt wären, wo der Täter vermutlich doch noch gefasst wird. Allerdings lassen sich diese einzelnen Schritte zu einem Erzählschema bündeln und somit beachtlich reduzieren:


Erzählschema: VerbrechenTätersucheFehlschlägeVerhaftungPlot


Dieses Erzählschema klingt vertraut. Immerhin verläuft nahezu jeder Detektivroman so und sonntags gibt es im Fernsehen einen Tatort, der nach einem solchen Muster aufgelöst wird. Mitunter wird diese individuelle Anrodnung ebenso als Plot bezeichnet. Treffender ist jedoch Erzählschema.

Plot als narrative Vermittlung

Die bisherigen Bedeutungsvarianten betreffen beide Aspekte der histoire, also der diegetischen Textwelt. Die letzte Möglichkeit konzentriert sich allerdings auf die Ebene des discours, also die Art und Weise der Darstellung und wie der Erzähler die Geschichte vermittelt.

Hierbei ist der Plot zwar immer noch eine Wiedergabe der Handlungsstruktur einer Geschichte, unterscheidet sich aber insofern von der story, als dass Umgruppierungen in der Abfolge möglich sind. Demzufolge ist dier Plot-Begriff weitaus freier, da die Wiedergabe der Geschichte eben nicht chronologisch erfolgen muss.

Kurzübersicht: Das Wichtigste zum Plot in der Übersicht

  • Als Plot wird grundsätzlich die Handlungsstruktur eines erzählenden Textes bezeichnet. Allerdings gibt es im Detail drei verschiedene Bedeutungsvarianten des Begriffs.
  • (1) Als Gegenstück zur story meint plot die Wiedergabe der Ereignisse einer Erzählung, wobei diese durch Ursachen miteinander verbunden sind. Sie sind also nicht unverbunden und nur aneinander gereiht, wie bei der story.
  • (2) In diesem Fall bezeichnet Plot ein von der Gesamtheit der erzählten Ereignisse abstrahiertes Erzählschema. Jedoch sind die Begriffe Erzählschema / narratives Schema treffender.
  • (3) Plot beschreibt die Form der narrativen Vermittlung und ist mit dem discours verwandt, also der künstlerischen Gestaltung eines Textes (Erzähltempo, Zeitsprünge etc.)
Sekundärliteratur und weiterführende Werke zum Thema Plot
  • Fricke, Harald u.a. (Hrsg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Berlin, New York: Walter Gruyter 2000, Bd.1-3
  • Otto F. Best: Handbuch literarischer Fachbegriffe. Definitionen und Beispiele 4. Aufl. Fischer, Frankfurt am Main 1998
  • Gero von Wilpert: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 2001